Antrag in Stadtverordnetenversammlung

Schadstoffen auf der Spur: Grüne fordern Luft-Screening in Korbach

+
Auch die Heizungen privater Haushalte tragen erheblich zur Luftbelastung bei: Die Grünen im Stadtparlament wollen ein Luftmonitoring anstoßen. 

Korbach. Was liegt in der Korbacher Luft? Seit zwölf Jahren schwelt die Debatte um Schadstoffe und Atemwege. Die Grünen im Stadtparlament fordern jetzt ein Luft-Monitoring, um abzuschätzen, welche Schadstoffe vorkommen und ob diese weiter untersucht werden müssen. Eine Mehrheit für den Antrag ist bislang nicht in Sicht.

Mittels eines sogenannten GC-MC-Screening solle die bodennahe Luft in der Stadt untersucht werden, heißt es im Antrag der Fraktion. Für Fachleute: Bei der Methode wird ein Gas-Chromatograph (GC) mit einem Massenspektrometer (MS) gekoppelt. Die Vorteile des Verfahrens: Es ist relativ kostengünstig und wird von Labors genutzt, um komplexe Schadstoffgemische in Proben aufzutrennen und die Einzelverbindungen zu erkennen.

Das Screening ist quasi die Vorstufe zu einer großangelegten Luftmessung. Dazu werden laut Werner Welsch Probenröhrchen an mehreren Standorten in senkrechte Regenrinnen gesteckt und nach einiger Zeit analysiert. „Mit diesem Monitoring könnten entweder eine genauere Untersuchung angestoßen werden oder aber wesentliche Schadstoffe ausgeschlossen werden“, erklärte Welsch im Bauausschuss am Dienstag. Die Kosten beziffern die Grünen mit weniger als 15 000 Euro.

Bürgermeister Klaus Friedrich wies darauf hin, dass das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HNLUG) 2015 keine Notwendigkeit für weitere Messungen gesehen habe. Fachlich sei die Stadt zudem nicht in der Lage, darüber zu entscheiden. Er verwies auf die Zuständigkeiten des Landkreises, des Regierungspräsidiums in Kassel und des Landesamtes.

Grundsätzliche Sympathie für den Antrag äußerten Achim van der Horst (SPD) und Thomas Berg (FWG). Angesichts der Kosten sei es aber sinnvoll, den Antrag in die Haushaltsdebatte zu verschieben, regte van der Horst an. Das lehnte Welsch ab. Im Bauausschuss wurde der Antrag bei einer Zustimmung, drei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen abgelehnt.

Die Luft beschäftigt die Korbacher bereits seit ersten Plänen fürs Müllheizkraftwerk: 2006 präsentierten dessen Kritiker Hinweise auf gehäufte Atemwegserkrankungen bei Korbacher Kindern. Der Verdacht nährte sich aus Schuleingangsuntersuchungen des Gesundheitsamts, bei denen die Eltern auch Angaben zur Gesundheit ihrer Kinder machen müssen. Allerdings liegen keine konkreten medizinischen Untersuchungen vor. Somit blieb offen, was den Kindern womöglich auf die Bronchien schlägt.

Fest steht nur: Die Luftbelastung ist in den vergangenen Jahren geringer geworden, etwa durch Filteranlagen in Betrieben. Zu diesem Ergebnis kamen 2013 die Wissenschaftler Professor Edmund Maser, Dr. Hermann Kruse und Dr. Christiane Aschmann von der Uni Kiel. Um der Sache genauer auf den Grund zu gehen, empfahl Kruse, eine Luftmessstation in Korbach einzurichten. Doch diese ist teuer – bis zu einer Million Euro pro Container und Jahr – je nach Anzahl der gemessenen Stoffe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare