Sauerland-Open-Air in Willingen eine Zugnummer · 25 000 Schlagerbegeisterte

Rocker Holm und der Regenkönig – Bildergalerie

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Ein Star zum Anfassen: Trotz des einsetzenden Regens ließ es sich DJ Ötzi nicht nehmen, ein Bad in der Menge zu nehmen.Fotos: Armin Hennig

Willingen - 25 000 Schlagerfans fanden trotz ungünstiger Wetterprognosen und deutschem Fußballfinale ihren Weg nach Willingen zum Sauerland-Open-Air. Sie wurden vom Start weg mit einer großartigen Show und bis zur Halbzeit auch mit Sonnenschein verwöhnt.

Das Wetter bleibt bei einer Veranstaltung mit derartigem Vorlauf immer eine Unwägbarkeit, doch bei der Auswahl der Interpreten wie beim Timing des Auftritts hatten HR4 und WDR4 ein absolut glückliches Händchen. Denn jede Fangeneration der Schlagergemeinde kam bei diesem reizvoll inszenierten Kontrastprogramm mit packenden Konstellationen voll auf ihre Kosten.

Kontraste auf der Bühne

Etwa wenn sich die Wege vom rockig aufgelegten Schmusesänger Michael Holm und Dancefloor-Expertin Linda Hesse kreuzten. Auch beim Kontrastprogramm zwischen der mehrfach vom Eurovision-Song-Contest gestählten Entertainerin Mary Roos und der unlängst gekürten DSDS-Siegerin Beatrice Egli gab es faszinierende Einblicke in den Wandel in Sachen Performance und persönlichem Anteil. Insofern wurde das Spaß-Festival auch voll dem Bildungsauftrag gerecht, der zu den Grundfesten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört, der bei der Auswahl der Interpreten aber keine Berührungsängste mit aus den Shows der Privatsender hervorgegangenen Stars zeigte. Und das war gut so.

Als Blitzstarter und großartiger Stimmungsmacher bei bestem Wetter erwies sich Norman Langen. Der DSDS-Teilnehmer von 2011 fand mit seinen Hitparadenstürmern „Einer von Millionen“ und „Pures Gold“ den direkten Draht zum Publikum und brachte mit spontanen Wolfgang-Petry-Einlagen zum Mitsingen und Mitklatschen die gut aufgelegte Schlagergemeinde schnell auf Betriebstemperatur. Mit seinem dynamischen Bewegungschor in Blond und Rot hatte der Jungstar die optische Antwort auf DJ Ötzis Tänzerinnen in Weiß und Schwarz auf die Bühne gebracht, die schwungvoll ihre Mähnen fliegen ließen und dabei deutliche Hinweise darauf gaben, wohin die Karriere noch führen soll.

Ein flottes Heimspiel

„Beim Heimspiel“ in Nordhessen sprang G. G. Anderson mit einem stark auf Sonne ausgelegten Querschnitt durch 40 Jahre Schlagerkarriere auf die gut angelegte Stimmungskurve auf und setzte den flotten Schwung mit Hits wie „Mädchen, Mädchen“, „Lieb mich in den Himmel“ oder „Sommer, Sonne, Cabrio“ munter fort, ehe er sich mit „Cheerio“ von seinen eifrig mitsingenden Fans verabschiedete. Michelle, die laut Moderator Stefan Verhasselt gerade ein neues Glück gefunden hatte, nahm bei erster Gelegenheit die nächste Abfahrt von der auf Dauer ermüdungsträchtigen Gute-Laune-Autobahn, ehe sie zur stimmungsmäßigen Sackgasse wurde. Sie brachte nachdenklichere, aber nicht minder gern gehörte Töne an den Fuß des Ettelsberges.

Wiewohl die mit schottischen Highland-Klängen aufgeladene Ballade „Wenn die Sehnsucht brennt“ auch sehr gut auf die Höhen des Uplandes passte. Als großartiges Ende der vielseitigen und abwechslungsreichen Reise in ihre musikalische Vergangenheit erwies sich das große Finale mit „Wer Liebe lebt, wird unsterblich sein“, jene Hymne, mit der sie 2001 beim Eurovision Song Contest (ESC) für Deutschland einen respektablen achten Platz erzielt hatte. Bergfeststimmung

Mit A-cappella-Gesängen, Comedy und Rap in Lederhosen stellten die jungen Stimmungskanonen vom „VoXXclub“ das Stimmungsbarometer wieder auf durchweg heiter. Zum Abschluss seines Auftritts sorgte das Quintett aus München mit dem Sängerfestklassiker „Sierra Madre del Sud“ für Bergfeststimmung, indem es die 25 000 am Hang zum Mitsingen motivierte.

