Geplanter Windpark bei Goddelsheim · Wunsch nach Bürgerbeteiligung

Sechs Räder - 30 Millionen Euro

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Lichtenfels-Goddelsheim - Ob ein Windpark bei Goddelsheim genehmigt wird, ist noch nicht geklärt. Doch wie er aussehen und was er mit sich bringen könnte, das wollten bei der Bürgerversammlung zum Thema Windkraft schon rund 100 Lichtenfelser wissen.

Spätestens seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima und der Entscheidung für eine Energiewende in Deutschland wird auch in kleinen Kommunen diskutiert, wie das Land mit erneuerbarer Energie versorgt werden kann, wie die Gemeinden dazu beitragen - und auch daran verdienen könnten. In der Stadt Lichtenfels, die sich mit dem Projekt "Klimaneutrale Kommune" einen Namen macht, gibt es bereits einen Bürgersolarpark - und geht es nach dem Willen von Bürgermeister Uwe Steuber, sollte auch ein Windpark entstehen, an dem die Lichtenfelser mit einer Bürgerwindanlage ebenfalls partizipieren können, um die Wertschöpfung in der Stadt zu halten. In das Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energie (VEW), eine Tochter des Zweckverbands Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), hat sich die Stadt im Dezember 2011 mit einer halben Million Euro eigens eingekauft, um schließlich auch als Kommune an Gewinnung und Gewinn von erneuerbarer Energie teilhaben zu können.

Entstehen soll der Windpark -wenn er genehmigt wird - "Am Böhlen" zwischen Goddelsheim, Eppe und Ober-Ense auf einer Fläche von über 300 Hektar. 85 Grundstückseigentümer sind involviert; unter dem Hut des Maschinenrings Wal­deck-Frankenberg haben sie sich in einem Pool zusammengeschlossen, erklärte Maschinenring-Geschäftsführer Walter Dersch bei der Versammlung, die Stadtverordnetenvorsteher Bernd Göckel moderierte.

Geplant ist "Am Böhlen" der Aufbau von sechs Anlagen der Marke Vestas V112 - Nabenhöhe: 140 Meter; Rotordurchmesser: 122 Meter; Leistung: 3,0 Megawatt; erwartete Energiegewinnung pro Anlage und Jahr: 45 Millionen Kilowattstunden; Kosten pro Windrad inklusive Planung: fünf Millionen Euro, beschrieb Oliver Bieber die technischen und finanziellen Ausmaße des geplanten Windparks. Bieber ist Projektentwickler bei der Wiesbadener Abo Wind AG, die Windkraftanlagen im In- und Ausland für Investoren plant und errichtet - und auch die Anlage bei Goddelsheim ans Netz bringen will. "Mit dem Park wäre die Stadt Lichtenfels rein rechnerisch klimaneutral", sagte er - und gab gleich in drei Punkten Entwarnung: Weder von Schall-Immissionen noch von Schattenwurf würden die Bürger in Goddelsheim belästigt und die Stromtrasse nach Medebach werde in die Erde verlegt. Das bestätigte Detlef Schmidt, der Kommunen rechtlich in Sachen Windkraftanlagen berät - und derzeit damit viel zu tun hat.

Auf die Frage, ob in Lichtenfels in naher Zukunft weitere Windkraftflächen ausgewiesen würden, reagierte Schmidt deutlich zurückhaltend: "Das ist grenzwertig", sagte er mit Blick auf Windstärken und Wirtschaftlichkeit. Bürgermeister Steuber hingegen unterstrich, er habe noch ein Auge auf ein "windiges" Areal bei Sachsenberg geworfen, das er gern prüfen lassen würde.

Zunächst muss das Regierungspräsidium Kassel allerdings die Genehmigung für den Bau des Windparks bei Goddelsheim erteilen. Bis zum Sommer rechnet Bieber mit einer Antwort. Fällt die im Sinne der Investoren positiv aus, soll mit dem Bau des Windparks auch sogleich begonnen werden. Gespräche mit Vertretern der Jägerschaft seien dann ebenfalls anvisiert, unterstrich Dersch, denn während der Bauphase werde es zur Störung des Wildes kommen. Ans Netz gehen soll der Windpark im Sommer 2013.

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