Hausmusikabend an der Alten Landesschule mit breitem und vielschichtigem musikalischen Spektrum

Rockiges Zentrum und Piano-Perlen

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Korbach - Neue und durchaus ansprechende Wege in Sachen Struktur ging die Alte Landesschule bei ihrem Hausmusikabend.

Die bislang im Finale angesiedelte Rock- und Popmusik lag in diesem Jahr im Zentrum des Hausmusikabends an der ALS. Eröffnet und beschlossen wurde die Veranstaltung mit je einem kürzeren Klassikblock.

Mit einer flüssigen und stringenten Interpretation von Franz Liszts Nocturne Numero 3, die sich konsequent jedem falschen Romantizismus verweigerte, ließ Joschka Mehrhof den Abend am Piano ausklingen. Es war sein zweiter Auftritt an den Tasten, mit der Eingangssequenz zur mit seinen Bandkollegen verfassten Eigenkomposition „Illusion of Separateness“ hatte der Pianist zuvor schon einen starken Eindruck hinterlassen.

Die vielschichtige Komposition mit zahlreichen Themen- und Tempowechseln gipfelte in einem Gitarrensolo von Maximilian Bischoff, der nach dem vierhändigen Intro vom Piano zur Gitarre geeilt war.

Am Bass absolvierte Multiinstrumentalist Jonas Siebrichs bereits seinen dritten Einsatz in der größten Besetzung. Als singender Gitarrist der magischen Akustik-Version von „The Story“ hatte er die Bühne betreten und sich die Vocals mit seinem Co-Gitarristen und Vokalisten Ivan Losing geteilt, der seinerseits in drei unterschiedlichen Konstellationen in die Saiten griff und die eine oder andere Strophe anstimmte. Zuerst mit heiserer Stimme als Xavier Naidoo bei „Und wenn ein Lied“ im Trio mit Thea Oppermann und Pianistin Caro Gomez beim Opener für die Pop- und Rock-Section, die er mit Nicole Stoppa und einer ziemlich originalgetreuen Interpretation von Coldplays „The Scientist“ abschloss.

Die atemlose Trio-Version von „For the first Time“ (The Script) mit Sängerin Christine Goldhofer am Flügel, die von Jonas Siebrich am Schlagzeug und Gitarrist Maxi Germeroth begleitet wurde, bildete den musikalischen Mittelpunkt des Sets mit Charthits, Popklassikern und bislang Ungehörtem mit großem Potenzial.

Ein lautstarkes Bravo ertönte am Ende von Torben Schotts inspirierter Interpretation von George Gershwins „Prelude III“ mit ihren vertrackten Rhythmen. Lautstarker Jubel stand auch am Ende von Leah Hanns Auftritt. Die junge Geigerin brannte bei Johann Sebastian Bachs „Preludio“ aus der Partita III in E-Dur ein wahres Violinfeuerwerk ab und bestätigte dabei alle Hoffnungen, die sie in den Jahren zuvor geweckt hatte.

Mit früheren Stufen in der musikalischen Entwicklung hatte der Hausmusikabend begonnen. Elisa Brühne eröffnete den harmonischen Reigen am Klavier mit „Flying Bird“. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Menuetto“ fidelte Pascal Eiselt ein klassisches Intermezzo auf vier Saiten.

James Horners Titanic-Titel „My Heart will go on” mit Naomi Hartmann und „Moonrise“ von Brian Crain mit Jenny Mireau an den Tasten setzten die Reihe der ruhigen Gegenwartsklassiker für junge Pianistinnen fort. Mit der geläufigen Melodie von Ludwig van Beethovens Albumblatt „Für Elise“ und gut gemeisterten Steigerungen im Mittelteil ließ Veronika Kautz aufhorchen.

Die anspruchsvollste Aufgabe des ersten Teils hatte sich zweifellos Neslihan Kula mit Franz Schuberts Impromptu Nummer vier Opus 90 gewählt. Die Neuntklässlerin bewies beim Bewältigen der zahlreichen Herausforderungen des romantischen Meisterwerks eine erstaunliche Nervenstärke.

Nach so viel Spannung kam die vergleichsweise relaxte Rockrunde gerade richtig. Mit dem munteren „Sous le ciel de Paris“ hatte das Akkordeon-Duo Benno Wulff und Hans Petersen zudem ein wenig französisches Flair verbreitet.

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