Bei „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ hatte Olaf, der das Flippers-Erbe als Solist weiter lebendig hält, ebenfalls einen großen Chor als Verstärkung, setzte aber sonst auf Samba (Allegria) und „Sieben Tage Sonnenschein“. Trotz 1000 Flippers-Titeln im Backkatalog bot Olaf alles andere als ein musikalisches Museum und brachte neben frischen Hits auch Tochter Pia Malo als Duett-Partnerin für den jüngsten Hit „Wie weit fliegen die Träume“ mit auf die Bühne. Ruhig und rockig Von Mendocino (1969) bis zum Rap „Die Kriegerin“ (2012) reichte die Bandbreite von Michael Holm, der es allenfalls bei „Tränen lügen nicht“ ruhiger angehen ließ, sonst aber als Rocker im Jackett die Fetzen fliegen ließ. Und beim Discohit „Barfuß im Regen“ legte er zudem eine flotte Sohle aufs Parkett.

Auf Dauer konnte sogar Michael Holm damit leider nicht die Wolken vertreiben, sondern allenfalls eine Steilvorlage für Miss Hosenträger Linda Hesse liefern, die mit ausführlichen Dancefloorversionen ihrer Hits „Ich bin ja kein Mann“ und „Komm bitte mit“ ihr Gastspiel beim Sauerland-Open-Air über die Bühne brachte. Und während das Duo Fantasy als musikalische Ziehsöhne von G.G. Anderson und den Flippers mit dem „weißen Boot“ noch einmal den Sommer beschworen, zog sich der Himmel zu und öffnete ein wenig seine Schleusen.

Mary Roos bekam als erste Interpretin ein paar Tropfen ab, nahm darauf aber keine „Rücksicht“ und ließ sich auch das „Aufrecht gehn“ vom undicht gewordenen grauen Himmel nicht vermiesen und stellte sich mit ihren intensiven Interpretation von „Der letzte Vorhang“ (My Way) zu Recht in eine Reihe mit den ganz großen Entertainern.

Mit dem „Freundinnen-Medley“ (Liebeskummer lohnt sich nicht, Schuld war nur der Bossa Nova, Die Liebe ist ein seltsames Spiel) stieg das Stimmungsbarometer hoch, bis der jüngste Stern am Schlagerhimmel die Bühne betrat. Das Repertoire von Beatrice Egli ist naturgemäß noch etwas schmal und die Höhe etwas eng. Doch dafür bot die Schweizerin, die vier Tänzer mitgebrachte hatte, die ihre Muskeln spielen ließen, eine großartige Show .

Ganz nah bei den Fans

Als der Himmel seine Schleusen öffnete, erwies sich DJ Ötzi, der dieses Mal seine Band zu Hause lassen musste, wieder einmal als der absolute Regenkönig, den es nicht lange oben auf der Bühne und im Trockenen hielt. Schon nach dem zweiten Titel („Mitten ins Herz“) gab er sich nicht mehr mit dem Laufsteg in Publikumsnähe zufrieden, er wollte unbedingt runter von der Bühne und ran an den Zaun. Dort drückte er viele Hände, während er mit seinen Fans „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ sang und dabei Bilder fürs eigene Album schoss.

Spontaner Abschied

Bei Sweet Caroline waren denn auch die Hände oben und im ganzen Rund nur strahlende Gesichter zu sehen. Am Ende der Show verabschiedeten die Fans ihren Star, der darauf einging, mit einem spontan angestimmten „Anton aus Tirol“ – damit kam sein erster Hit doch noch auf die Setlist. Andy Borg hatte es danach leicht und doch unheimlich schwer. Bis zum Beginn der Champions-League-Übertragung, zu der jeder Interpret bei Britta Lohmann (hr?4) und Stefan Verhasselt Stellung beziehen musste, spielten dann noch Roland Kaiser, Antonia aus Tirol sowie Cordalis und die Hermes-House-Band. (ahi)

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