Tierheime dürfen nicht mehr besucht werden

Haltung von Haustieren in der Krisenzeit: Hund und Co. bleiben versorgt

Haustiere und die Corona-Krise
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Zeit und Zuneigung sind für Haustiere wichtig. Auch in einer Zeit der Krise müssen Besitzer deren Bedürfnissen gerecht werden.

Fachmärkte für Tierbedarf bleiben geöffnet, Gassi gehen bleibt erlaubt. Wie sieht es mit der weiteren Versorgung von Haustieren während der Corona-Krise aus?

Was macht das Coronavirus mit den Haustieren? Bisher gibt es laut Tierärzten keine fundierten Erkenntnisse, die belegen würden, dass Hund, Katze und Co. eine Rolle bei der Übertragung dieser Krankheit spielen würden. Doch indirekt sind Tierhalter und Haustiere betroffen.

Sprechstunden beim Tierarzt finden nur noch eingeschränkt statt, Tierheime dürfen nicht mehr besucht werden, und Tierpensionen haben jetzt extreme Auftragsausfälle.

Tierärzte versorgen Notfälle

Die tierärztliche Versorgung muss bestehen bleiben, aber unter verschärften Bedingungen, erklärt die Korbacher Tierärztin Birgit Janitza. Die Landestierärztekammer Hessen hat die Praxen dazu aufgerufen, weiterhin für ihr Klientel da zu sein. Die Notversorgung müsse gewährleistet werden. „Wir behandeln nur noch akute Fälle“, sagt Birgit Janitza.

Ihre Praxis habe einen „Corona-Fahrplan“ erstellt, damit die Infektionsgefahr bei Mitarbeitern und Tierhaltern gering gehalten werde. Seitdem dürfe nur jeweils ein Tierbesitzer in den Warteraum sowie mit in den Behandlungsraum, wo auch die Distanzregeln gelten. Das Tier dürfe dann nur von Arzthelfern gehalten werden.

Bei der Volkmarser Tierärztin Monika Reinhold werden die Tiere den Besitzern am Eingang abgenommen. „Wir unterhalten uns dann über offene Fenster“, sagt sie.

„Wir geben auch Medikamente ab“, erklärt Birgit Janitza. Auch dabei müsse Abstand zwischen den Menschen gehalten werden. Zuerst hätten einige Tierhalter sogar Medikamente gehamstert. „Das haben wir dann versucht auszubremsen.“ Ein Mangel werde hier nicht erwartet, auch wenn zurzeit die Lieferungen an die Praxen länger dauern. Da die Menschen angehalten sind, zuhause zu bleiben, würden nun mehr Klienten Medikamente per Versand erhalten.

Tierarztpraxen, die noch mit Schutzkleidung ausgestattet sind, haben Glück. Der Markt für Desinfektionsmittel und Mundschutz sei zurzeit leer. Die Humanmedizin hat Priorität, heißt es bei der Landestierärztekammer.

Tierheime brauchen weiterhin Futterspenden

Der Deutsche Tierschutzbund sorgt sich um die Situation der Tierheime. Denn diese sind nun bis auf Weiteres für Besucher geschlossen. „Wir müssen uns best möglichst schützen, um die Versorgung unserer Tiere nicht zu gefährden“, so begründet das Korbacher Tierheim diese Vorsichtsmaßnahmen.

Dadurch ließen sich aber Tiere nun schwieriger vermitteln. Das bestätigt Helena Wiegard von der „Arche Kanaum“ in Bad Arolsen. Seit rund drei Wochen gebe es weniger Nachfragen von Interessenten, berichtet sie. Auch die Mengen an Futterspenden seien daher rückläufig.

Einige Medien haben von verstärktem Interesse an Haustieren seit der Corona-Krise berichtet, andere hingegen von der Gefahr, dass Halter jetzt vermehrt Tiere aussetzen könnten. Beides seihier bislang nicht zu spüren, sagt Helena Wiegard. Kritisch werde es wohl bald, ab Mitte April, wenn die Frühjahrskitten geboren werden. Dann rechnen die Tierschützer wieder mit einem „Babyansturm“ von Kitten vor allem von Streunerkatzen.

Bei Fundtieren kann man sich weiterhin an die Heime oder die zuständigen Polizeidienststellen wenden. Darauf weist das Team des Wildunger Tierheims hin.

Tierpensionen fallen die Aufträge weg

Für die Betreiber von Tierpensionen brechen die Aufträge jetzt größtenteils komplett weg. Denn wer sonst Ausflüge und Urlaube unternommen und sein Tier in dieser Zeit hat betreuen lassen, bleibt nun in der Regel zuhause und benötigt die Pension nicht.

Das betrifft zum Beispiel die Hunde- und Katzenpension „Vier-Pfotenland“ in Bad Arolsen. Sämtliche Tierhalter hätten für die nächsten Wochen abgesagt, berichtet die Betreiberin Katrice Kaiser. Zeitweise betreut sie bis zu 25 Hunde und Katzen.

Auch der dazugehörige Hundesalon muss nun geschlossen sein. Katrice Kaiser versucht es mit einer alternativen Einnahmequelle. Sie bietet jetzt einen Gassi- und Futter-Service an. Da sie auch laufende Kosten zu tragen hat, sei sie auf staatliche Hilfen angewiesen.

Ähnliches berichtet Susanne Jäkel-Lay, die ihre „Villa Pudelwohl“ in Diemelstadt-Wrexen kürzlich geschlossen hat. Der Grund dafür sei aber ein Nachbarschaftsstreit gewesen, den sie für nicht gerechtfertigt ansieht. Nun suche sie eine neue Immobilie, um ihre Hundepension nach der Coronakrise möglichst bald wieder betreiben zu können.

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