Bauamt und Geschwister-Illian-Stiftung streiten um einen Treppenlift

Sitzaufzug ins Obergeschoss

Das Gebäude Bahnhofstraße 3a gehört zur Geschwister-Illian-Stiftung. Über das Treppenhaus sind Wohnungen zu erreichen, aber auch ein Friseurgeschäft. Zwischen Bauamt und Stiftungskuratorium gibt es Zwist: Darf nachträglich ein Treppenlift (Bild links) eingebaut werden oder nicht?Fotos: Kleine/pr

Korbach - Ein scheinbar unspektakulärer Treppenlift im Gebäude der Geschwister-Illian-Stiftung bringt derzeit im Rathaus einige Debatten hinter den Kulissen. Bauamtsleiter und Stiftungskuratorium ringen um die Installation des Sitzaufzugs.

Bauordnungsrecht, Bauaufsicht, Brandschutz, DIN-Norm sind die Kategorien in der Auseinandersetzung. Als Mitglied des Kuratoriums der Geschwister-Illian-Stiftung wirft der Korbacher Architekt Herbert Kuhaupt dem städtischen Bauamtsleiter Stefan Bublak inzwischen „mehrfache Kompetenzüberschreitungen“ vor.

Dabei geht es im Grunde einzig um einen Treppenlift für eine ältere Korbacherin, die aus gesundheitlichen Gründen nur mit großen Schwierigkeiten ihre Wohnung im ersten Stockwerk erreichen kann.

Margarete Illian hatte einen Teil ihres Immobilienvermögens im Sommer 2006 in die Geschwister-Illian-Stiftung eingebracht. Die Obhut über die Stiftung übt die Stadt Korbach aus.

Die Erlöse aus der Stiftung dienen zur Hälfte dem Erhalt der Nikolaikirche, zur anderen Hälfte der Denkmal-, Heimatpflege, Stadtgeschichte und Kulturförderung in der Hansestadt.

Aufstiegshilfe ins dritte Stockwerk

Die Entscheidungen bei der Stiftung trifft ein Kuratorium aus fünf Personen. Vorsitzender ist kraft Amtes der Korbacher Bürgermeister, weitere Mitglieder sind etwa Pfarrer Günter Engemann und der erfahrene Architekt Herbert Kuhaupt.

Voriges Jahr beschloss das Kuratorium, dass im Gebäude Bahnhofstraße 3, ein Wohn- und Geschäftshaus zwischen Fußgängerzone und Parkhaus, ein Treppenlift für rund 17000 Euro eingebaut werden soll, um der Stifterin Margarete Illian den Weg zu ihrer Wohnung zu erleichtern. Zumal sich die Stifterin mit einem nennenswerten Betrag auch selbst daran beteiligen will.

Im November 2014 ließ der Bauamtsleiter dem Kuratorium aber mitteilen, dass das Vorhaben „aus bau- und brandschutzrechtlicher Sicht“ nicht möglich sei: Die Treppe im Hausflur müsse durchgehend mindestens einen Meter breit sein, durch die Laufschiene des Sitzaufzugs würden jedoch rund 15 Zentimeter verlorengehen.

Kuhaupt wandte sich als Mitglied des Kuratoriums derweil ans Kreisbauamt, denn über die Bauaufsicht regiert die Behörde im Landratsamt – nicht das Bauamt im Rathaus. „Uns wurde die Frage gestellt, ob für den Einbau eines Treppenlifts eine Baugenehmigung erforderlich ist“, bestätigt Susanne Paulus (Kreisbauamt) gegenüber der WLZ.

Fazit: Nach der Hessischen Bauordnung braucht es keine Baugenehmigung für einen nachträglichen Treppenlift. Das gilt vor allem für Häuser der Gebäudeklassen I und II – also beispielsweise herkömmliche Eigenheime. Für größere Häuser ab Gebäudeklasse III müssen aber besondere technische Baubestimmungen eingehalten werden.

Nur Wohnung oder auch gewerbliche Nutzung?

Somit ist in der Bahnhofstraße 3 eine DIN-Norm (18065) zu beachten. Die wiederum erlaubt, dass die Mindestlaufbreite einer Treppe von einem Meter um bis zu 20 Zentimeter durch einen Treppenlift eingeschränkt werden darf. Demnach wäre das Ansinnen im Haus der Illian-Stiftung kein Problem.

Bauamtsleiter Stefan Bublak sieht sich derweil missverstanden: „Ich habe doch nichts gegen den Einbau eines Treppenlifts.“ Allerdings gebe es eben doch bautechnische Hürden für das Vorhaben an der Bahnhofstraße. In der betreffenden DIN-Norm steht nämlich ausdrücklich eine Einschränkung: „Die Treppe erschließt nur Wohnungen und/oder vergleichbare Nutzungen.“

Genau diese Bedingung sieht Stefan Bublak nicht erfüllt, weil im Gebäude an der Bahnhofstraße ein Friseurgeschäft ist – also gewerbliche Nutzung. „Das ist die Sachlage“, argumentiert Bublak. Somit sind die Anforderungen fürs Treppenhaus als Rettungsweg aus seiner Sicht strenger zu beurteilen.

Ziel bei der Stadt ist offenbar nunmehr ein Kompromiss: Die Pläne für den Treppenlift werden fortgesetzt, doch irgendjemand müsse die Verantwortung für den Einbau tragen. So wird sich alsbald wohl auch der Magistrat der Hansestadt mit dem Treppenlift befassen.

Als Mitglied des Kuratoriums wurmt Herbert Kuhaupt derweil auch die Kommunikation. Wenn technische Bedenken bestünden, hätte der Bauamtsleiter dies zunächst im Kuratorium vortragen müssen – statt allen Mitgliedern ohne Rücksprache eine schriftliche Absage zu schicken.

Von Jörg Kleine

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