Pfarrerin Katharina Heyser hat Arbeit im Kirchspiel Flechtdorf, Wirmighausen und Benkhausen begonnen

„Da sein, wenn ich gebraucht werde“

Diemelsee-Flechtdorf - Die ersten Gottesdienste sind gehalten und viele Kontakte schon geknüpft: Seit drei Wochen ist Anna Katharina Heyser Pfarrerin des Kirchspiels Flechtdorf.

Die große Klosterkirche mit ihren beiden markanten romanischen Türmen prägt das Dorf. Einst suchten Mönche des Benediktiner-Ordens in den altehrwürdigen Mauern ihren Weg zu Gott. Seit der Reformation wird dort die Lehre Martin Luthers verkündet. Kichengeschichtlich ist es eine für ganz Waldeck besondere Stätte, in der Anna Katharina Heyser seit Anfang dieses Monats ihr Amt versieht. Doch die neue Pfarrerin sieht nicht nur die bedeutende Vergangenheit: Sie will viel mehr in der Gegenwart in ihrer Gemeinde wirken, und das höchst lebendig: „Ich will die Theologie an andere weitergeben“, betont sie. Und: „Ich will da sein, wenn ich gebraucht werde.“

Kirchentradition bestärkt

In dem romanisch und gotisch ausgestatteten Gebäude bewundert sie die kunsthistorische Schönheit. Aber eine Last oder eine besondere Herausforderung ist die stolze Tradition des Gotteshauses für sie nicht: „Es ist schon eine Ehre, in einer so alten Kirche predigen zu dürfen“, sagt die 31-Jährige: Seit Jahrhunderten würden dort Gottesdienste gefeiert, und am alten Taufstein seien Generationen von Kindern getauft worden - „das bestärkt einen in dem, was man tut.“

Auch sie steht in einer gewissen Tradition: Schon ihr Vater war Pfarrer. Anna Katharina Heyser wurde 1983 in Hofgeismar geboren. Sie wuchs zunächst in Immenhausen und Kirchbauna auf - dort wirke der Vater. Doch schon 1987 starb er. 1990 zog die Familie nach Kassel um. Dort legte sie ihr Abitur ab, danach begann sie ein Studium der Theologie an der Marburger Philipps-Universität - 1527 als erste protestantische Hochschule der Welt gegründet.

Die Entscheidung für dieses Fach „ist gewachsen“, berichtet sie: Ihr Vater und ihr Onkel seien Pfarrer gewesen, dadurch habe immer ein enger Kontakt zur Gemeinde bestanden. Und schon früh habe sie sich für theologische Fragen interessiert: für die Bibel und ihre historischen Hintergründe, sie beschäftigte sich „mit den großen Fragen, die aufkommen“: Fragen über „Gott und die Welt“, über den Tod und das Sterben.

Der Marburger Fachbereich genießt einen hervorragenden Ruf unter Theologen, aber auch die Altstadt und die Ende des 19. Jahrhunderts von den Preußen im neugotischen Stil erbauten Gebäude der Alten Universität hätten sie angesprochen, berichtet sie. Ein Semester verbrachte sie als Gaststudentin am Ökumenischen Institut des Franziskaner-Ordens in Venedig. Ein Studienschwerpunkt war die systematische Theologie.

Kurz hat sie erwogen, eine Doktorarbeit zu schreiben, aber sich letztlich doch dagegen entscheiden. In Kassel lernte sie Andreas Heyser kennen - den Niedersachsen aus der Gegend von Soltau hatte es in die Fulda-Metropole verschlagen. Der gelernte Komponist produziert als Selbstständiger „Apps“, das sind Dienstprogramme für Handys oder Tablet-Computer. Er hat sich darauf spezialisiert, Hörbücher für Kinder und Erwachsene mit Animationen auch bildlich umzusetzen.

2007 heirateten die beiden, 2009 und 2013 kamen die beiden Söhne zur Welt.

Das erste theologische Examen legte Anna Katharina Heyser 2011 in ihrer Geburtsstadt Hofgeismar ab. Gleich darauf folgte das Vikariat in Waldau bei Kassel. Nach der Geburt des zweiten Sohnes setzte sie kurz aus. In diesem Jahr legte sie das zweite Examen ab, am 26. Oktober war die Ordination mit Bischof Martin Hein in Maintal-Bischofsheim.

Erste Pfarrstelle Flechtdorf

Und schon zuvor bekam sie von Prälatin Marita Natt ihre erste Pfarrstelle zugewiesen: Flechtdorf. Über die Wahl freute sich die junge Pfarrerin: Das Kirchspiel stand auf ihrer Wunschliste ganz oben.

Sie hatte sich mit ihrer Familie vorab in den drei Dörfern umgeschaut. Sie stieß auf nette Leute. Die Flechtdorfer Kirche sei „wunderschön“, die in Wirmighausen und Benkhausen seien verschlossen gewesen, hätten aber „sehr freundlich gewirkt“, erzählt sie. Und dann das Pfarrhaus mit dem großen Garten - „das war für uns optimal“.

Am 24. Oktober begann der Umzug aus Harleshausen. Inzwischen sind die Kisten ausgepackt, aber es sind noch viele Kleinigkeiten zu erledigen. Die Pfarrerin freut sich, dass sie inmitten ihrer Gemeinde wohnen kann, das war in Wallau nicht der Fall. Strahlend berichtet sie von der Aufnahme im neuen Kirchspiel: Bei der Renovierung der Pfarrhauses habe der gesamte Kirchenvorstand mit angepackt, „es freuen sich alle, dass wir da sind, das ist sehr schön.“

Über die Kinder seien auch schnell Kontakte zu anderen Familien entstanden - der Älteste habe bereits Freunde in Flechtdorf gefunden, berichtet Heyser. Er geht demnächst in den Adofer Kindergarten. „Die Kinder fühlen sich wohl hier“, sagt die Pfarrerin. „Sie haben sich schnell eingelebt.“ Für Hobbies bleibt wegen der Kinder keine Zeit - sie freut sich aber auch, für die Familie dasein zu können.

„Mit Zuversicht rangehen“

In ihrer Gemeinde will sie den Mitgliedern auf Augenhöhe begegnen. Sie habe zwar ihre besondere theologische Ausbildung, „aber ich bin nicht was besseres als die anderen Gemeindeglieder“, betont sie. „Als Hauptamtliche bin ich dafür zuständig, dass das Leben in der Gemeinde am Laufen bleibt.“ Sie wolle „mit Zuversicht rangehen“ an ihre Aufgaben. Welche Schwerpunkte sie in ihrer Arbeit setzen will, weiß sie noch nicht: Erst muss sie das Gemeindeleben besser kennen lernen: „Ich muss sehen, was sich die Gemeindeglieder wünschen, sehen, was an kirchlichen Gruppen da ist. Dann muss ich gucken, was ich leisten kann.“

Das Kirchspiel mit den drei Dörfern umfasst eine drei-Viertel-Stelle, hinzu kommt die Seelsorge im Korbacher Stadtkrankenhaus. Regelmäßig bietet die Pfarrerin Andachten in Korbach an, aber auch im Flechtdorfer Seniorenstift, das gleich vor ihrer Haustüre liegt. Und die Klosterkirche steht gleich nebenan.

Von Dr. Karl Schilling

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