Episoden aus der 400-jährigen Geschichte der Schützengilde

Von Rittern, Räubern und Rottmeistern

+
Geschichte(n) der Schützengilde aus 400-jähriger Tradition hat Martin Merhof (links) in einem Buch veröffentlicht. Zusammen mit Schützenkönig Stefan Ginder überreichte er 32 Exemplare an Schulleiter Ulf Imhof und Ulrike Gründel (von links) für die Schulbi

Waldeck-Sachsenhausen - Ein Stück Heimatgeschichte mit Episoden aus 400-jähriger Schützentradition hat Martin Merhof zusammengestellt. Rechtzeitig zum Freischießen am Wochenende erscheint sein Buch „Geschichten(n) der Schützengilde zu Sachsenhausen“.

Span-nend wie ein Kriminalroman liest sich die Schilderung eines Überfalls im Jahr 1498 auf eine Kuhherde im Stadtwald bei Selbach. C. Helmar beschreibt darin, wie es zur Gründung der Sachsenhäuser Schützengilde kam. Nachzulesen war die Geschichte im Jahr 1929 in der Waldeckischen Landeszeitung.

Diese Überlieferung und weitere Anekdoten, Zahlen und Fakten, teils mit Originalzitaten belegt, skizzieren Ausschnitte aus der ältesten Bürgervereinigung Sachsenhausens.

Die Geschichte der Schützengesellschaft 1604 lässt sich über 400 Jahre nachweislich zurückverfolgen. „Nicht nur eine Mitgliederliste aus dem Jahr 1604, sondern auch Stadtkassenabrechnungen von 1592 und 1597 und eine Erzählung aus den 20er-Jahren des vergangenenen Jahrhunderts weisen auf die alte Tradition hin“, so der Buchautor.

Die Lektüre vermittelt Heimatgeschichte, darunter Informationen über die älteste Urkunde aus dem Stadtarchiv. Das Dokument vom 5. November 1352 zeigt auf einem Wachssiegel das noch heute gültige und nur wenig veränderte Wappen der Stadt: Ein Ritter mit Schwert und Schild auf beiden Seiten, flankiert mit Lilien. Es wird Graf „Heinrich dem Eisernen“ zugeordnet. Tatsächlich führte aber bereits Graf Adolf I. von Waldeck, der Gründer der Stadt Sachsenhausen (1246), ein solches Siegel.

Die Entwicklung der Schützengilde mit Gründung der heute fast 300 Jahre alten Geschütztruppe wird dargestellt. Schon 1751/52 war es in Sachsenhausen üblich, das neue Jahr mit Böllerschüssen zu begrüßen. „Die acht Rottmeister mussten des Schießens halber in der Neujahrsnacht patroulieren“, heißt es in dem Büchlein.

Auch das Vermögen der Schützengesellschaft wird aufgelistet. 1620 betrug es „56 Mütte, elf Metzen und zweieinhalb Becher Korn“. Waldeckische Landordnung von 1525, Pest und Kriege, Details zu Schnadezügen, Kleinodien und alte Rechte sind Themen auf 130 Seiten. Der Schützenkönig hatte einst das Nutzungsrecht für eine eineinhalb Morgen große Königswiese im Stadtwald. Ein Königsalbum, illustriert mit vielen Fotos bis hin zum aktuellen Schützenkönigspaar Stefan und Evelyn Ginder, dokumentiert die neuere, 100 Jahre alte Geschichte der Gilde.

Heimatgeschichte in Schule

„Das Freischießen 1912 markiert das Ende der alten Zeit“, erläutert Merhof. Mit dem Freischießen vor 100 Jahren wurde ein neues Kapitel eingeläutet, das zunehmend vom sportlich-geselligen Schützenwesen geprägt ist.

32 Exemplare des von Sponsoren unterstützten Büchleins überreichten Buchautor Merhof und Schützenkönig Stefan Ginder an Schulleiter Ulf Imhof und Lehrerin Ulrike Gründel für die Schulbücherei der MPS Sachsenhausen. „Wir wollen Heimatgeschichte in die Schule tragen“, sagt Merhof und regte ein Schulprojekt zum nächsten Freischießen in vier Jahren an.

„Geschichte(n) der Schützengilde zu Sachsenhausen“, zusammengestellt von Martin Merhof zum Jubiläum „100 Jahre Freischießen 1912“ - dem letzten Freischießen der „alten Zeit“. Das Buch gibt es für 7,50 Euro in der Buchhandlung Schreiber sowie in Sachsenhausen im Geschäft Best und in der Filiale der Waldecker Bank.

Hintergrund

„In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts haben die Schützen ihre Daseinsberechtigung schlagend bewiesen. Das Räuberunwesen im langen Walde war so stark, dass sich die Banden nicht scheuten, am hellichten Tag einzeln liegende Gehöfte und kleine Dörfer zu überfallen. So erging es eines Tages dem Hof Heide. Ein Knecht sah, wie sich die Bande in den Hof ergoss.

Kurz entschlossen schwang er sich auf den Gaul und brachte ihn in die schnellste Gangart, die dem braven Ackerpferd möglich war und holte Hilfe in Sachsenhausen. Die Schützengesellschaft hatte bald 30 Mann beisammen und eilte dem hart bedrängten Hof zu Hilfe. Als die Schützen ankamen, war der größte Teil schon im Schiebenscheid verschwunden. Auf der Verfolgung wurden drei Männer und eine Frau erschossen, was der Bürgermeister pflichtschuldigst nach Arolsen berichtete.“(r)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare