Familie Vach nimmt für ein Jahr die Gastschülerin aus Frankreich auf

„Sie ist ein großer Gewinn für uns“

Goddelsheim - Eine neue Kultur in den eigenen vier Wänden entdecken: Familie Vach aus Goddelsheim hat für ein Jahr die 17-jährige Jeanne aus Frankreich bei sich aufgenommen. Gastfamilie sein – eine bereichernde Erfahrung.

Die 17-jährige Jeanne hat einen großen Schritt gewagt. Sie ist nicht nur von Frankreich nach Deutschland gezogen, sondern auch von der Großstadt aufs Land – von Paris nach Goddelsheim. Das ist eine doppelt interessante Erfahrung. „Hier ist es sehr ruhig, in Paris ist es ist immer laut. Und hier sagt man „Guten Tag“, wenn man jemanden auf der Straße trifft“, erklärt Jeanne lächelnd, was ihr zu Anfang besonders auffiel am Landleben, das sie noch nicht kannte. Doch grundsätzlich seien es eher die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen zwischen dem Leben in Deutschland und Frankreich, sagt die 17-jährige Jeanne. Dass sie den Weg nach Goddelsheim gefunden hat, ist unter anderem der gleichaltrigen Lea Vach zu verdanken. „Da ich die Schule nicht für ein Auslandsjahr unterbrechen wollte, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, einen Gast für ein Jahr zu uns einzuladen“, erklärt sie. Der Familienrat sprach sich dafür aus – Vater Martin, Mutter Claudia, Lea und ihre Brüder Lukas (12) und Jonathan (14), alle sagten Ja. „Wir konnten uns alle gut vorstellen, einen jungen Gast aus dem Ausland aufzunehmen“, sagen Claudia und Martin Vach. Lea recherchierte im Internet und stieß auf die internationale Organisation AFS (siehe Hintergrund). Die Familie füllte einen Bewerbungsbogen per Internet aus, dann besuchte im Mai 2014 eine Mitarbeiter des AFS die Familie in Goddelsheim und stellte drei Austauschschüler mit Bild und Anschreiben vor. Die Wahl fiel auf Jeanne, „sie schien einfach gut zu uns zu passen“, erklärt Claudia Vach. Mit ihrem Gefühl lagen Vachs richtig: Seit September lebt die junge Französin nun in Goddelsheim und besucht die Alte Landesschule (ALS) in Korbach. Sie hatte bei ASF Deutschland als erste Wahl angegeben, „weil ich Deutschland mag, es schon mehrmals besucht habe und mehr über das Land und die Sprache lernen möchte“, erklärt Jeanne. Sie lebte sich schnell ein in ihr neues Zuhause. „Die ersten zwei Monate waren noch etwas schwierig, weil ich kaum Leute kannte. Doch jetzt ist es schon viel besser“, sagt die Schülerin in gutem Deutsch. Das perfektioniert sie während ihres Aufenthalts – und ist mit ihren Sprachkenntnissen als französische Muttersprachlerin auch bei den Mitschülern gefragt. So sprach sie vor einer 7. Klasse im Französischunterricht der ALS und wird auch die Französischklasse von Jonathan Vach an der MPS Goddelsheim besuchen. Viele Kurse an der ALS besucht sie zusammen mit Lea Vach, für die es „cool ist, noch eine Freundin und Schwester zu haben“, betont sie. Dass Familie Vach durch und durch musikalisch ist – Claudia Vach leitet mehrere Chöre, ihr Mann spielt Klavier, Lea unter anderem Cello, außerdem singt sie in Chören –, beflügelt inzwischen auch Jeanne, die Gitarre spielt. Zum ersten Mal in ihrem Leben singt sie in Chören mit, unter anderem im Kammerchor der ALS, „und das macht mir großen Spaß“, sagt sie. Durch das musikalische Engagement der Familie in Lichtenfels erlebt Jeanne auch die Adventszeit viel intensiver. „Die Vorweihnachtszeit ist in Deutschland viel schöner als in Frankreich, es gibt hier ein besonderes Gefühl“, sagt sie. Zum ersten Mal wird sie das Weihnachtsfest in Deutschland feiern – mit Gottesdienst, Gesang, Familienbesuchen, Geschenken und gutem Essen.Auch Familie Vach lernt durch Jeanne. „Anfangs waren wir etwas unsicher, aber wir haben uns ganz auf die neue Situation eingelassen und schnell war es so, als wäre Jeanne schon immer bei uns gewesen“, erklärt Martin Vach und sagt weiter: „Wir lernen viel von ihr; sie hat schon einige Male unsere Vorstellungen über das Leben in Frankreich relativiert und wir sehen den Austausch mit ihr überhaupt als große Bereicherung und als Gewinn für uns.“ Von Marianne Dämmer

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