Arztinterview im Stadtkrankenhaus Korbach

Nicht auf die leichte Schulter nehmen

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Schulterschmerzen im Alltag können eine große Belastung sein. 

Schmerzen im Schultergelenk können viele Ursachen haben. Über Therapiemöglichkeiten informiert  Dr. Arne Fittje, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Stadtkrankenhaus Korbach. 

Das Schultergelenk wirkt bei vielen alltäglichen Bewegungen mit. „Daher ist es nicht verwunderlich, dass Schmerzen in der Schulter für Betroffene häufig besonders belastend sind“, weiß Dr. Arne Fittje. Er sagt: Verschiedenste Erkrankungen können Ursache für den Schulterschmerz sein – umso wichtiger ist eine umfassende Diagnostik mit therapeutischen Maßnahmen.

Welche Ursachen können akute oder chronische Schulterschmerzen haben?

Einige Sportarten, bei denen die Schulter besonders belastet ist, oder das Heben schwerer Lasten in Beruf und Alltag strapazieren die Schulter und lösen akute Schmerzen aus. Neben der Überlastung der Schulter gehören zu den häufigen Ursachen auch Fehlhaltungen, Unfälle und Entzündungen.

Chefarzt Dr. Arne Fittje

Die Schmerzen können jedoch nicht nur akut, sondern auch chronisch verlaufen. Von einem chronischen Verlauf sprechen wir, wenn die Schulterschmerzen länger als drei Monate andauern. Klassische akute Schmerzen treten häufig bei Verletzungen wie Brüchen oder Verrenkungen auf. Chronische Schmerzen treten langsam einschleichend auf, häufig wiederkehrend und leider nicht selten mit einer Verschlimmerungstendenz.

Verspannungen, Verletzungen oder Abnutzung – in welchen Fällen spricht man von Erkrankungen? Welche sind am häufigsten?

Hier eine klare Grenze zu ziehen ist nicht möglich. In ihrer Häufigkeit aufgereiht wären hier das Engpasssyndrom, Arthrose des Schultereckgelenks, die abnutzungsbedingte Sehnenruptur und die Sehnenverkalkung zu nennen. Nicht selten kann dies aber auch andere Ursachen haben, deshalb muss man bei Schulterbeschwerden auch immer an die Halswirbelsäule denken.

Bei welchen Anzeichen sollten Betroffene auf jeden Fall zum Arzt gehen? Welche Diagnosemöglichkeiten hat er?

Ich denke, es ist klar, dass nach einem Unfall der Arzt in der Regel dann aufgesucht werden sollte, wenn die Beschwerden im Laufe einiger Tage nicht nachlassen. Ist nach einem Unfall der Schmerz extrem, eventuell sogar mit Funktionsverlust der Schulter, muss eine notfallmäßige Vorstellung beim Arzt erfolgen.

Bei der körperlichen Untersuchung beobachten wir die Körperhaltung und Bewegungen, prüfen den Schulterstand, den Zustand der Schlüsselbeine und die Armhaltung.

Schulterschmerzen können viele Ursachen haben.    

Wichtige Hinweise auf die Ursache der Schulterschmerzen liefern zudem verschiedene Beweglichkeitstests. Ergeben sich Hinweise auf einen Bruch oder eine Verrenkung, erfolgt eine Röntgenaufnahme. In vielen Fällen kann mittels der Ultraschalluntersuchung eine Sehnenverletzung diagnostiziert werden. Auch die Abklärung mittels MRT-Untersuchung schließt sich in vielen Fällen an.

Ohne ein akutes Ereignis sollte man bei immer wiederkehrenden Beschwerden einen Facharzt aufsuchen. Findet sich ein starker, akut auftretender Schmerz ohne Unfall, der auch noch in den Arm zieht, empfehle ich die sofortige notfallmäßige Untersuchung. In solchen Fällen kann sich hinter den scheinbaren Schulterbeschwerden auch eine Herzproblematik verbergen. Das kann bis zu einem Herzinfarkt reichen und muss dringend abgeklärt werden.

Welche Behandlungs-/Therapiemöglichkeiten gibt es? Kann man selber was tun? In welchen Fällen wird operiert?

Die Therapiemöglichkeiten im Stadtkrankenhaus Korbach reichen von konservativen Therapieansätzen über minimal-invasive endoskopische Verfahren, Operationen am offenen Gelenk bis hin zum künstlichen Gelenkersatz der Schulter. Bei akuten Verletzungen ist die operative Therapie recht häufig notwendig. Bei chronischen Beschwerden, ohne eine frische Sehnenverletzung empfehle ich Patienten in der Regel zunächst eine konservative Therapie, die durch Physiotherapeuten unterstützt wird. Regelmäßige Eigenübungen zu Hause sind aber ebenso wichtig.

Ein wichtiger Aspekt ist die Körperhaltung, und diese muss mit trainiert werden. Ergibt sich unter diesen professionellen Bedingungen keine Verbesserung oder nehmen die Beschwerden sogar noch zu, muss man eine Operation in Erwägung ziehen.

Wie viele OPs führen Sie am Stadtkrankenhaus Korbach durch?

Im Bereich der Schulterchirurgie, inklusive der Implantation von künstlichen Gelenken, führen wir im Stadtkrankenhaus Korbach alle Operationen durch.

Die meisten Eingriffe erfolgen mit Hilfe der Kameratechnik über nur kleine Hautschnitte. Nimmt man alle Formen der operativen Versorgung von Schultererkrankungen zusammen, versorgen wir etwa 200 Patienten jährlich.

Haben Sie Verhaltenstipps für den Alltag, um Schulterschmerzen vorzubeugen?

Eine gerade, aufrechte Körperhaltung ist ein wichtiger Bestandteil zur Vermeidung von Schulterproblemen. Bei leichten Beschwerden kann kühlen helfen und bestimmte Eigenübung, zum Beispiel mit einer Wasserflasche: Man nimmt eine Ein-Liter-Flasche, möglichst aus Kunststoff, und bindet sie sich mit einer Schlaufe ans Handgelenk, um ein aktives Greifen zu vermeiden. Damit dann lockere Pendelübungen durchführen. Mit dieser einfachen Übung wird die Enge unter dem Schulterdach beseitigt. 

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