Tenor Björn Casapietra begeistert beim Benefizkonzert zugunsten des Fördervereins Kirchenmusik Korbach

Sehnsucht, Romantik und Ekstase

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Tenor Björn Casapietra im Duett mit seiner Pianistin, der „wunderbaren Musikerin und bezaubernden Sängerin“ Sybille Briner, in der Kilianskirche Korbach.

Korbach - Mal mystisch, mal romantisch, mal ruhig und sanft oder kraft- und temperamentvoll: Tenor Björn Casapietra begeistert sein Publikum Samstagabend in der Killianskirche.

Das Licht im Kirchenraum erlischt, die Kuppel über dem Altar dagegen erstrahlt, als Pianistin und Sängerin Sybille Briner ihre Bühne betritt und die ersten Klänge die Kilianskirche erfüllen. Es ist Ludovico Einaudis „Una Mattina“, mit dem sie das Konzert eröffnet. Danach erscheint Tenor Björn Casapietra, der mit einer Reihe mystischer keltischer Lieder die 220 Zuhörer mit auf seine musikalische Reise nimmt. Casapietra macht die Kirche für gut zwei Stunden zu seiner Bühne. Effektvoll ist die Kuppel beleuchtet, zu der immer wieder der Blick des Tenors gleitet, gemütliches Beisammensein verspricht schon der Weinstand im hinteren Bereich.

Der rote Faden: Sehnsucht

Es gibt ein dominierendes Thema bei diesem Konzert: die Sehnsucht. Da sind Lieder, die Sehnsucht nach Heimat, Freundschaft und Liebe wecken, Dramatik und eine Mischung aus sensiblen und ruhigen, aber auch kraftvollen, feurigen und temperamentvollen Klängen.

Gekonnt leitet Casapietra durch den Abend, erklärt seine Verbindung zu einzelnen Stücken mit sanfter Stimme, die manchmal einem Hauchen gleicht, um kurz darauf wieder emotional die Bühne einzunehmen. Er spielt mit dem Gefühl, inszeniert sich immer wieder selbst, singt gefühlvolle Duette mit Sybille Briner und ruft letztendlich zur „Ekstase“ auf.

Es ist ein Benefizkonzert der besonderen Art, das die Korbacher miterleben. Die Musiker spenden einen Teil des Erlöses an den Förderverein Kirchenmusik Korbach, der Mitveranstalter des Konzertes ist. „Ich wünsche mir sehr viel Musik in Kirchen. Und ich wünsche mir, dass sich mehr Geistliche meinem Wunsch anschließen und es uns Künstlern ein wenig leichter machen, in ihren Häusern zu spielen.“ Casapietra macht deutlich, dass er die Arbeit des Vereins von Herzen unterstützen möchte.

Kein Wunder also, dass auch geistliches Liedgut neben italienischer Volksmusik, Balladen und Arien Platz in seinem Repertoire findet. Aber auch weltliche Musik kommt nicht zu kurz. Der Tenor erzählt schelmisch, dass er, wenn er mit Priestern seine Auftritte abspreche, auch einige Lieder verschweige - wie etwa Barry Manilows „Mandy“, in dem nicht die Liebe zu einer wunderschönen Frau, sondern jene zu einem Schäferhund besungen werde.

Ein wenig unkonventionell kommt auch seine Aufforderung zur Pausengestaltung daher: „Ich würde mich freuen, wenn Sie die Pause dazu nutzen würden, Alkohol zu trinken, ich brauche gleich ihr Korbacher Temperament.“

Der zweite Teil beginnt zunächst noch ruhig, mit einem Stück aus dem Musical „Les Misérables“ wird es noch einmal dramatisch. Doch nach einem Piano-Solo kehrt Casapietra von seiner Krawatte befreit auf die Bühne zurück und fordert das Publikum zum Mitsingen, zur Ekstase auf. Zunächst noch Verhalten, doch beim italienischen Klassiker „O sole mio“ stimmgewaltig dabei, wird das Publikum zu Casapietras Chor. Stürmischer Applaus spiegelt die Begeisterung über diese ungewöhnliche Einlage wider. „Ihr seid der Hammer, das hätte ich nicht gedacht“, kommentiert Casapietra die besondere Stimmung.

Korbacher Heldentat

Das letzte Lied widmet er seinem Publikum. „Es ist eine Heldentat, dass Sie heute hier sind. Ohne Sie könnten wir nicht sein.“ Seine Hommage: „You raise me up“ von Secret Garden. Berührend und gefühlvoll beendet der Tenor den Konzertabend. Belohnt wird er mit lang anhaltenden Standing Ovations. Abschließend gibt Casapietra den Zuhörern noch Lothar Zanettis Weisheit aus „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen“ mit auf den Weg, bevor er zur Autogrammstunde am Südportal einlädt.

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