Stadtverordnete beobachten Entwicklung im eigenen Wald · Haushaltsüberschreitungen genehmigt

Sachsenberg soll Kunststadt werden

+

Lichtenfels - Neukirchen - Zufrieden mit der Arbeit im Forst, gelassen beim Budget 2011 und motiviert für einen Wettbewerb: Die Stadtverordneten tagten am Donnerstagabend in Neukirchen - und handelten viele Themen in kurzer Zeit ab.

In allerletzter Sekunde hatte sich noch ein zusätzlicher Punkt auf die Tagesordnung geschlichen. Einstimmig votierten die Parlamentarier am Ende dafür, dass Sachsenberg am bundesweiten Wettbewerb „Kunst fürs Dorf - Dörfer für Kunst“ (siehe Hintergrund) teilnehmen soll. Bürgermeister Uwe Steuber sah „gute Chancen“ für einen Erfolg: Die Feierlichkeiten zu 750 Jahre Sachsenberg mit vielen kulturellen Höhepunkten, die Arbeiten von Reta Reinl oder das Wirken im Kulturzentrum in der Altstadt seien wertvoll.

Die Sachsenbergerin Dorli Rauch (Grüne) bestand darauf, bei der Auswahl des Künstlers ein Wörtchen mitreden zu dürfen: „Die Leute schmeißen einen Schrotthaufen hin und nennen das dann Kunst“, machte sie ihr Kunstverständnis deutlich.

Uneinigkeit herrschte im Parlament indes kurze Zeit über die Tagesordnung. Bei einem Grundstücksverkauf forderte Dorli Rauch, bei der Tagesordnung demnächst die Anträge der Grünen zu berücksichtigen. Göckel wies den Vorwurf mit Verweis auf die Fristen zurück. Die Grünen fordern, dass beim Verkauf von Parzellen, die landwirtschaftlich genutzt werden, künftig natürliche Ausgleichsflächen geschaffen werden.

Um fast eine Million Euro hat die Stadt 2011 ihr geplantes Budget überzogen. 28 Einzelposten zeigt die Liste, die Stadtkämmerer Thomas Behle ausgearbeitet hat. Die Auflistung habe nicht früher angefertigt werden können, weil die Eröffnungsbilanz der Stadt Personal gebunden habe, griff Steuber etwaiger Kritik über den späten Zeitpunkt vor.

1,98 Euro bis 259000 Euro

Die Mehrausgaben reichen dabei von 1,98 Euro bei der Kinderbetreuung über 52000 Euro für zusätzliche Zinsen bis zu Aufforstung (213000 Euro) und Schlaglochbeseitigung (259000 Euro). Bürgermeister Steuber gestand einen „hohen Blutdruck“, schließlich handele es sich um „eine Größenordnung von Bedeutung“. Allerdings seien die Ausgaben auf der einen Seite durch zusätzliche Einnahmen und auf der anderen Seite durch weitere Einsparungen (insgesamt 1,2 Millionen Euro) gedeckt. Die Stadt hofft zudem auf weitere Zuwendungen. Einen Nachtragshaushalt wollte der Bürgermeister vermeiden, um keine zusätzlichen Personalkosten entstehen zu lassen.

Die Stadtverordneten stimmten den neuen Budgets bei zwei Enthaltungen der Grünen zu. Weiterer finanzieller Punkt: Einen neuen Kredit in Höhe von einer Million Euro hat die Stadt laut Steuber inzwischen aufgenommen.

„Auf einem guten Weg“ sieht der Bürgermeister nach wie vor Lichtenfels beim Thema Stadtwald. Von den veranschlagten Gewinnen im Wald in Höhe von 80000 Euro ist die Stadt aber noch entfernt: Bis jetzt hat der Wald ein Minus in Höhe von 220000 Euro verursacht. Mit Holzverkäufen wurden bisher 284000 Euro erzielt, 500000 Euro wurden erwartet. Über die Hintergründe hatten die Revierförster Stephan Berens und Rainer Weishaar zuvor in den Ausschüssen der Stadt berichtet.

Die Hälfte und das Doppelte

Seit 2002 erstellt der Hessische Waldbesitzerverband für Lichtenfels eine Analyse des Waldbestandes. Demnach stiegen die Kosten der Holzernte in den vergangenen fünf Jahren um fast die Hälfte, haben aber den Spitzenwert aus dem Jahr 2005 nicht erreicht (39 Euro pro Festmeter Holz). Die Verwaltungskosten stiegen im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls auf fast das Doppelte (55 Euro pro Hektar). Während die Investitionen 2011 auf ein Rekordhoch schnellten, gingen im Gegenzug die Erträge zurück.

Eckhard Schnatz (CDU) bemängelte: „Es sind sehr aufschlussreiche, aber nicht vergleichbare Zahlen.“ Das Wort „Benchmark“ passe daher nicht. Die Alterspyramide im Wald stehe weiterhin kopf, der „demografische Wandel“ sorge dafür, dass kaum schlagreifes Holz vorhanden sei. Alles in allem zeige sich aber die „sehr gute Arbeit von Hessen-Forst“. Vor vier Jahren hatte sich das noch ganz anders angehört, als die Stadtverordneten für die Kündigung des Vertrages mit dem Staatsbetrieb stimmten, weil dieser „uneffektiv“ und „zweifelhaft“ arbeite. „Auf diese Zahlen haben wir jahrelang gewartet“, befand Stadtverordnetenvorsteher Bernd Göckel vier Jahre später.

Warten müssen die Lichtenfelser ebenfalls auf neue Fahrbahndecken. Erst 2013/14 sollen die Abschnitte der Landesstraßen zwischen Goddelsheim und Nordenbeck, zwischen Sachsenberg und Dalwigksthal und in Rhadern laut Steuber ausgebessert werden.

Kurz und Bündig

Wald durchforstet

In den Jagdrevieren von Sachsenberg und Goddelsheim sind die Forstarbeiten abgeschlossen. Man sei dabei so gut wie möglich den Wünschen der Jagdpächter entgegengekommen, heißt es vonseiten der Stadtverwaltung.

Kein DSL in Rhadern

Einstimmig hatte sich der Ortsbeirat von Rhadern für den Anschluss an das schnelle Internet per DSL ausgesprochen. Vorerst wird daraus aber nichts, weil die Vertragsparteien laut Bürgermeister Steuber hohe finanzielle Hürden aufgebaut haben; man verhandele aber weiter. Bis Ende November sollen Neukirchen, Münden, Dalwigksthal und Fürstenberg angeschlossen sein. In Rhadern sei immerhin die Funktechnik LTE mit Geschwindigkeiten bis 10 000 MB/s verfügbar, so Steuber.

Gedenken und Dank

Die Stadtverordneten gedachten zu Beginn ihrer Sitzung der Brandopfer in Neukirchen. Dank ging an Stadtbrandinspektor Herbert Knipp. Dorli Rauch forderte, dass die Brandruine schnellstmöglich abgerissen werde, die Stadt will „sensibel“ vorgehen und mit der Versicherung Kontakt aufnehmen. Folge des Brandes: In den Kindergärten werden demnächst Rauchmelder angebracht.

Ebenfalls erhoben sich die Anwesenden zu Ehren des verstorbenen Paul-Rudolf Härle, der den Lichtenfelser Wald bei Hessen-Forst betreut hatte. 50 Hektar sind übrig 50 Hektar Wald warten nach Einschätzung von Waldexperte Eckhard Schnatz (CDU) nach den „Sturmkatastrophen“ auf ihre Aufforstung. Diese sei schnell angeraten, da der Wildwuchs später für erheblichen Mehraufwand sorge.

Grundstücke verkauft

Eine Wegeparzelle und ein Baugrundstück in Goddelsheim hat die Stadt an zwei Interessenten verkauft.

Wechsel beim Forst

Revierförster Rainer Weishaar wechselt zum Forstamt Wolfhagen. Sein kommissarischer Nachfolger wird Lukas Wiederhold. Stephan Berens bleibt weiterer Revierförster.

Hauskauf fördern

Das Förderprogramm zum Hauskauf hat laut Bürgermeister Steuber ein „gutes Signal“ ausgesendet. Zehn Anträge gingen bisher ein, sieben wurden genehmigt, zwei abgelehnt. Ein Antrag wird noch bearbeitet. 7000 Euro stehen noch zur Verfügung, um neue Eigentümer beim Kauf eines leeren Hauses finanziell zu unterstützen.

Klage gegen Fracking

Als „hochgefährliche Geschichte“ bezeichnet Dorli Rauch den Vorstoß zum Fracking in Nordhessen. Wichtig sei es, bei einer Zusage des Landes Hessen zur Erkundung sofort zu klagen. „Wir sind da dran“, so Bürgermeister Steuber. Lichtenfels stehe durch den Kommunalen Serviceverbund Eisenberg mit den anderen Mitgliedern in engem Kontakt.

Über Asyl informieren

„Mehr Informationen, ohne aufzubauschen“ forderte Eckhard Schnatz, wenn Asylbewerber in Fürstenberg untergebracht werden. Informationen würden sofort an den Ortsvorsteher weitergegeben, konterte Uwe Steuber.

Bundesweiter Wettbewerb

Die „Deutsche Stiftung Kulturlandschaft“ hat den Wettbewerb „Kunst fürs Dorf – Dörfer für Kunst“ in diesem Jahr erstmals bundesweit ausgeschrieben. Für die Gewinner wird der sechsmonatige Aufenthalt eines Künstlers gefördert. Die Stadt muss die Unterkunft stellen (geschätzte Kosten: 3000 Euro). Sachsenbergs Windkünstlerin Reta Reinl könnte die Betreuung übernehmen. An dem Wettbewerb nimmt ebenfalls Rhoden teil.

Kommentare