Neue Fossilien aus der „Korbacher Spalte“ · Fundstelle rückt wieder ins Rampenlicht der Forscher

Ein Schlüssel zur Erdgeschichte

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Gelblich ist das Gestein aus der Korbacher Spalte. Weiße Einschlüsse deuten beim Präparieren auf versteinerte Knochen.

Korbach - Der „Korbacher Spalte“ stehen neue wissenschaftliche Sternstunden bevor: Die weltbedeutende Fossilienkluft birgt Reste skurriler Tierformen - und kann der Forschung helfen, Rätsel der Erdgeschichte und der Evolution zu entschlüsseln.

Vor 65 Millionen Jahren krachte ein Meteorit aus dem All auf den Erdball und löschte einen großen Teil des Lebens aus. Der Feuerpilz, der damals durch die Atmosphäre jagte, hätte selbst den Mann im Mond als pyrotechnisches Spektakel geblendet. Und die folgenden Flutwellen überspülten halbe Kontinente.

Viel früher aber in der Erdgeschichte gab es die Mutter aller Katastrophen - das massenhafte Aussterben an der sogenannten Perm-Trias-Grenze vor rund 250 Millionen Jahren. Meteoritenschwärmer vermuten auch für damals einen gigantischen Einschlag, aber gesichert ist das nicht.

Fest steht, dass die klimatischen Bedingungen heiß und trocken waren im Oberperm - und mit dem Wechsel in das Erdzeitalter der Trias richtig wüstenhaft wurden. Genau an dieser Grenze liegt auch die Entstehung der Korbacher Spalte und macht sie für Forscher weltweit so bedeutsam.

In den 1990er-Jahren waren es Dr. Eberhard „Dino“ Frey und Wolfgang Munk vom Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe, die bei Grabungen zwischen 1991 und 1998 eine Fülle von Fossilien aus dem Gestein in „Fisselers Steinbruch“ am Korbacher Stadtrand in Richtung Dorfitter bargen.

Zum Vorschein kamen Zähne und Knochenreste von Vorläufern der späteren Dinosaurier und der Säugetiere. Star in dieser kuriosen Tierwelt war der Procynosuchus, ein rund 60 Zentimeter großer „Hundezähner“, der fortan zum Wappentier der Stadt Korbach avancierte. Der kleine Kerl war ein Allesfresser, lief hochbeinig, hatte ein ausgeprägtes Gebiss und ein Gehör - lag also nicht platt wie ein Krokodil, um über die Kieferknochen zu hören.

Korbach ein Schlüssel zur Evolution

Procynosuchus war bis dato nur aus dem südlichen Afrika bekannt und lieferte damit zugleich einen Beleg für den Superkontinent Pangäa, der in jenen Zeiten Europa und Afrika über Landbrücken verband.

Vermutlich hatte ein Erdbeben die Korbacher Spalte aufgerissen, periodische Regengüsse, die es auch in Wüsten gibt, spülten Reste verendeter Tiere oder ganze Tierkörper hinein. Eingebettet in Schluff und Silt schlummerten sie dann 250 Millionen Jahre vor sich hin.

Aber auch die Erforschung der Korbacher Spalte schlummerte seit 1998 über viele Jahre, weil es an Forschungsgeld dafür fehlte. Mit Impulsen der Landesregierung in Wiesbaden, einer länderübergreifenden Kooperation zwischen Hessen und Baden-Württemberg begannen 2011 jedoch Wissenschaftler in Karlsruhe und im Naturkundemuseum Kassel, rund 3000 bislang unpräparierte Fundstücke zu bearbeiten: rund 100 Schubladen voller kleiner und mittlerer Steinbrocken, in denen fossile Tierreste eingebettet sind.

Zutage gekommen sind dabei weitere Stücke von Procynosuchus - aber vor allem auch Reste von unvermuteten Tierformen. Im Blick steht beispielsweise ein Zahn mit gezackter Kante, die auf einen „Rauisuchier“ hindeutet. Diese Tierformen waren Vorläufer von Dinosauriern und Krokodilen, flinke Beutegreifer mit Schuppenreihen auf dem Rücken und kastenförmigem Schädel, beschreibt „Dino“ Frey.

Besonderheit: Diese Tiere sind typisch für das Erdzeitalter der Trias. Demnach verschmolz in der Korbacher Spalte also eine Tierwelt aus Permzeit und Trias.

Schon haben die Karlsruher Wissenschaftler Kontakte zur Universität Heidelberg aufgenommen, denn „Korbach könnte eine der Schlüsselfundstellen sein“ zur Erforschung der Perm-Trias-Grenze - und zwar mit weltweiter Bedeutung.

Dabei regt Frey an, in einem Forschungsprojekt das Material der Korbacher Spalte auch geochemisch zu untersuchen. Denn bestimmte Isotop-Teilchen im Gestein geben Hinweise auf Salz- oder Süßwasser, ob die Tiere Fleisch als Nahrung hatten - oder vielleicht auch ein Meteorit das große Sterben vor 250 Millionen Jahren auslöste.

Schlüssel für die weitere Erforschung ist ein Treffen am Montag im Museum mit Experten, Präparatoren und Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann an der Spitze. (jk)

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