Korbach

Rockmusik von Hand gemacht

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- Korbach (ahi). Authentischer Rock von Bands mit eigenständiger musikalischer Handschrift – das ist das Markenzeichen von K20, dem neuen Veranstaltungs-zentrum am Obermarkt.

Gleich vier Vertreter dieser seltener werdenden Spezies aus unterschiedlichen Stilrichtungen begeisterten Fans und Quereinsteiger beim Eröffnungskonzert. Als erster Querdenker mit klarer Botschaft betritt Jugendhaus-ikone Basti Hamel die Bühne und erklärt zunächst die konzeptionelle Trennung vom traditionellen Jugendhausbetrieb und einer Location, in der neben Konzerten auch Poetry Slams oder politische Diskussionen stattfinden sollen. Im musikalischen Opener bringt er die Widersprüchlichkeiten im Leben eines jungen Menschen auf den Punkt, erteilt dem letzten wie dem nächsten Winter eine unmissverständliche Absage. Zum guten Schluss seines Auftritts enthält er den ums Podium hockenden Fans auch nicht „One more time“ vor, das Britney-Spears-Cover, mit dem Basti beim Band-Contest ganz groß abgeräumt hatte.

Mit einer eindrucksvollen Show hatten „Bloodmother“ beim letzten Band-Contest sich im Jugendhaus vorgestellt. Die Chorus-Girls waren fürs K20-Eröffnungskonzert zwar in Kassel geblieben, der musikalischen Intensität tat dies aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Als Quintett liefern „Bloodmo­ther“ einen intensiven und glaubwürdigen Set ab, auch in Sachen Optik. Beim Intro von „Vagabond“ humpelt Frontman Kevin mit geschulterter Gitarre zum schleppenden Rhythmus an die Rampe und zum Mikro. Zerrissene Optik zu präzisem Spiel, das ist der Stil der Band, bei der sich die Show nicht auf die Bühne beschränkt. Lead-Gitarrist Marc Andrejkovits springt für sein Solo bei „Laid to waste“ auch von der Bühne und spielt es Arm in Arm mit einem Fan.

Die Essener Band „Thoughts paint the sky“ mit dem Korbacher Drummer-Urviech Florian Uteschil am Kit absolviert ihren vierten Auftritt in der Kirchstraße 20. Der Schlagzeuger erweist sich als permanentes Showelement der Band, die sonst noch mit Duellen zwischen Frontman Daniel Senzek und Bassist Thomas Völtl für gelegentliche Bewegung auf der Bühne sorgt. Die meiste Zeit stehen Mario Wolf und Daniel Senzek mit ihren aus dem üblichen Zusammenhang gerissenen Akustikgitarren direkt vor ihrem Mikro. Mit der üblichen Klampfenmusik hat der Sound, den die beiden ihren Instrumenten entlocken, rein gar nichts zu tun, vielmehr bewegt sich das Klangergebnis zwischen glasklarem Klirren und schrillem Sirren bei permanent treibendem Rhythmus. Und auch die geistreichen Texte springen immer wieder von einem Gegensatz zum anderen. Insbesondere die Stücke vom neuen Album, mit denen die Essener Post-Rocker ihren Set eröffnen, erweisen sich als Höhepunkt des Abends. Für Steigerungen in Sachen Intensität bleibt danach kaum noch Luft.

„Ashes of Pompeji“ kontern als letzter Act nach Mitternacht mit Messehallen-Lautstärke. Auch stilistisch passen die Marburger Experimental-Post-Hardcore-Rocker gut zum vorherigen Act, aber ohne textliche Vorkenntnisse bleibt einfach nicht so viel hängen, außer treibendem Gitarren-Rhythmus und kurzen stillen Momenten zu leisen Akkorden. Die Jugendhaus-erfahrene Security vor der Location stellt der Band ein gutes Zeugnis aus, auf der Straße klingt die Band tatsächlich so, als hätte sie das Potenzial zum Höhepunkt vor dem Hörsturz.

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