Rapper inspiriert zu Stadtlyrik

Schüler der Alten Landesschule präsentieren Heimatgedichte

Deutsch-Lehrer Moritz Schneider (Mitte) mit seiner Klasse 9b der Alten Landesschule in Korbach
+
Eine gelungene Unterrichts-Einheit: Deutsch-Lehrer Moritz Schneider (Mitte) ließ seine Klasse kreativ werden. Die Schüler überzeugten mit tollen Gedichten.

Ob klassisch, modern oder in Rap-Form – die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b der Alten Landesschule waren kreativ und verfassten eigene Gedichte.

Korbach – Motiviert hat die Jugendlichen ihr Lehrer Moritz Schneider. Im Unterricht bearbeitete er mit ihnen knapp sieben Wochen lang den Schwerpunkt „Stadtlyrik“. „Das Thema ist vielen fremd und daher häufig nicht greifbar. Deshalb habe ich mir die Frage gestellt, wo den Jugendlichen Lyrik im Alltag begegnet“, so Schneider.

Die Antwort liege in der Musik. „Lyrik oder lyrics, alle Songtexte leben davon“, erläutert er. Deshalb entschied sich der Lehrer dafür, den aktuellen Hit „Boot“ von dem deutschen Rapper Apache 207 im Unterricht zu thematisieren.

Ein Ansatz, der bei den Schülern gut ankam, denn gerade bei Jugendlichen ist das Rap-Genre sehr beliebt. So lernten sie nicht nur was eine Metapher ist, sondern waren auch offen für weitere Gedichtsanalysen. „Es war mir wichtig, dass die Schüler erkennen, dass Lyrik auch für sie eine Bedeutung hat“, sagt der Lehrer.

Das Interesse war geweckt und auch abstrakte Stücke anderer Autoren wurden behandelt. Diese verdeutlichten den Jugendlichen vor allem eines. Jeder Schriftsteller hat eine andere Wahrnehmung und auch die Herangehensweise ist ganz unterschiedlich.

Um zu verdeutlichen, wie ein Gedicht entsteht, stellte Moritz Schneider seinen Schülern deshalb eine besondere Aufgabe: Sie sollten selber schriftstellerisch tätig werden und ein Gedicht über ihre Heimatstadt schreiben.

„Korbach“ von Dino Babovic

Korbach, eine Kleinstadt in Hessen, hat viele schöne und schlimme Ecken.

Leider für Kinder zu wenig Aktivitäten, doch für Erwachsene genug Kneipen und Diskotheken.

Trotzdem ist Korbach nicht ohne, entspannt ist das Spazieren in der Fußgängerzone.

Darauf dann erstmal ein Döner bei Ali Baba, das hört sich nach ´nem guten Tag an.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Dino Babovic wählte beispielsweise einen unterhaltsamen Ansatz. „Ich habe mir vorgenommen ein Gedicht zu verfassen, das leicht verständlich ist.“ Obwohl er aus seiner Sicht schrieb, ging der Jugendliche auf Aspekte ein, die vor allem in seinem Freundeskreis aktuell sind, etwa die gemeinsamen Besuche in einem Dönerladen.

Seine Mitschülerin Felicia Falk wählte ein anderes Thema. Inspiriert von Herbert Grönemeyers Song „Bochum“, der ebenfalls Teil der Unterrichtsreihe war, entschied sie sich dafür, über die Korbacher Geschichte zu schreiben. „Zuerst habe ich mich informiert“, berichtet Felicia, „im nächsten Schritt suchte ich passende Reime, die ich dann zu einem flüssigen Liedtext verbunden habe.“

Das „Korbach-Lied“ von Felicia Falk

Dein Alter sieht man Dir nicht an, was sind schon tausend Jahre? Du ziehst sie alle in den Bann: Familien, Singles, Paare. Für jeden hast Du was dabei, ob Freibad oder Kino. Zu sehen gibt es allerlei, so auch den Dackel-Dino.

Korbach – Du bist mir wichtig! Korbach – Du bist goldrichtig! Ich wohne hier, ich bleib bei Dir.

Das Gold, das hat Dich reich gemacht, die Hanse noch viel mehr. Die Pulverköppe in der Nacht bewachen mit Gewehr. Um Kilian oder Nikolai zieh´n sie ihre Runde. Und auch am Conti-Turm vorbei verkünden sie die Stunde.

Korbach – Du bist mir wichtig! Korbach – Du bist goldrichtig! Ich wohne hier, ich bleib bei Dir.

Ein Airport hast Du zwar noch nicht, und keine Autobahn. Die Kuhbach ist doch eher schlicht, doch Du hast sehr viel Charme. Die Altstadt oder auch der Park, das Upland und der Edersee, sind alles Plätze, die ich mag, egal ob Sonne oder Schnee.

Korbach – Du bist mir wichtig! Korbach – Du bist goldrichtig! Ich wohne hier, ich bleib bei Dir.

Korbach, das sind wir...

Das Projekt fanden beide sehr interessant. Dino erzählt: „Durch diese neue Erfahrung, habe ich eine kreative Seite an mir kennengelernt.“

Und auch für ihren Lehrer war es ein neues Erlebnis. „In dieser Form habe ich bisher noch nicht mit einer Klasse das Thema Lyrik bearbeitet“, sagt Moritz Schneider. Doch die Ergebnisse ermutigen ihn, seine Schüler auch zukünftig kreativ zu fordern. Er betont: „Ich bin stolz auf die Klasse. Alle haben sich gut beteiligt und tolle Gedichte geschrieben.“ (sk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare