Korbach

Ein Schluck aus der Pulle

- Korbach (jk). Soll die Stadt Korbach beim Trinkwasser wieder selbst Regie führen? Anträge von FWG und SPD rücken eine Übernahme der „Wassersparte“ von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) wieder in den Blickpunkt.

Alle Jahre wieder – die politische Debatte um die Wasserversorgung ist in Korbach fast so regelmäßig wie Weihnachten. Dahinter stecken zunächst einmal auch Trends: Vor zehn Jahren mühten sich Städte und Gemeinden noch allüberall in Deutschland, ihre Stadtwerke meistbietend zu verkaufen. Das brachte millionenschwere Ablösesummen in die Kassen. 2003 verschmolzen die Stadtwerke mit dem VEW zur neuen „Energie Waldeck-Frankenberg“ (EWF). Zuvor hatte sich die Münchener Thüga AG sowohl bei den Stadtwerken als auch beim kreiseigenen VEW zu jeweils knapp 50 Prozent eingekauft. Mit zum Korbacher Versorgungspaket gehörte dabei die Wassersparte. Da Trinkwasser das kostbarste aller Lebensmittel ist, vereinbarten die Vertragspartner eine Ausstiegsklausel: Anfang 2010 oder Ende 2014 hat die Stadt das Recht, die Wasserversorgung zurückzukaufen – mit einer Ankündigungsfrist von zwei Jahren. Vor allem die SPD brachte das Thema zwischen 2006 und Ende 2008 wiederholt aufs Tapet. Bürgermeister und Koalition aus CDU, FWG und FDP rieten und lehnten aber jeweils ab. Die Begründung war deutlich: Die Stadt müsste in Eigenregie von Verwaltung bis zum technischen Service alles neu aufbauen. Die Rendite wäre also fraglich. Überdies gibt es sehr unterschiedliche Auffassungen über den Rückkaufswert. Frage des Preises Ende 2008 sprach EWF-Chef Stefan Schaller von 23 Millionen Euro „Sachzeitwert“, Stadtkämmerer Ralf Buchloh von rund acht Millionen Euro „Restbuchwert“ – CDU-Abgeordneter Dr. Eckhard Drebes dagegen von einem „Ertragswert“, der unter einer Million Euro läge. Der tatsächliche Wert und die Kosten sind also völlig unklar. Inzwischen haben viele Kommunen Werte wie Wasser und Energie neu entdeckt. Kommunalisierung statt Privatisierung heißt der Trend. So stellten die Freien Wähler (neuerdings FW ohne „G“) für die Parlamentssitzung am 10. Dezember den Antrag, die Stadt möge doch rechtzeitig vorm nächsten Termin für einen möglichen Rückkauf noch mal prüfen. Das gilt auch für eine Prognose, wie sich unter Regie der Stadt der Wasserpreis entwickeln würde. Bei den Beratungen im Finanzausschuss diese Woche stieß der FW-Antrag auf wenig Widerworte. Im Gegenteil: SPD und Grüne waren hocherfeut. Die SPD schob sogar noch einen eigenen Antrag hinterher: Wie lässt sich verbindlich der Kaufpreis ermitteln? Und gibt es außerdem die Möglichkeit, „ausschließlich die Schöpfrechte“ fürs Korbacher Trinkwasser zurückzukaufen – die technische Versorgung jedoch bei EWF zu belassen? Diesen Gedanken „in Richtung Betriebsaufspaltung“ befand denn auch CDU-Sprecher Dr. Eckhard Drebes für „gut“. Allerdings gehört noch ein gewichtiger Teil der Korbacher Wassergewinnung bis heute der Stadt. EWF besitzt die Quelle „Teichmühle“ bei Berndorf und die „Päddemarke II“ Richtung Strothe. Die liefern von jährlich rund 1,2 Millionen Kubikmetern Trinkwasser (Stand 2007) in Korbach etwa die Hälfte. Die andere Hälfte kommt weiter aus städtischen Quellen. Die Stadtverwaltung wird sich mit Blick auf 2014 präparieren, signalisiert Bürgermeister Klaus Friedrich: „Es ist gut, wenn wir frühzeitig ins Thema einsteigen.“ Denn 2012 muss die Entscheidung endgültig fallen.

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