Schüler lernen Orientierung im Berufe-Dschungel

+
Berufe praktisch kennenlernen: In der Holzwerkstatt der Beruflichen Schulen in Korbach präsentierten Schüler der achten Klassen den Siebtklässlern aus Volkmarsen und Sachsenhausen, was sie in der Orientierungs- und Vertiefungsphase alles gelernt haben.

Korbach. Visagistin würde ein Mädchen gern werden, Polizist ein Junge. Doch die meisten der Siebtklässler aus der Volkmarser Kugelsburgschule und der Sachsenhäuser Mittelpunktschule hatten noch kaum Vorstellungen von ihrer beruflichen Karriere, als sie am Donnerstag die Beruflichen Schulen in Korbach besuchten.

Das soll sich in den nächsten zweieinhalb Jahren ändern: Dank des Verbundprojekts „Pro Berufsorientierung“ sollen sie sich zurechtfinden im „Dschungel“ aus mehr als 200 Berufen, in denen heimische Betriebe junge Leute ausbilden. Die Schüler sollen herausfinden, welche Fähigkeiten sie haben und welcher Beruf zu ihnen passt.

„Der Job soll euch Spaß machen und euch ernähren“, erklärte ihnen der stellvertretende Schulleiter Studiendirektor Dirk Schmid am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts. Er informierte sie klassenweise über den Ablauf des Projekts, das in fünf „Module“ aufgeteilt ist – jedes dauert ein Schulhalbjahr. Noch in diesem Halbjahr steht die „Sensibilsierungsphase“ an. Die Schüler ermitteln in einem „Kompetenzfeststellungsverfahren“ ihre Stärken und Schwächen und behandeln die Themen Arbeit und Ausbildung. 

In der achten Klasse läuft im ersten Halbjahr die Orientierungsphase. Jeden Donnerstag von 14 bis 16.15 Uhr besuchen die Teilnehmer die Berufsschule, um in den Werkstätten Erfahrungen in drei verschiedenen Berufsfeldern ihrer Wahl zu sammeln. Im zweiten Halbjahr folgt in drei Stunden die Woche in einem der Berufsfelder die Vertiefungsphase in Korbach. In Klasse 9 sind im ersten Halbjahr die Berufswahlentscheidung und das Bewerbungstraining vorgesehen. Im zweiten Halbjahr der 9 gilt es, mit einer sozialpädagogischen Begleitung den Ausbildungsbetrieb auszuwählen, Bewerbungen zu schreiben oder sich aufs Vorstellungsgespräch vorzubereiten. 

Für die Realschüler verschieben sich die letzten beiden Module in die zehnte Klasse. Im Idealfall haben die Teilnehmer danach neben ihrem Abschlusszeugnis auch einen Ausbildungsvertrag in einem passenden Beruf und Betrieb in der Tasche. 

Schmid stellte den Schülern die elf Berufsfelder von Metall- und Elektrotechnik über Holz, Farben, Gesundheit, Wirtschaft und Verwaltung, Gesundheit oder Gastronomie bis hin zu den drei neuen Körperpflege, Sozialwesen und Bautechnik vor. „Guckt euch die Berufe an, nutzt die Chance“, sagte Schmid. „Probe“ biete den Schülern die Möglichkeit, ihre Vorstellung von Berufen mit der Wirklichkeit abzugleichen. Weitere Vorteile seien: „Ihr wisst was ihr wollt.“ „Ihr erkennt, warum ihr lernt“ – es motiviere, wenn sie etwa wüssten, wofür bestimmte Berechnungen gut sind. „Ausbildungsabbrüche werden unwahrscheinlicher“, weil die Schüler wissen, was inhaltlich auf sie zukommt. Sie lernen die Berufsschule kennen, die sie auch in der dualen Ausbildung besuchen. 

Im Anschluss präsentierten ihnen Schüler der achten Klassen in den Werkstätten, was sie in ihrer Orientierungsphase an praktischen Erfahrungen gewonnen haben. Die Siebtklässler gehören zum sechsten Durchgang des Projekts, das 2013 bundesweit ausgezeichnet worden ist. Die Teilnehmer aus Bad Arolsen sind gerade auf Klassenfahrt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare