Endspurt bei der Sanierung des Kalkturms

Roter Faden, roter Teppich

Korbach - Vandalismus im Kalkturm: Unbekannte haben kurz vor Ende der teuren Sanierung die Stromkabel zerschnitten. Die Stadt hält am Termin zur Eröffnung für Besucher aber fest: Ab 17. Mai soll das Bauwerk mit Ausstellungen zu Industrie- und Erdgeschichte locken.

Die Stadt hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, der Schaden wird auf 5000 bis 7000 Euro geschätzt, erklärte Korbachs Bauamtsleiter Stefan Bublak zuletzt im Bauausschuss des Parlaments. Nachgebohrt hatte Andreas Ruppert (CDU).

Kurz vor Weihnachten waren Unbekannte in den Kalkturm eingebrochen und hatten die Stromkabel zerstört. Für den Schaden soll die Versicherung aufkommen, solange die Täter nicht dingfest gemacht worden sind. Vor weiterem Schaden blieb die Hansestadt derweil verschont, denn der Kalkturm an der Frankenberger Landstraße war noch nicht eingerichtet.

Das für Besucher attraktive Inventar soll im März eingebaut werden, erklärt Dr. Marc Müllenhoff (Stadtmarketing) auf WLZ-Anfrage. Dabei arbeitet die Hansestadt mit einem Museumsarchitekten und dem hessischen Museumsverband zusammen.

Kalkturm und Exponate verheißen für Besucher künftig beste Aussichten auf die „Korbacher Spalte“, zugleich tiefe Einblicke in Erd- und Industriegeschichte. Das Kalkgestein selbst ist dabei auch inhaltlich das tragende Element.

Am südlichen Korbacher Stadtrand liegt mit der Fossilienspalte ein weltweit bedeutendes Naturerbe. In Fisselers Kalksteinbruch kamen in den 1990er-Jahren versteinerte Knochen und Zähne aus einer skurrilen Tierwelt zutage: Vorfahren der Säugetiere, aber auch Urahnen der Dinosaurier, die in der Permzeit vor 250 Millionen Jahren hier lebten.

Kalk als Baustein des Menschen und des Lebens

Herausragende Tierform ist der Procynosuchus, ein Vorläufer der Säugetiere bis hin zum Menschen. Bei Wissenschaftlern der Paläontologie genießt der Korbacher „Urwelt-Dackel“ internationales Renomee, denn ähnliche Funde gibt es nur aus dem südlichen Afrika.

Von einer Aussichtsplattform in rund 14 Metern Höhe können Besucher künftig vom Kalkturm aus auf die dahinter liegende „Korbacher Spalte“ blicken. Zugleich markiert der Turm den Ursprung der Industrialisierung in der Hansestadt Mitte des 19. Jahrhunderts. Denn der Kalk aus dem Steinbruch diente nicht nur als heimisches Baumaterial, sondern beispielsweise auch als Düngemittel für die Landwirtschaft. In Öfen am Steinbruch wurde der Kalk gebrannt, im Turm war ein mächtiges Mahlwerk installiert.

Roter Faden für die Ausstellung: Der Kalk als Baustein für Menschen, aber auch als Baustein des Lebens. Kalk ist wichtig fürs Knochengerüst der Wirbeltiere, gleichermaßen aber als schützendes Material für die Eierschale. So konnten sich Tiere auch an Land entwickeln – außerhalb des Zechsteinmeeres, das vor 250 Millionen Jahren bis in die Korbacher Bucht wogte.

Zugleich prägt der kalkige Untergrund auch die Kulturlandschaft um Korbach mit Kalkmagerrasen und botanischen Besonderheiten ganz in der Nähe der „Korbacher Spalte“. So soll die künftige Ausstellung die Besucher nicht nur zur Entdeckung der fossilen Korbacher Urzeitwelt einladen, sondern auch zu Exkursionen in die Umgebung.

Sanierung und Umbau des Kalkturms addieren sich auf rund 750000 Euro. Über 400000 Euro steuert das Land Hessen als Zuschuss bei.

Von Jörg Kleine

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