Bürgerinitiative kritisiert Regierungspräsidenten

„Rücksichtslose Planung“

Adorf - Kehrt das Regierungspräsidium ihre Bedenken gegen neue Windräder unter den Teppich? Die Bürgerinitiative aus Diemelsee befürchtet Schlimmstes – und will mehr Druck machen.

70 Windräder drehen sich schon in Diemelsee, mindestens 30 könnten möglicherweise noch hinzukommen – wenn es beim Plan des Regierungspräsidiums bleibt. Genau das befürchtet die Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt des Naturparks Diemelsee: „Die Planungen werden mit Rücksichtslosigkeit vom Regierungspräsidenten vorangetrieben“, sagte BI-Mitglied Heinrich Hain bei einer Informationsveranstaltung der Initiative am Mittwochabend in Adorf. In Diemelsee haben nach Angaben der BI 1500 Menschen auf einer Liste gegen die geplanten Flächen unterschrieben, und auch die Gemeindevertretung und Naturschutzverbände lehnen die Planungen des Regierungspräsidiums ab. In der Kasseler Behörde verhallt der Protest bislang jedoch offenbar ungehört. Das jedenfalls berichten die Mitglieder der BI. So seien im jüngsten Zwischenbericht der Verwaltung für die Mitglieder der Regionalversammlung die Bedenken und Argumente aus Diemelsee noch nicht enthalten, sagte Adriane Plewka. Dafür seien drei bislang einzeln betrachtete Flächen östlich von Adorf bei Vasbeck und Wirmighausen (KB019a,b,c) im aktuellen Entwurf des Regionalplans zu einer Fläche zusammengelegt. „Das gibt uns zu denken“, sagte Plewka. Insgesamt sehe der Plan 500 Hektar zusätzliche Flächen in der Gemeinde für Windkraft vor. Aus Sicht der BI sind die bislang vorhandenen 70 Anlagen schon genug. Weitere Windräder bedeuteten eine „Umzingelung“ der Orte und eine Überlastung der Bewohner. Auch der Tourismus werde beeinträchtigt. Eine Kritik, die das Regierungspräsidium in den Verwaltungsvorlagen und Beschlussvorschlägen für die Regionalversammlung nicht teile, berichtete Hain. Der Haupt- und Planungsausschuss des Gremiums sei bereits der Richtungsvorgabe der Verwaltung gefolgt. Hain: „Wie mit den Einwendungen der Bürger umgegangen wird, ist schon bemerkenswert.“ Die Bürgerinitiative will deshalb den Druck auf Politik und den Regierungspräsidenten erhöhen. Die wichtigste Forderung: Vor der zweiten Offenlegung – voraussichtlich im September – sollen die umstrittenen Flächen bei Rhenegge, Vasbeck und Wirmighausen aus dem Entwurf des Teilregionalplans herausgenommen werden. Das verschaffe auch den Investoren Planungssicherheit, sagte Wolfgang Lehmann vom Naturschutzbund (Nabu) Wal-
deck-Frankenberg. Andernfalls seien juristische Auseinandersetzungen zu erwarten.Der frühere Kreisbeigeordnete und FDP-Landtagsabgeordnete Otto Wilke geht davon aus, dass der Regionalplan an fehlender Rechtssicherheit scheitern wird: Die Pläne in Nord-, Mittel- und Südhessen seien nicht nach gleichen Kriterien aufgestellt worden. Von Lutz Benseler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare