Bedeutung der Funde in Wolfhagen mit der „Korbacher Spalte“ vergleichbar

Saurierspuren im Geopark entdeckt

Der Fährtentyp „Protochirotherium“. Der Artname „wolfhagense“ wurde nach dem Fundort benannt.

Waldeck-Frankenberg - Die Wissenschaftler Dr. Reiner Kunz aus Wolfhagen und Dr. Jürgen Fichter aus Kassel haben in einem Sandsteinbruch in der nordhessischen Geopark-Region „Wolfhager Land“ bei Wolfhagen zwei weltweit bisher unbekannte Formen von Saurierfährten gefunden und erstmalig beschrieben.

Die teilweise sehr gut erhaltenen Fährtenabdrücke sind nur unwesentlich jünger als die Reptilienfunde der „Korbacher Spalte“. Zeitlich liegen sie nur „einige Millionen Jahre“ auseinander - ein Wimpernschlag in der erdgeschichtlichen Entwicklung.

Für den Projektleiter des Geoparks „GrenzWelten“, Norbert Panek, stellen die Funde ein weiteres „herausragendes Highlight“ dar, das in seiner Bedeutung mit der weltweit bekannten Fossilienfundstelle „Korbacher Spalte“ oder der Iguanodon-Fundstätte Brilon-Nehden vergleichbar ist. Der Geopark verfügt damit gleich über „mehrere paläontologische Attraktionen“, die uns die Entwicklungsgeschichte der Reptilien von den Urformen bis hin zu den vor 60 Millionen Jahren ausgestorbenen Dinosauriern erzählen. „Das gibt es in dieser räumlichen Konstellation in keinem anderen deutschen Geopark.“

Norbert Panek denkt bereits an eine touristische Vermarktung der Fundstellen mit entsprechenden Führungsangeboten und Info-Materialien. An der Saurierfährten-Fundstelle in Wolfhagen würde sich der Bau eines größeren Info-Pavillons anbieten. Ein Faltblatt über die Saurierfährten existiert bereits und ist für Interessierte im Rathaus der Stadt Wolfhagen und im dortigen Regionalmuseum erhältlich.

Hintergrund

Vor fast 250 Millionen Jahren lag das heutige Stadtgebiet Wolfhagens in einer weitläufigen Senkenlandschaft, im „Germanischen Becken“, in dem sich zuvor das sogenannte „Zechstein“-Meer befand. Hohe Temperaturen hatten dieses Meer nahezu vollständig „verdampft“. Zurück blieb eine wüstenhafte, karge Landschaft mit ausgedehnten Flusssystemen, die sich bei heftigen monsunartigen Regenfällen schnell mit Wasser füllten und größere Landschaftsteile sporadisch überfluteten. In kleinen Senken entstanden Tümpel und Pfützen, in denen sich zuletzt die tonigen Bestandteile der im Wasser transportierten Sedimente absetzten. Im heißen Wüstenklima blieben diese Gewässer nicht lange erhalten – sie trockneten mit der Zeit aus. Die Bildung von Schwundrissen, die heute fossil überliefert sind, dokumentiert anschaulich diesen „Austrocknungsprozess“. In dieser Landschaft lebten zahlreiche Reptilien, die in den Pfützen und Kleingewässern nach Nahrung suchten. Einzelne Tiere hinterließen dabei ihre Spuren im feuchten Tonschlamm. Nach Trocknung der Tonschicht wurden die Fußabdrücke von sandigen Ablagerungen überdeckt, die von Wind und Wasser herantransportiert wurden. Die Sandfüllung in den Spuren verfestigte sich und konservierte diese auf perfekte Weise. Die Fährtenabdrücke sind so gut erhalten, dass man sogar Hautstrukturen und die Krallenansätze erkennen kann. (r)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare