Willingen / Diemelsee: Naturpark plant neue Ausstellung

Skispringer fliegen auf Tierpräparate

Willingen / Diemelsee - Tierpräparate und Mineralien gesucht: Für eine neue Ausstellung am Diemelsee braucht der Naturpark Exponate. Der ehemalige Geschäftsführer Horst König präsentierte diese einst im Willinger „Haus der Natur“. Mit der WLZ begibt er sich auf die Suche nach diesen Schätzen.

Umweltbildung ist ein Auftrag, der in der Satzung des Naturparks Diemelsee verankert ist. Um diesem gerecht zu werden, sollen künftig zum Beispiel Touren mit Natur- und Landschaftsführern angeboten werden (wir berichteten). Weiterer wichtiger Baustein ist eine Naturparkakademie in Heringhausen.

Die Ausstellung im „Haus des Gastes“ soll die Erfolgsgeschichte des Willinger „Haus der Natur“, das 2005 geschlossen wurde, fortschreiben. Die Diemelseer Gemeindevertreter müssen zwar noch entscheiden, wie sie das Gebäude samt Tourist-Information modernisieren wollen, aber dass sie zusammen mit dem Naturpark ein interessantes Indoor-Angebot schaffen wollen, ist gemachte Sache. Im Dezember stellt Leader-Regionalmanager Bernd Wecker (Dalwigksthal) den Abgeordneten erste Ideen für eine sich selbst erklärende Ausstellung mit vielen spielerischen Elementen vor und erklärt: „Wir könnten unter anderem einige Exponate aus dem Willinger ,Haus der Natur‘ verwenden.“

Als Horst König, früherer Geschäftsführer des Naturparks, von Weckers Plänen für Heringhausen erfährt, wird er hellhörig. Beim Abriss des Gebäudes war König bereits pensioniert, stellte jedoch umgehend Nachforschungen nach dem Verbleib der Exponate an. Das „Haus der Natur“ war schließlich 1988 unter seiner Regie entstanden und 1989 von Bundesumweltminister Klaus Töpfer für „vorbildliche Informations- und Öffentlichkeitsarbeit in Naturparken“ ausgezeichnet worden. „Die Ausstellung hat damals rund 200 000 Mark gekostet“, verdeutlicht König den Wert der Exponate. Für ihn haben sie allerdings vor allem ideellen Wert: „Ich habe sehr viel Engagement in die Ausstellung gesteckt.“

Darüber hinaus stellte der Korbacher wie andere Naturfreunde Ausstellungsstücke, zum Beispiel Mineralien, als Leihgabe bereit. Aus den genannten Gründen habe er bereits mehrfach versucht, die Exponate aufzuspüren, berichtet König. Von Reinhold Sude, Naturpark-Geschäftsführer von 2000 bis 2007, erfährt er, dass der kommunale Bauhof die Ausstellungsstücke im „Haus des Gastes“ in Schwalefeld eingelagert habe. Ob Tierpräparate, Mineralien, großformatige Fotos und andere Materialien dort noch lagern, bezweifelt er allerdings: „Als Helmut Kesper Naturpark-Geschäftsführer war, habe ich bei ihm nachgefragt, weil er Schwalefelder ist“, erklärt König. Kesper habe jedoch nichts entdeckt.

Ende 2011 übernimmt der Willinger Ordnungsamtsleiter und Wirtschaftsförderer Dieter Pollack das Amt von Kesper. König fragt erneut an. Pollack forscht nach. „Ich habe dann wieder die Auskunft bekommen, dass der Großteil der Exponate in Schwalefeld lagert.“ Mit der Hoffnung, sich nicht weiter im Kreis zu drehen, bittet König die Heimatzeitung um Unterstützung. Ab ins Schwimmbad Die Schatzsuche beginnt mit einem Anruf bei Bernd Wecker, der die Ausstellungsstücke wieder ins Gespräch gebracht hatte: „Meines Wissens hat der Bauhof die Exponate nach dem Abriss des ,Hauses der Natur‘ im ,Haus des Gastes‘ in Schwalefeld eingelagert“, schließt er sich Sude und Pollack an.

