Finnischer Organist eröffnet die vierte Korbacher Orgelwoche

Selten gespielte Orgelwerke ins Licht gerückt

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Heikki Poutanen am Spieltisch der Nikolai-Orgel. Foto: Hennig

Korbach - Die Orgel als Soloinstrument war das Thema des Eröffnungskonzerts zur vierten Korbacher Orgelwoche in der Nikolaikirche.

Heikki Poutanen aus Helsinki, der auf Einladung von Kantor Bernd Wahl gastierte, führte die Zuhörer durch eine breite Klangpalette. Der Schwerpunkt des Programms sollte auf eher selten gespielten Orgelwerken liegen, deren Bedeutung der finnische Organist tatsächlich ins rechte Licht rückte. Derart überzeugend, dass Johann Sebastian Bachs „Schmücke dich, o liebe Seele“ in seiner sehr gedämpften und eher unauffällig dahingehuschten Interpretation als musikalisches Aschenputtel daherkam, das man gern für ein paar Ausschnitte mehr aus der großartigen „Messe des fêtes solennelles“ von Alexandre Pierre Francois Boëly außen vor gelassen hätte.

Doch auch die Messvertonungen von Bachs französischen Zeitgenossen Gaspard Corette und André Raison erstrahlten in den allerschönsten Klangfarben. Trompeten, Schalmeien, Krummhörner - das ganze Arsenal der Blasinstrumente erklang im Verlauf der „Messe du 8me ton, Kyrie“, bei der vor allem der festliche Auftakt „Grand plein jeu“ und der pastorale Mittelsatz „Cromhorne en Taille“ einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Nach der allzu bescheiden dahinplätschernden Bach-Interpretation wirkten die höfischen Fanfarenklänge als rechtzeitige Rettung vor dem Wegdämmern, insbesondere das dynamische „Duo“ und das festliche „Basse de Trompette“ erwiesen sich als echte Lichtblicke vor dem finalen „Grand jeu“ mit seinen gewaltig aufgetürmten Klangbergen.

Erfrischende Italianità in allerbester Opernmanier kennzeichnete die „Rentrée de procession“ von Alexandre Pierre Francois Boëlys „Messe des fêtes solennelles“, in deren Verlauf Feierlichkeit und Melodik eine ideale Verbindung eingingen. Denn auf den alles andere als sak­ralen Einmarsch folgten reizvolle Stimmungsbilder. Dabei bildete das Verset 2 des Kyrie mit einer sakralen Weise, die sich aus ein paar Durchgangsdissonanzen entwickelt, mit dem dramatischen Verset 3 ein reizvolles Gegensatzpaar bei der musikalischen Auslegung der Messeliturgie. Die von Heikki Poutanen gebotenen Auszüge vermittelten faszinierende Einblicke in ein Meisterwerk und bestätigten die große Wertschätzung, die der Komponist bei seinen Kollegen genoss.

Ilmari Krohns mit allerlei harmonischen Kühnheiten gewürzte Choralvertonung „Meine Seele, wach auf!“ eröffnete den zweiten Teil, der ganz der finnischen Moderne und Gegenwart gewidmet war. Die „Elegie“ von Jan Sibelius erwies sich als musikalischer Ruhepunkt zwischen zwei Extremen, allerdings ließ der Vortrag einen musikalischen Schlüsselreiz vermissen, der für irgendwelche nachhaltigen Eindrücke gesorgt hätte.

Joonas Kokonens Komposition „Lux Aeterna“ erwies sich als das ausführlichste und komplexeste Klanggebilde des Konzerts. Die zahlreichen Fermaten ließen dem Organisten reichlich Spielraum zu immer neuen Registrierungen, gleichbedeutend mit den unterschiedlichsten Schattierungen der Klanglandschaft. Dabei folgte auf eine helle Eröffnung mit Flötentönen eine düster-gedämpfte zweite Sektion in musikalischen Herbstfarben, während der Mittelteil von harmonischen Spannungen im dissonanten Zwielicht bestimmt war, ehe sich das Licht seinen Weg bahnte und barocker Jubel aufbrandete, der allerdings nur das Ende des nächsten Abschnitts markierte. Denn im vom schnarrenden Pedal geprägten fulminanten Schluss startete der finnische Organist noch einmal ein Feuerwerk von Dissonanzen, ehe sich endgültig die Harmonien durchsetzten, der Gipfel des Jubels vor der endgültigen Ruhe der abschließenden Akkorde.

„A Trumpet Tune“ des 1970 geborenen Marko Hakanpää erwies sich dagegen als munterer Kehraus in der Tradition von John Stanleys „Trumpet Voluntary“. Traurig war das geringe Publikumsinteresse, das die Teilnehmerzahl eines gewöhnlichen Orgelabends eher noch unterschritt.

Von Armin Hennig

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