Hallenbad: Eröffnung im Herbst fraglich · Sondersitzung des Parlaments am 14. März

Schummrig in der Lagune

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Schön anzusehen, doch unter Wasser schlecht beleuchtet: Lagunenbecken im Korbacher Hallenbad.

Korbach - Die Hallenbad-Debatte mündet in einen schweren juristischen Konflikt. Selbst die zuletzt angepeilte Wiedereröffnung im Herbst 2013 muss inzwischen mit Fragezeichen versehen werden.

Wenn Stefan Schaller im Korbacher Parlament vorträgt, dann wird es mucksmäuschenstill im Rathaussaal. Im Finanzausschuss erwarteten Stadtverordnete und Besucher am Mittwochabend gespannt auf Ergebnisse eines großen Gutachtens. Doch der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) trug nur die „Light-Version“ vor. Zumindest eines ließ Schaller indes durchblicken: Die Vorwürfe gegen den Generalplaner aus Gotha werden „sehr schwerwiegend“.

Für rund zehn Millionen Euro ließ die Stadt Korbach das Hallenbad runderneuern. Nach der Eröffnung im März 2012 machte das Bad aber im April schon wieder dicht. Gravierendster Punkt: In den Trinkwasserleitungen hatte sich der Keim „Pseudomonas aeruginosa“ breitgemacht. Und der kann gefährlich für die Gesundheit werden.

In der Folge kam eine Fülle von Fehlern und Schäden am Bau ans Tageslicht. Seither haben Gutachter und Rechtsanwälte die Regie übernommen.

Hygiene-Gutachten

Ergebnisse der Gutachter liegen bislang für Fliesen, Edelstahlbecken und Beleuchtung vor. Fazit: Ein Teil der Fliesen muss ausgetauscht werden, die Becken brauchen stellenweise Nachbesserungen am Stahl. Insgesamt aber keine Schäden, die nicht zu beseitigen wären.

Schwieriger wird‘s schon bei der Beleuchtung. Denn im Lagunenbecken des Freizeitbads fehlen schlicht die nötigen Lampen, im Sportbecken können die Schwimmmeister abends nicht auf den Grund sehen. Hier muss also schon aus Gründen der Sicherheit aufwendiger nachgebessert werden. Am schwersten wiegt offenbar das gesamte Hygiene- und Technikpaket, das derzeit ein Gießener Hochschulprofessor in einem Gutachten schnürt: Rohrleitungen, Spülung, Desinfektion, Betriebstechnik, Elektrik.

Am 25. Februar ist ein Termin anberaumt, bei dem sich EWF als Betreiber sowie Hallenbadplaner und dessen Anwalt gegenübersitzen. Dort soll der Generalplaner mit den Ergebnissen der Untersuchung konfrontiert werden. Laut Schaller geht es derzeit um die letzten Details am Gutachten.

Nach dem Treffen mit dem Generalplaner soll dann das Korbacher Parlament am 14. März in einer Sondersitzung das Gutachten und die Folgen beraten.

Ein Stichwort ist „Beweissicherungsverfahren“: Die von EWF beauftragten Gutachten, die bislang vorliegen, wurden laut Schaller dem Generalplaner zugeleitet. Der weise die Vorwürfe aber zurück. Zug um Zug gingen die Gutachten deshalb ans Landgericht, das wiederum zur Beweissicherung neue Gutachter zur endgültigen Klarstellung benennen soll.

Trockenraum im Hallenbad

„Wir bewegen uns hier auf einem Verhinderungsniveau“, resümierte Schaller mit Verweis auf den Generalplaner. Denn dessen Anwalt lasse sinngemäß etwa durchblicken, die Fliesen könnten ja auch nach Bauabnahme noch verändert worden sein. „Allein die Idee, wir hätten nachher Fliesen rausgehauen, ist schon witzig“, meinte Schaller.

Im Detail geht es beispielsweise um die Frage, warum in den Umkleidekabinen nötige Wasserabläufe im Boden fehlen. In einem Bauprotokoll steht offenbar, dass Umkleiden „als Trockenräume definiert“ worden seien, wie Schaller auf Nachbohren von Dr. Peter Koswig (Grüne) schilderte.

Eine spitzfindige Frage ist nunmehr, „auf welcher Informationsbasis“ Umkleidekabinen zu „Trockenräumen“ wurden, erläuterte Schaller: Selbst wenn der Korbacher Bäderausschuss und der Projektleiter dem zugestimmt hätten, wäre der Generalplaner in der Pflicht gewesen, dies abzulehnen.

Abseits solcher juristischen Details schüttelt derweil jeder Badegast den Kopf, wenn just in einem Hallenbad nötige Wasserabläufe in den gefliesten Böden fehlen. Schließlich bleibt selbst das Badezimmer zu Hause nach dem Duschen nur selten ein „Trockenraum“.

Beweissicherung läuft

Aber wann endlich können Mängel und Schäden beseitigt werden? Welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein, hakte SPD-Sprecher Helmut Schmidt wiederholt nach. Und „ist akut dafür gesorgt, dass bis dahin keine weiteren Schäden entstehen“, wenn das Bad nicht in Betrieb ist, wollte Patricia Kubat (CDU) wissen.

In diesem Punkt beruhigte Schaller: Das Sportbecken oben aus Edelstahl sei leer, das Lagunenbecken unten müsse weiter mit Wasser gefüllt bleiben. „Sonst würden die Fliesen abplatzen“, begründete der EWF-Geschäftsführer.

Wann genau Handwerker beginnen, die Schäden und Mängel beseitigen, ist jedoch unklar. Loslegen können sie offenbar erst, wenn das gerichtliche Beweissicherungsverfahren abgeschlossen ist. Sonst bliebe die Stadt Korbach im Zweifel auf den Kosten sitzen. Das wäre dann für Badegäste wie Steuerzahler doppelt schmerzhaft.

Parallel möchte Schaller jedoch zumindest Planungen für die Mängelbeseitigung anlaufen lassen, um für den Zeitpunkt X schon gerüstet zu sein. Offen bleibt vorerst, wer dann die Regie am Bau übernimmt - der Generalplaner aus Gotha oder ein anderes Fachbüro? Denn neben der Schuldfrage stellt sich nach einem Dreivierteljahr ergebnisloser Auseinandersetzung vor allem auch die Vertrauensfrage.

Wann die ersten Badegäste in Korbach wieder eintauchen können, steht weiter in den Sternen. „Herbst 2013“ hieß die Prognose Ende vorigen Jahres. Es könnte aber auch später werden, ließ Schaller am Mittwochabend erkennen.

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