Intensive Debatte um Zukunft des Parkdecks am Berndorfer Tor · Ebenerdige Fläche mit 100 Plätzen bev

Sanierung, Neubau oder Parkplatz?

+
Dunkle Ecken, grauer Beton und ein blassrosa Treppenaufgang, vor dem eine Stahl-Plakatwand steht: Das 1976 errichtete Parkdeck am Berndorfer Tor ist ein Sanierungsfall – und alles andere als ein städtebauliches Kleinod.

Korbach - Das sanierungsbedürftige Parkdeck soll abgerissen und am Berndorfer Tor stattdessen ein ebenerdiger Parkplatz gebaut werden. Diesen Plan soll das Stadtbauamt weiterverfolgen und detaillierter ausarbeiten. Für diese Variante votierte gestern Abend der Bauausschuss.

Fortgeschrittene Korrosion an tragenden Teilen, statische Defizite der Betondecke, permanent undichte Fugen an der Rampe, Risse im Fahrbahnbelag: Gutachter eines Kasseler Ingenieurbüros hatten das 1976 errichtete, zweigeschossige Bauwerk im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen. In ihrem jüngsten Untersuchungsbericht vom 9. September 2013 kommen die Gutachter zu dem Schluss: „Eine Sanierung und Verstärkung des Parkdecks ist (...) unverzichtbar und kurzfristig durchzuführen.“

Marode Randkappen

Die Kosten für eine Sanierung beider Ebenen inklusive der WC-Anlage beziffert das Stadtbauamt nach einer groben Schätzung auf rund 716 000 Euro. Weitere 50 000 Euro kämen hinzu, wenn auch der Zustand der „Bürgersteige“ (Randkappen) an den Rändern des oberen Stockwerks und die Stützfundamente untersucht werden sollen. Und selbst dann „erhält man nur den Status quo mit allen Unwägbarkeiten, die eine solche Betonsanierung birgt“, heißt es in der Vorlage des Magistrats. Die verkehrstechnischen und funktionalen Mängel des in den vergangenen 37 Jahren mehrfach oberflächlich sanierten Bauwerks würden damit ebenfalls bestehen bleiben. Träten bei dieser tiefer gehenden Prüfung der Statik Schäden an den Fundamenten oder „Verformungen aufgrund von plastischen Betonstahl-Dehnungen in größerem Umfang“ zutage, würde dies „eine wirtschaftliche Sanierung bereits im Vorfeld kategorisch ausschließen“, urteilt das Stadtbauamt.

Die Mitglieder des Ausschusses für Bauen und Umwelt befassten sich in ihrer gestrigen Sitzung deshalb mit drei Varianten: Sanierung, Neubau eines „Doppeldeckers“ in „Z“-Form am bisherigen Standort an der Kalkmauer oder Anlage eines Parkplatzes ohne Oberdeck. Die Kosten für eine einfache, zweigeschossige Stahlverbundkonstruktion ohne besondere gestalterische Elemente und Fassadenverkleidung werden vom Stadtbauamt mit fast 2,4 Millionen Euro kalkuliert. Für die ebenerdige Variante müsste mit knapp 1,1 Millionen Euro gerechnet werden, führte Bauamtsleiter Stefan Bub­lak aus. In beiden Schätzungen seien die Abbruchkosten von rund 350 000 Euro enthalten. Um weitere 250 000 Euro müsste die Summe in beiden Fällen aufgestockt werden, um die nötige Infrastruktur am Übergang zwischen Parkflächen und Fußgängerzone zu schaffen.

Beim Neubau würden in zwei Geschossen 140 Parkplätze eingerichtet, bei der Parkplatzvariante 100 Abstellflächen markiert. Bisher finden 141 Autos im Parkdeck Platz.

Dass bei der ebenerdigen Variante 41 Parkplätze wegfielen, könne die Stadt angesichts von insgesamt 1000 zentrumsnahen bewirtschafteten Stellplätzen verkraften, erklärte Bublak. Zumal das Oberdeck nur an wenigen Tagen im Jahr voll belegt ist, wie stichprobenartige Zählungen ergeben hätten. Letztlich böte eine ebenerdige Anlage die meisten Gestaltungsmöglichkeiten und habe auch gute Chancen, aus dem Stadtumbau-Programm des Landes Zuschüsse zu erhalten. Überdies würde das Areal Berndorfer Tor/Bunsenstraße mit einer begrünten und offenen Fläche deutlich aufgewertet, damit die Flucht der Stadtmauer und die Verbindung zum Stadtpark wieder hergestellt. Diese Öffnung käme dem städtebaulichen Gesamtkonzept der Hansestadt buchstäblich entgegen, bekräftigte Bürgermeister Klaus Friedrich.

Grundsätzliche Bedenken

Ralph Backhaus und Achim van der Horst (SPD) äußerten ebenso wie Andreas Ruppert (CDU) grundsätzliche Bedenken, sich bereits festzulegen. „Innenstadt-Parkplätze dürfen nicht verschwinden“, kritisierte Ruppert die von der Verwaltung favorisierte ebenerdige Variante. Als Berechnungsgrundlage für die verschiedenen Varianten die Baukosten pro Stellplatz heranzuziehen, „reicht nicht aus“, monierte Backhaus. Hingegen bezeichnete Dr. Manfred Dönitz (Bündnis 90/Die Grünen) die skizzierte Parkplatz-Variante als schlüssig. Nach einer intensiven Debatte votierten sieben Ausschussmitglieder dafür, das Planungsziel Parkplatz weiterzuverfolgen, drei enthielten sich der Stimme. Endgültig entscheiden die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstag nächster Woche über die Zukunft des Parkdecks. (tk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare