Korbach/Diemelsee

Riesenknall für neue Straße

- Korbach (lb). Ein Knall, eine Staubwolke – und schon kann der Straßenbau zwischen Korbach und Flechtdorf weitergehen. Mit 700 Kilogramm Sprengstoff hat Sprengingenieur Rolf Wischnat am Montag den Weg frei gemacht.

Der Regen wird zum Wolkenbruch, Rolf Wischnat rinnt das Wasser vom Helm. Auf der Baustelle hat sich eine kleine Seenlandschaft gebildet: knöcheltiefe, waschkorbgroße Pfuhle. Auch die sechs Meter tiefen Bohrlöcher, in denen der Sprengingenieur Plastikwürste versenkt, prall mit je zwei Kilo von dem Sprengstoff Eurodyn gefüllt, laufen mit einer braunen Brühe voll. Dem Sprengstoff mache das nichts aus, sagt Wischnat, der zünde auch unter Wasser. Für den 57-jährigen Staufenberger wird es aber schwerer zu überprüfen, ob die Würste in die richtige Position gerutscht sind. Er kann sich nicht auf sein Gehör und die Augen verlassen, sondern nur auf einen langen dünnen Stab, mit dem er wie ein Blinder in der überfluteten Untiefe stochert – und auf seine Erfahrung. Fast 40 Jahre übt er den explosiven Beruf schon aus, die Arbeit mit dem gefährlichen Material ist Routine. „Nur dass es auf einer Baustelle schon mal so nass war, daran kann ich mich nicht erinnern“, sagt Wisch­nat mit triefendem Bart. Einen ganzen Vormittag dauern die Vorbereitungen. Insgesamt 700 Kilogramm Sprengstoff verteilt Wischnat in den 52 an zwei Tagen zuvor in den Fels getriebenen Löchern, unterstützt von seiner Frau Marion. Vor zehn Jahren hat sie umgesattelt – von der Krankenschwester zur Sprengmeisterin – und ist in den Betrieb ihres Mannes eingetreten. 3000 Kubikmeter Schiefer sollen durch die Wucht der Explosion zu handlichen Brocken zerplatzen. Und die können die Bagger, die sich vorher an dem Hügel die Zähne ausgebissen haben, problemlos wegräumen. Geplant gewesen sei die Sprengung nicht, erklärt das Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Bad Arolsen. Denn dass sich das Gestein als so hartnäckig erweisen würde, damit hatte keiner gerechnet. Nur noch Minuten bis zur Sprengung: Alle Plastikwürste sind in den Bohrlöchern versenkt und verkabelt, der Verkehr auf der Landesstraße an der Helmscheider Höhe zwischen Korbach und Flechtdorf muss pausieren. Wischnat hat sich auf einem Hang in Sichtweite positioniert. Ein langes Warnsignal aus einem kleinen, blechernen Horn, der Sprengmeister kurbelt an einem autobatteriegroßen Kasten, drückt einen Knopf. Dann ein dumpfer Rumms, eine Staubwolke steigt auf, ein paar Gesteinsbrocken klatschen auf den Boden – das war’s. „So schnell können 25 Millisekunden vorbei sein“, sagt Wischnat und schmunzelt.

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