Freie Wähler feiern 40 Jahre Ortsverband Diemelsee

Schreinerei ist heimliche Schaltzentrale

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Diemelsee - „Wenn unsere Schreinerei erzählen könnte“, lächelt Karl Wilke. Der Benkhäuser Handwerksmeister gehört 1972 zu den Gründungsmitgliedern der Freien Wählergemeinschaft Diemelsee und ist Herr über die heimliche Zentrale des Ortsverbands.

 „Wilkes Werkstatt ist einfach Kult“, erklärt Ortsverbandsvorsitzender Gerhard Behle (Vasbeck). „Hier kleben wir zum Beispiel unsere Wahlkampfplakate, mit denen wir stets Erfolg hatten.“ Kein Ort wäre geeigneter, um auf die 40-jährige Geschichte der FWG Diemelsee zurückzublicken. „Alfred Döbelt, bis zur Gebietsreform Bürgermeister in Schweinsbühl, hat die FWG am 25. März 1972 im Dorfgemeinschaftshaus Benkhausen ins Leben gerufen. Sie war sein Ein und Alles“, erinnert sich Karl Wilke, ältestes Mitglied des Ortsverbandes. Ziel dieser ersten öffentlichen Zusammenkunft ist die Gründung einer Wählergemeinschaft für die Kommunalwahl am 22. Oktober 1972, bei der erstmals ein Parlament für die Großgemeinde Diemelsee gesucht wird.

Um für die FWG zu werben, schließen sich im April zwei weitere Informationsveranstaltungen an. Zur konstituierenden Sitzung kommen die Diemelseer am 3. Mai in Giebringhausen zusammen, zur ersten Mitgliederversammlung am 16. Mai in Rhenegge. Sie wählen Alfred Döbelt zu ihrem ersten Vorsitzenden (siehe Hintergrund). Ihren Wahlvorschlag erstellen die Freien Wähler am 31. August in Sudeck. Unter dem Motto „Keine Parteipolitik im Gemeindeparlament“ treten sie am Wahltag als Liste 4 an (Foto). Frei und unabhängig „Wir haben gleich sechs von 31 Gemeindevertretern gestellt“, berichtet FWG-Urgestein Wilhelm Arnold. Der Sudecker gehört nicht nur in Diemelsee zu den Gründervätern, sondern auch im Kreisverband. Der Kreistagsfraktion steht er von 1993 bis heute vor. Neben Arnold ziehen 1972 für die FWG Diemelsee ins Parlament ein: Heinrich Müller (Rhenegge), Christian Kümmel (Adorf), Reinhold Kalhöfer-Köchling (Wirmighausen), Wilhelm Zölzer (Stormbruch) und Fritz Meier (Flechtdorf).

Fraktionschef Müller lenkt den Bauausschuss. Alfred Döbelt wird Beigeordneter. Dass die FWG bis heute Erfolgsgeschichte schreibt – sie stellt sieben Gemeindevertreter (siehe Hintergrund am Textende) –, führt Karl Wilke auf zwei Prinzipien zurück, denen die Freien Wähler stets treu geblieben seien: Freiheit und Unabhängigkeit. Seinen Sohn Horst Wilke, der einen der sieben Sitze bekleidet, reizt, dass die Wählergemeinschaft keine Landespolitik macht, sondern sich auf die kommunale Ebene konzentriert. Die „kameradschaftliche und freundschaftliche Basis mit weniger straffer Organisation“ ist für Arnold ein wichtiges Argument für die FWG.

Ihre Kameradschaft pflegen die Freien Wähler zum Beispiel bei gemeinsamen Grillabenden und Ausflügen. Erfolg auf vielen Ebenen „Wir haben außerdem keinen Fraktionszwang, und darauf sind wir stolz“, ergänzt Behle. Stattdessen habe die FWG 65 Mitglieder. „Ich denke, die Volksparteien in Diemelsee haben nicht mehr.“ Die Stärke des Ortsverbandes zeigt sich laut Arnold an zwei weiteren Beispielen: l Die Diemelseer stellen von 1972 bis heute ein Kreistagsmitglied. Fritz Emden folgt der langjährige Bürgermeister Hans-Jürgen Fischer. Seit 1989 vertritt Arnold die FWG Diemelsee. l „Wir haben uns immer um parteilose Bürgermeister bemüht und Erfolg gehabt“, erklärt Arnold. Die Freien Wähler hätten die Kandidatur der späteren Bürgermeister Willi Scheuermann, Hans-Jürgen Fischer und Volker Becker unterstützt. „Vernünftige Sachpolitik“

„Die FWG steht für vernünftige Sachpolitik – dem Bürger verpflichtet“, resümiert Abgeordneter Heinrich Zölzer (Schweinsbühl). Für die Zukunft erhoffen sich die Freien Wähler, dass sich neben Mike Fieseler, dem Neuzugang in der Fraktion, weitere junge Diemelseer einbringen. „Einige Frauen könnten wir auch noch gebrauchen“, schmunzelt Arnold. Gemeinsam feiern erfahrene und junge FWG-Mitglieder sowie politische Freunde am Samstag, 24. März, das 40-jährige Bestehen ihres Ortsverbandes im Dorfgemeinschaftshaus Benkhausen. Groß ist die Freude über den Besuch aus der thüringischen Partnergemeinde Geschwenda. Arnold: „Die Gründung der dortigen Wählergemeinschaft haben wir unterstützt und bis heute pflegen wir engen Kontakt.“

Das Programm startet um 18 Uhr mit Sektempfang und gemeinsamem Essen. Ab 19.30 Uhr schließen sich Rückblick und Grußworte, zum Beispiel des Kreisvorsitzenden Uwe Steuber, an. Die Freien Wähler ehren darüber hinaus Gründungsmitglieder – allen voran die noch lebenden „Männer der ersten Stunde“ Karl Wilke, Heinrich Müller und Walter Emden – sowie verdiente Mandatsträger. Tanzmusik sorgt für ein schwungvolles Fest.(nv)

Hintergrund

Als sich die Freie Wählergemeinschaft Diemelsee vor 40 Jahren konstituierte, wählen die Mitglieder Gründer Alfred Döbelt zu ihrem ersten Vorsitzenden. An der Spitze des Ortsverbandes folgen später Walter Emden, Fritz Wetekam und Werner Backhaus. Im Jahr des runden Geburtstags lenkt Gerhard Behle die Geschicke der FWG. Im Vorstand stehen ihm zur Seite: seine Stellvertreter Heinrich Zölzer und Karl Pohlmann, Geschäftsführer Robert Erlemann und Kassierer André Rest. Seit der Kommunalwahl am 27. März 2011 gehören dem Diemelseer Parlament wie in der abgelaufenen Legislaturperiode sieben Freie Wähler an: Fraktionschef Norbert Scheele sowie die erfahrenen Abgeordneten Friedrich Theile, Heinrich Zölzer, Horst Wilke, Robert Erlemann und Brigitte Schoen, Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses, Sport, Kultur und Soziales. Neu dabei ist der 30-jährige Mike Fieseler. Gerhard Behle ist Mitglied des Gemeindevorstandes. (nv)

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