Aufruf, das Altarbild in der Nikolaikirche zu retten

„Sommerzeit, höchste Zeit“

Korbach - Am Altarbild in der Nikolaikirche nagt nicht nur der Zahn der Zeit, auch die warme Heizungsluft setzt dem Werk stark zu. Deshalb muss schnell etwas geschehen, um es zu retten.

Die Heizung im Chor der Nikolaikirche muss dringend umgerüstet werden, um das vom Verfall bedrohte kostbare Altarbild des Franziskanermalers zu retten. Schon vor 78 Jahren hat der auch durch sein 1955 erschienenes Korbach-Buch bekannte Stadthistoriker Dr. Wolfgang Medding in großer Sorge um das spätmittelalterliche Kunstwerk einen Brief an den damaligen Bezirkskonservator, Dr. Friedrich Bleibaum, geschrieben. Darin heißt es unter anderem: „Die Zerstörung der Farbschicht des Dreikönigsaltars in der Nikolaikirche zu Korbach hat innerhalb weniger Monate solche Fortschritte gemacht, daß der Altar – wenn nicht sofortige Schritte zu seiner Erhaltung getan werden – in spätestens 1–2 Jahren vollständig zerstört ist. Die Farbschicht blättert unaufhaltsam ab. Die hinter dem Altar angebrachten drei Riesen-Heizkörper müssen unbedingt im Laufe des Sommers entfernt werden […].“ Heute ist es noch ein Heizkörper, aber der befindet sich nach wie vor in nur zwei Metern Abstand unter dem linken Seitenflügel. Die Folgen auf der Rückseite mit der Mariendarstellung und dem kleinen Selbstportrait des knienden Malermönchs sind gravierend. Im Rahmen der umfangreichen Restaurierungen in der Nikolaikirche ist auch eine moderne, neue Heizung geplant, wohl einer der größten Brocken bei der Finanzierung. Aber das wird noch etwa drei Jahre dauern. So lange darf der schon geschundene Franziskanermaler nicht noch weiter gequält und zerstört werden. Derzeit ist Sommerzeit, der Heizungsbetrieb ruht. Jetzt muss endlich der schadenstiftende Heizkörper abgekoppelt und stillgelegt werden. Wir können nicht Spenden für die Restaurierung sammeln und die längst erkannten, schädigenden Einflüsse des so ungünstig platzierten Heizkörpers fortwirken lassen. An der bereits stark beschädigten Selbstdarstellung des Malermönchs auf dem Altarbild lässt sich gerade noch erkennen, dass er an seinem Zingulum, seinem Gürtelstrick, einen großen Schlüssel trägt. Auch bei seinen beiden anderen Selbstportraits in der Kilianskirche und auf dem Tafelbild in der Kirche „Sankt Pantaleon“ in Köln hat er sich mit diesem Schlüssel dargestellt. Und auch auf den Flügelbildern des Triptychons in Nieder-Waroldern tragen alle dort abgebildeten Franziskanerbrüder einschließlich des Ordensgründers Franziskus diesen Schlüssel. Petrus wird stets mit seinem wichtigsten Attribut dargestellt, einem großen Schlüssel, dem Schlüssel zum Himmelreich. Aber welche Bedeutung hat der Schlüssel bei den Korbacher Franziskanern? Es gibt bis jetzt keine plausible Erklärung für diese Darstellung, obwohl sich gerade in jüngster Zeit einige namhafte Kleriker und Historiker mit dieser Frage beschäftigt haben. Und vielleicht steht das gerade noch lesbare, sechszeilige Bibelzitat aus dem ersten Buch Mose, Kapitel 12, Verse 11 bis 13, über der Figur des Malers auch im Zusammenhang mit der „Schlüsselfrage“ und ist nicht nur irgendeine Allegorie. Der leider etwas zu wenig beachtete Korbacher Franziskanermaler ist vor einiger Zeit wieder mehr in den Fokus gerückt durch eine neue Zuschreibung seines Werkes „Christus in der Vorhölle“ im Westfälischen Landesmuseum und durch ein neu aufgetauchtes Flügelbild, was ihm eindeutig zugeordnet werden kann.Darf da der weiteren Zerstörung seines Altarbildes in der Nikolaikirche tatenlos zugesehen werden? Von Dr. Peter Witzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare