Feuerwehr, Bergwacht und THW trainiern am Willinger Ettelsberg

Am Seil aus der Seilbahn evakuiert

Willingen - Wenn der Strom wie im Januar 2010 in Willingen ausfällt und die Ettelsberg-Seilbahn stillsteht, ist schnelle Hilfe für die Fahrgäste gefragt. Feuerwehr, Bergwacht und THW trainierten die Evakuierung der Gondeln am Dienstag.

Ob Stromausfall, ein abgesprungenes Seil oder andere technische Defekte – wenn die Ettelsberg-Seilbahn stehen bleibt, versucht das Team um Betriebleiter Stefan Tenbusch zunächst alles, um die Kabinenbahn mit Hilfe des dieselbetriebenen Notantriebs zu räumen. Was beim Stromausfall 2010 gelang, klappt jedoch nicht immer. „In diesem Fall alarmieren wir die Leitstelle“, berichtet Geschäftsführer Jörg Wilke.

Je nach Fahrgastzahl sowie Tages- und Jahreszeit werden die Rettungskräfte der örtlichen Feuerwehren, der Bergwacht und des THW zur Talstation geschickt. Im Extremfall bekommen sie Unterstützung von der Polizeihubschrauberstaffel Hessen, die in der vergangenen Woche in Willingen trainierte.Bei der Übung am Dienstagabend rücken knapp 30 Einsatzkräfte der Willinger und Schwalefelder Feuerwehr, zwölf Bergretter – darunter einige Höhenretter –, sechs THW-Höhenretter sowie acht weitere Technische Helfer am Ettelsberg an. Wilke: „Unser Betriebsleiter hat sich im Vorfeld zusammen mit Wehrführer und Einsatzleiter Detlef Emde ein Übungsszenario überlegt.“ Ziel ist, mit Hilfe von Höhenrettern und Drehleiter rund 30 Freiwillige aus zehn, über den ganzen Hang verteilten Gondeln zu befreien. „Unter ihnen sind zwei Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Kassel, unserer Aufsichtsbehörde“, erklärt Wilke.

Bei Starkregen machen sich die Retter an die Arbeit: Da die Drehleiter nur von geraden, festen Wegen und aus bestimmten Winkeln heraus voll einsatzfähig ist, sind bei herbstlicher Witterung vor allem die Höhenretter gefragt. In verschiedenen Trupps besteigen sie zunächst mehrere Stützpfeiler, sichern sich dort mehrfach ab und gleiten dann mit ihrem Abseilgerät über das Tragseil talwärts zur ersten Gondel. Vom Kabinendach aus öffnen sie die Tür, steigen in die Gondel ein und seilen die Insassen mit einem Rettungsgurt ab.

Damit die Höhenretter die Fahrgäste auch in Dämmerung und Dunkelheit sicher hinunter bringen, leuchten die Kameraden von Feuerwehr und THW die Einsatzstellen aus. Das für den Nachtskilauf installierte Flutlicht bliebt ausgeschaltet, weil es bei einem Stromausfall nicht funktionieren würde. Regelmäßige Lautsprecherdurchsagen, die auch bei der Übung nicht fehlen, sollen laut Wilke eine Panik verhindern.

Alle Einsatzkräfte helfen ebenso wie die Mitarbeiter der Seilbahn, die Geretteten am Boden in Empfang zu nehmen. Dort notieren sie die Personalien und bringen die Fahrgäste zur Talstation. „Im Winter würden wir ein Auffanglager einrichten und Sanitäter wären vor Ort“, erläutert Wilke. Bei Minustemperaturen seien die Fahrgäste schnell unterkühlt, wenn sie in luftiger Höhe ausharren müssten.

Am Ende des Einsatzes sind alle zufrieden: Die Fahrgäste sind vergnügt am Boden zurück, und trotz hier und da aufgetretener kleiner Abstimmungsschwierigkeiten haben die Einsatzkräfte die Gewissheit, dass diese sie nicht an einer erfolgreichen Evakuierung hindern. (nv)

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