Präventionswochen: Fachtagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ in der Stadthalle Korbach

Schlagen und Würgen im trauten Heim

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Korbach - Schläge, Beleidigung, sexuelle Nötigung: Gewalt in den eigenen vier Wänden kennt viele Formen, egal ob sie von Männern oder Frauen ausgeht. Darauf wurde bei der Fachtagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ aufmerksam gemacht.

„Meine Kinder schrien vor Angst und wir flüchteten zu den Nachbarn“, „Er beleidigte und schlug mich, ich hatte Angst vor ihm“, „Mein Ex-Mann nötigte mich dazu, keine Anzeige zu erstatten“: Das sind Aussagen von Opfern häuslicher Gewalt in Waldeck-Frankenberg. Dass das Tabuthema auch im Landkreis ein Thema ist, machten 23 Organisationen und Vereine auf der Fachtagung „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ in der Stadthalle Korbach deutlich.

Die Betroffenen trauen sich meist nicht, über ihre Probleme zu sprechen. Schließlich ist es ja der eigene Mann, der Schläge androht. Und vielleicht meint er es ja gar nicht so. Um diesem Denken entgegenzuwirken, um Opfern zu zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, und auch um Ärzten oder Lehrern Infos an die Hand zu geben, veranstaltete der „Runde Tisch zum Thema Gewalt im häuslichen Bereich“, des Landkreises die Fachtagung.

147 Fälle im Landkreis 2011

So waren zum Beispiel etwa 50 Schüler des Fröbel-Seminars vor Ort, um sich als zukünftige Erzieher über das Thema zu informieren. Vereine und Organisationen stellten sich den Interessierten vor, Vorträge und Filme rundeten das Programm ab.

„Das geht durch alle gesellschaftlichen Schichten“, unterstrich die Betreuungslehrerin und Mitorganisatorin Monika Lacher die Bedeutung der Fachtagung. Das bestätigten auch die teilnehmenden Organisationen - vom Amtsgericht, über Arztpraxen und Frauenberatungsstellen bis zur Suchtberatung. „Wir sind eingedeckt mit Arbeit, vor allem was Kindesmissbrauch angeht“, nannte Hans-Ludwig Wagner vom Weißen Ring ein Thema der häuslichen Gewalt. Für die Organisationen war es eine gute Chance, auf die Angebote im Landkreis aufmerksam zu machen.

Die Polizei Waldeck-Frankenberg zeigte in ihrer Ausstellung Tatwaffen - von der infizierten Spritze über den Hammer bis zum Schimmelspray. 2011 gab es 147 gemeldete Fälle häuslicher Gewalt, „die Dunkelziffer liegt viel höher“, weiß Polizeioberkommissarin Diana Manthey. Sie wies darauf hin, dass auch Männer zum Opfer werden könnten. Allerdings würden diese noch seltener die Fälle bei der Polizei melden. „Meistens geht das von den Nachbarn aus.“ Kommt es zu einer Gewalttat, darf die Polizei den Täter für 14 Tage aus dem eigenen Haus verweisen und es wird Strafanzeige erstellt.

In seiner Eröffnungsrede wies Stadtrat Reinhold Sude auf die psychische Belastung für Kinder hin, die Gewalt mit ansehen müssen. Die Kreisbeigeordnete Hannelore Eckhardt wünscht sich, dass die Veranstaltung Opfern Mut mache. Auf jeden Fall wurde deutlich, dass häusliche Gewalt ein Thema ist, und dass es viele Anlaufstellen für die Probleme gibt.

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