„Es ist ein Mega-Knaller“

Schweighöfers Maskenbildnerin kommt aus Waldeck

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Neue Frisur: Charlotte Chang verpasst Matthias Schweighöfer hochstehende Dreadlocks (Filzlocken) für den Film „Vielmachglas“. 

Korbach. Charlotte Chang (38) macht den Traumjob vieler jungen Frauen: Sie ist die Maskenbildnerin von Matthias Schweighöfer.

"Total spannend“ findet sie ihre Arbeit. Mehr noch: „Es ist ein Mega-Knaller.“ Charlotte Chang ist die Maskenbildnerin von Matthias Schweighöfer.

ChaCha – Charlotte Chang: Das klingt fast wie ein Künstlername. Ist es aber nicht. Der Vater stammt aus Südkorea. In Sachsenhausen wächst sie auf. Nach dem Abitur werden den beiden Töchtern Dorf und Elternhaus „zu eng“. Beide leben nun in Berlin.

Zum Interview kommt die Make-up-Expertin nur leicht geschminkt in ein Korbacher Eiscafé. Sie trägt eine moderne große Brille. Braune Augen, warmer Blick.

Charlotte kommt in Begleitung. „Tilda“: ein wuseliges Häufchen Hund mit weißem Fell und wachen Knopfaugen. Chihuahua und Havaneser haben sich da mit einem Schuss Schnauzer gemixt. Ausdrücklich zum Hunde-Kauf ermuntert hat sie ihr Chef: Matthias Schweighöfer, ein mehrfach preisgekrönter Schauspieler und Regisseur („Der geilste Tag“, „Frau Ella“, „Soloalbum“). „Das klappt schon, wir arbeiten doch sowieso meistens zusammen“, so sagt er.

Das Mädchen aus Waldeck und der Star des deutschen Films – wie kommt das zusammen? Da paaren sich Zufall mit Glück, vor allem aber Begeisterung und Können. Schon als Teenager liebt es Charlotte, Freundinnen zu schminken und ihnen die Haare zu stylen. Aber zum Maskenbildner gehört weitaus mehr. Zum Beispiel täuschend echte Schusswunden aus Wachs und Silikon modellieren. Nasen bauen, Bärte basteln. Ganze Gesichter werden umgestaltet. Der Regisseur bespricht mit den Köpfen der Abteilungen seine Vorstellungen vom Film. Dann erwartet er Vorschläge seiner Mitarbeiterinnen. „Ich sammele Bildmaterial und fertige Stimmungsbilder (Moods) mit Collagen an. Und zwar für jeden Charakter des Streifens“, erklärt die junge Frau. Die werden dann mit Kostüm und Szenenbild abgeglichen. Zwischen 15 Minuten und zwei Stunden dauert es, bis Charlotte Chang die Schauspieler drehfertig hat.

Sieben Jahre lang schlägt sich Chang in Köln durch. Keine leichte Zeit: erst Praktikum beim RTL-Zulieferer von „Alarm für Cobra 11“, dann Assistenz und immer wieder Wechsel zur nächsten Produktionsfirma. „Auf jeden Job baut der nächste auf, wenn man weiterempfohlen wird.“

„Matthias ist so, wie man ihn bei Interviews und anderen öffentlichen Auftritten erlebt: Er verstellt sich nicht.“

Für Charlotte geht es ziemlich schnell nach oben. Nach anfänglichen Action-Serien, Werbung und Fotoshootings ist sie schon nach zwei Jahren am ersten Kinofilm beteiligt. Eine Art Ritterschlag der Maske. „Es hat alles gepasst“, strahlt sie. „Ich war offenbar immer zur rechten Zeit am richtigen Ort.“

Auch der Wechsel nach Berlin 2009 ist eine gute Entscheidung. Durch Zufall trifft sie einen alten Bekannten aus Köln bei einer Filmpremiere. Zwei Wochen später ruft er sie an: „Hast du Lust, beim nächsten Til-Schweiger-Film Zweiohrküken Maske zu machen?“ Charlotte geht zum Drehort. „Ich habe allen Hallo gesagt und hatte den Job.“

Und es kommt noch besser: Den Moritz in dieser preisgekrönten Beziehungskomödie spielt Matthias Schweighöfer, ein 1981 in der ehemaligen DDR geborener Künstler. Der heute 37-jährige Schauspieler und Sänger ist auf dem Karriere-Weg nach oben. Gerade hat er die Goldene Kamera erhalten: für seine Darstellung des jungen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki in dessen Autobiographie. Nun arbeitet er zum wiederholten Mal mit Til Schweiger zusammen. Charlotte Chang kümmert sich um seine Maske. Beide sind etwa gleich alt, sie verstehen sich, sprechen eine Sprache. „Im nächsten Jahr drehe ich meinen ersten eigenen Film“, sagt der Star unvermittelt. „Möchtest Du dabei sein?“

Wuchs in Sachsenhausen auf und lebt inzwischen in Berlin: Charlotte Chang.

So gehört die frühere Waldeckerin bei der in Frankfurt produzierten Komödie „What a man“ erstmals zum Schweighöfer-Team. Es wird ein großer Erfolg: Fast zwei Millionen Besucher kommen in die Kinos. Charlotte ist fest gebucht für die nächsten Projekte. Mit „warm, herzlich und sehr lustig“ beschreibt Charlotte Chang ihren Chef. „Matthias ist so, wie man ihn bei Interviews und anderen öffentlichen Auftritten erlebt: Er verstellt sich nicht.“

Der Film „100 Dinge“ ist gerade abgeschlossen. Drehtage seien harte Tage. „Dann arbeite ich oft nicht unter zwölf Stunden.“ Der neue Schweighöfer-Spielfilm steht bereits an. Und die zweite Staffel von „You are wanted“: eine Internet-Serie beim Streaming-Dienst Amazon Prime Video.

„Die Arbeit macht Spaß, ich habe Freizeit und ein gutes Gehalt“, sagt die junge Frau. Zum Glück stehe sie aber hinter der Kamera. „Wie Matthias leben wollte ich nicht. Wenn der vor die Tür geht, wird er immer erkannt und oft nach Selfies oder Autogrammen gefragt.“ Ein alltägliches Leben sei kaum möglich.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

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