Freilichtbühne Korbach bereitet sich gewaltig auf neues Western-Stück vor

Schlägereien werden gern gesehen

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Faustdick. Schlagen und geschlagen werden, aber immer knapp am Körper vorbei, lautet eine Aufgabe beim Vorbereitungskurs für die Schauspieler. Hier „prügeln“ sich Katharina Rauhut (links) und Jana Richter. Im Hintergrund der neue Spielleiter Werner Schwag

Korbach - „Zoff in Silver City“ heißt das Erwachsenenstück, mit dem die Korbacher Freilichtbühne im Sommer ihr Publikum begeistern will. Für den Western sind zusätzliche Proben nötig.

Massenschlägerei in der Turnhalle der Westwallschule. Rund 20 Männer und Frauen gehen mit den bloßen Fäusten aufeinander los, schlagen sich ins Gesicht. Und ein Mann im Trainingsanzug schlendert auch noch durch die Reihen und zeigt jedem dieser Schlägertypen wie er seinem Gegner noch effektiver die Fresse polieren kann.

Blut fließt aber keins und wer genauer hinschaut, sieht auch, dass jede Faust immer knapp am Gesicht des Gegners vorbeifliegt. Alles nur Show.

Die Schauspieler der Freilichtbühne Korbach üben an diesem Samstagvormittag im ersten von drei Wochenendseminaren, wie man sich auf der Bühne schadlos und natürlich prügelt. Diese Bewegungsabläufe für einen Stuntmen-Anfängerkurs müssen die Schauspieler neben dem Text zusätzlich lernen, denn schon aus dem Titel des neuen Stückes „Zoff in Silver City“ ist herauszuhören, dass hier die friedfertigen Wir-können-ja-mal-drüber-reden-Typen nicht so angesagt sind. Der neue Spielleiter Werner Schwager leitet diese Kurse. Der Schauspieler und Regisseur hat in Sachen Theaterkampf schon einige Erfahrungen auf der Freilichtbühne in Hallenberg gesammelt, vor allem durch Mantel-und-Degen Stücke.

Nichts deutet hier anfangs darauf hin, dass Schauspieler an ihrem Stück arbeiten, das Treiben in der Halle sieht eher aus wie Rückenschule für Alt und Jung. Jeder steckt noch unbewaffnet in Sporthose und -trikot und nicht in Cowboystiefel und -hemd. Die Wildwest-Klamotten sind auch rar gesät. „Die Kostümbeschaffung ist schwierig, denn unser Fundes hat da nicht so viel zu bieten“, sagt der Vorsitzende Volker Thielemann.

Die Kunst von der vorgetäuschten Schlägerei fängt nicht erst mit dem Schlag selbst an, sondern Schwager beginnt den Kurs mit Koordinationsübungen. Die körperliche Fitness der Korbacher Schauspieler hat vermutlich noch bei keinem Stück zuvor so eine große Rolle gespielt, wie bei dieser Wildwest-Aufführung.

Wo geschlagen wird, da wird auch gestürzt und das zu Bodenfallen ist schauspielerisch anspruchsvoll, wenn es auf der Bühne echt aussehen soll. So stehen Schlag-, Fall- und Wurftechniken neben der Choreographie auf dem Kursplan für die kommenden Wochen. Da wird noch einiger Schweiß fließen, bis es auf die Bühne geht.

Vorstandschef Volker Thielemann weiß schon heute, dass da einiges an Arbeit auf seinen Freilichtbühnenverein zukommt: „Wir hatten vor zwei Jahren einen irren Aufwand für das Jedermann-Stück, aber ich glaube, das werden wir bei diesem Western-Stück noch toppen.“ Von Reinhard Schmidt

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