Die Gemeinde Willingen habe damals geplant, dort eine neue Ausstellung einzurichten, erinnert sich der Fachmann. Gesehen habe er die Exponate seitdem aber nicht mehr. Auf WLZ-Nachfrage bestätigen auch Bauamtsmitarbeiter Christoph Bangert und Bauhof-Chef Jürgen Querl diese Version. „Die Sachen lagerten zunächst in der Wohnung“, berichtet Querl. Als dort eine Massagepraxis einzieht, räumen die Bauhofmitarbeiter die „noch verwendbaren“ Materialien ins ehemalige Schwimmbad. „Außerdem hat die Diemeltalschule in Usseln einen Teil der Tierpräparate bekommen.“

Die Recherche der Heimatzeitung ergibt, dass die jungen Füchse und das niedliche Rehkitz, die einst im „Haus der Natur“ die Blicke auf sich zogen, zwischen dem Abriss 2005 und 2008 noch einmal aufgetaucht sind: Im Rahmen der 675-JahrFeier in Schwalefeld erstellen die heimischen Jäger zumindest mit einem Teil der von König gesuchten Tierpräparate ein Diorama. Nach der Feier tauchen die Exponate ab: „Im alten Schwimmbad ist ein Holzverschlag entstanden“, berichtet Querl. „Er ist von der Skisprung-Trainingsanlage des Ski-Clubs Willingen überbaut“, erklärt Schwalefelds Ortsvorsteher Wilfried Schnautz. Zu guter Letzt nimmt die Recherche dann aber doch noch eine überraschende Wendung: Iris Niemeier, Lehrerin an der Diemeltalschule, kann mit Sicherheit bestätigen, dass ein Großteil der Präparate aus dem „Haus der Natur“ doch nicht baden gegangen ist.

Haus der Natur

„Natur zum Ansehen, Anfassen und Erleben“ titelt die WLZ am 21. Mai 1988 zur Eröffnung des „Hauses der Natur“ in Willingen. In den Kämpen, dort, wo einst die Uplandschüler unterrichtet wurden, präsentiert das Team um Naturpark-Geschäftsführer Horst König auf rund 400 Quadratmetern allerlei Wissenswertes über Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Umwelt. In sieben Räumen gibt es Informationen zu Gewässern, Wald, freier Landschaft und Geologie sowie Videofilme und wechselnde Ausstellungen.

Im Obergeschoss zeigen Dioramen die heimischen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. Die Präparate stammen teilweise aus dem Waldmuseum, das in der alten Kirche untergebracht war. Die Gemeinde verkauft das Gebäude nach Angaben des Bauamts 2005 an das Willinger Brauhaus, damit zusätzliche Parkplätze entstehen können. „Als ich über die Pläne informiert wurde, habe ich darauf hingewiesen, dass wir die Exponate sichern müssen, weil sie aus verschiedenen Töpfen finanziert wurden“, erinnert sich der Korbacher Reinhold Sude, von 2000 bis 2007 Geschäftsführer des Naturparks. Da Sude beim Abriss des Gebäudes erkrankt ist, räumen die Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs das „Haus der Natur“ aus.

Stichwort

„Als das Haus der Natur aufgelöst wurde, fragte ich beim Bürgermeister, ob wir Exponate für die Schule bekommen können, habe aber nichts mehr davon gehört“, erinnert sich Iris Niemeier. Einige Jahre später habe dann ein Ski-Club-Vertreter Kontakt mit Schulleiter Dirk Fischer aufgenommen. „Alle waren sich einig, dass es ein Frevel wäre, die Exponate im Schwimmbad zu verbuddeln.“ So zog ein Großteil der Tiere und ein Teil der Vitrinen nach Usseln um. Ob Füchse, Vögel oder Rehkitz – „alles ist alt, aber tut uns gute Dienste, sodass wir sehr traurig wären, wenn wir die Präparate abgeben müssten.“(nv)

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