Laut EWF fast zwei Millionen Euro Mehrkosten · Schmidt bezweifelt die Zahlen

Schaller: Hallenbad wird teurer

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Flugrost an den Becken aus Edelstahl gibt Rätsel auf. Die Ursache scheint ermittelt, doch beseitigt hat Betreiber EWF die Korrosion bislang noch nicht.Foto: Lutz Benseler

Korbach - Von acht auf zehn Millionen Euro: So stark könnten die Kosten für Sanierung und Erweiterung des Korbacher Hallenbades ansteigen. Das ist das Ergebnis eines von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) beauftragten Wirtschaftsprüfers.

Projektleiter Friedhelm Schmidt und Generalplaner Klaus Meyer hegten am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung deutliche Zweifel an den von EWF genannten Kosten. „Ich stelle diese Zahlen absolut in Frage“, sagte Schmidt, der auf die vorliegenden Schlussrechnungen mit einem Volumen von bislang erst 900 000 Euro verwies. „Sie liegen fünf Prozent unter dem, was veranschlagt war.“

Keim-Probe missachtet?

Der Kampf gegen die Keime in den Trinkwasserrohren des Bades wird unterdessen weitergeführt. Inzwischen seien die Rohre auch mit Pilzen befallen, sagte EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller. Vermutlich hätte die Keimbelastung dabei viel früher erkannt werden können: Nach Informationen von Helmut Schmidt (SPD) hatte das Kreisgesundheitsamt bereits Wochen vor der Eröffnung des Hallenbads eine Untersuchung auf den Keim Pseudomas aeruginosa angeordnet. Ein erstes Gespräch mit Vertretern der Behörde, an dem nach Schmidts Informationen auch ein Mitarbeiter des Generalplaners teilnahm, habe bereits am 24. Januar stattgefunden. Am 8. Februar habe das Gesundheitsamt per Fax die Beprobung gefordert. Meyer beteuerte hingegen, ihm sei nur ein Schreiben vom 5. März bekannt, in dem die Untersuchung nachgefordert wurde.

Das Hallenbad wird laut EWF bis Herbst geschlossen bleiben. Kleiner Lichtblick für Schwimmer: Stattdessen soll das Freibad möglichst vor dem geplanten Termin Mitte Juni geöffnet werden. Doch gibt es noch Reparaturen vorm Saisonstart. Im Hallenbad laufen derweil Umbauten am Rohrsystem, auch um „Toträume“ zu beseitigen, die Keimen einen Nährboden bieten könnten.

Strittig bleibt die Ursache für Korrosion und Flugrost an den Edelstahlbecken. Laut Schaller könnte ein Konstruktionsfehler die Ursache sein: „Dummerweise ist die Trinkwasserzufuhr am Spülwassertank angeschlossen.“ Im Ergebnis wurde das Beckenwasser nicht ausreichend mit Frischwasser versorgt – und mit dem Chlor im Wasser stieg die Salzkonzentration. Generalplaner Meyer wies die Vorwürfe teils zurück. Den fehlerhaften Anschluss fürs Frischwasser musste er aber einräumen. Dies gehe aufs Konto der beauftragten Firma.

Geklärt ist mittlerweile eine Frage des Abstands: So haben die Beckenumgänge eine Breite von 2,90 Meter, nach Norm werden für neue Hallenbäder aber inzwischen vier Meter verlangt, kritisierte Schaller. Architekt Uno Kleine verwies indes auf eine aktuelle Auskunft des Kreisbauamts: „Die Baugenehmigung von 1973 ist gültig“, sagte Kleine. Somit seien auch die 2,90 Metern genehmigt. Überdies habe die Herstellerfirma der Fliesen nochmals bestätigt, dass auch die Fliesen den Anforderungen für ein Hallenbad genügen.Hintergrund: Gäste hatten sich über Rutschgefahr beschwert. Daraufhin wurden die Fliesen mit Säure noch mal abgestumpft.

Auch ein feiner Riss im Becken für Nichtschwimmer und rostige Schleifspuren an einer Stelle der Riesenrutsche kamen im Parlament auf den Tisch. Nur indirekt mit dem Bad hängen technische Probleme mit dem Blockheizkraftwerk im gleichen Gebäude zusammen. Laut Schaller arbeiten „Blockheizkraftwerk und Kessel gegeneinander“ – offenbar mit Folge für die Stadthalle: Dort sei es bei einem Familienfest zuletzt zu kühl gewesen. „Ich bin, vorsichtig formuliert, erschrocken“, sagte Bürgermeister Klaus Friedrich angesichts der nicht ganzen Hiobsbotschaften. Die Schäden müssten schnell beseitigt werden, und es müsse für Aufklärung gesorgt werden.

SPD-Sprecher Helmut Schmidt sah indes auch den Bürgermeister als Vorsitzenden des „Gesellschafteraussschusses Bad“ und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden von EWF mit in der Verantwortung. Der Gesellschafteraussschuss habe beschlossen, Friedhelm Schmidt „in einer Nebenbeschäftigung zum Projektleiter zu ernennen“ und ihn mit mehr Kompetenzen als Betreiber EWF auszustatten. Klären, wer Zeche zahlt Helmut Schmidts Fazit: Höchste Eile sei geboten, um Schäden zu beheben und das Hallenbad für die Menschen in Korbach wieder zu öffnen. Danach sei zu klären, wer für die Fehler die Verantwortung trägt – „und wer die Zeche zahlt“: „lassen Sie uns alle zusammen versuchen, dass die Bürger für das, was hier schiefgelaufen ist, nicht aufkommen müssen.“ Im Haupt- und Finanzausschuss des Parlament soll das Thema „Hallenbad“ weiter aufgearbeitet werden.

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