Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) soll wachsen, aber Kreis und Gemeinden müssen Geld nachlegen

Spannende Deals im Energiegeschäft

Korbach - Nach knisternder Spannung reichen sich zwei Versorgungsunternehmen die Hände: EAM erwirbt Anteile an Energie Waldeck-Frankenberg (EWF). Landkreis und Gemeinden sollen dabei 13,6 Millionen Euro zuschießen, um weiterhin die Mehrheit an EWF zu sichern.

Strom und Gas sind ein gutes Geschäft – zumindest für die meisten Energieversorger. Nach wahren Privatisierungsorgien in den 1990er-Jahren haben viele Kreise, Städte und Gemeinden in Deutschland ihr kommunales Engagement im Energiesektor in den vergangenen Jahren wieder deutlich erhöht. Der Mega-Deal in Nordhessen lief Ende 2013, als zwölf nordhessische Landkreise und die Stadt Göttingen für über 600 Millionen Euro den Energieversorger „Eon Mitte“ kauften. Wie früher weht über der Zentrale in Kassel wieder die kommunale Flagge – unter dem ebenso hergebrachten Namen EAM. Auch wenn das alte Kürzel nicht mehr für die 1929 gegründete „Energie-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland steht“, sondern neuerdings für „Energie aus der Mitte“. Rund ein Drittel der EAM-Anteile verkaufte das Unternehmen im zweiten Schritt an über 100 Städte und Gemeinden in der Region. Als einzige Gemeinde in Waldeck-Frankenberg beteiligte sich Allendorf (Eder) mit geringer Summe. Außerdem hält der Landkreis Waldeck-Frankenberg 0,7 Prozent als Kleinaktionär. Dem Sektempfang der Landräte nach dem Mega-Deal folgte indes schnell Katerstimmung: EAM stritt sich mit EWF um Kunden, Versorgungsnetze und Durchleitungsrechte (Konzessionen). Im Wettbewerb hatte EWF nämlich etwa in Hatzfeld, Bromskirchen, Battenberg, Frankenau, der südlichen Hälfte Vöhls, östlichen Teilen Volkmarsens und Breuna die Konzessionen erworben. Diese Gebiete betrachtete EAM in der Nachfolge von „Eon Mitte“ aber als ihre Reviere – und wollte die Netze für Strom und Gas nicht herausrücken. Zudem hält EAM noch Anteile an der Energiegesellschaft Frankenberg (EGF) – gemeinsam mit den Frankenberger Stadtwerken. Ende 2014 kehrte aber plötzlich wieder Frieden ein. EWF und EAM handelten einen Kompromiss aus (wir berichteten). Demnach wird EAM zum 1. Januar 2016 die strittigen Netze herausgeben, im Gegenzug einen Anteil an EWF bekommen. Im Hintergrund liefen in den vergangenen Monaten die Verhandlungen – inklusive Wertgutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus Hamburg. Ergebnis: EAM soll für das Gesamtpaket 13,2 Prozent der EWF-Anteile erhalten. Den Rest der von EAM gewünschten 15 Prozent bringt das Unternehmen gegen Bares ein. Die technischen Fragen seien geklärt, auch der Übergang von rund einem Dutzend EAM-Mitarbeiter für die Versorgungsnetze an EWF seien kein Problem, erklärt Landrat Dr. Reinhard Kubat auf WLZ-FZ-Nachfrage. Kubat ist Aufsichtsratsvorsitzender von EWF. Doch das Geschäft ist viel verzwickter: Durch das von EAM eingebrachte Kapital werden die Anteile der Waldeck-Frankenberger Kommunen verwässert. Sie sind als Zweckverband beteiligt und haben derzeit eine Mehrheit an EWF von rund 54 Prozent. Den Rest hält das Münchener Versorgungsunternehmen Thüga. Durch EAM rutscht der Anteil des Zweckverbandes auf rund 47 ab. Damit hätten Kreis und Gemeinden nicht mehr das Sagen. Um die Mehrheit an EWF zu wahren, soll der Zweckverband für 13,6 Millionen Euro Anteile der Thüga abkaufen. Das würde eine Mehrheit von rund 52 Prozent sichern. Kubat bestätigt diese Marschroute. „Der Wert von EWF steigt, und wir bekommen eine Grenzbefriedung“ mit EAM. Überdies rücke ein wichtiges energiepolitisches Ziel näher, betont der Landrat: „Ein Landkreis, ein Energieversorger.“ Dabei steht seit Monaten auch eine Fusion von EWF mit der Frankenberger EGF zur Debatte. Doch auch diese Hochzeit liefe nicht ohne Komplikation: EWF und EGF würden gemeinsam eine Grenze von 100 000 Stromzählern überschreiten. Als Folge müsste EWF in getrennte Gesellschaften für Netz und Vertrieb aufgespalten werden.Dringender als die Fusionsfrage ist deshalb, wie Kreis und Gemeinden die 13,6 Millionen Euro begleichen, um weiter die Mehrheit an EWF zu erhalten. Aus der Portokasse geht das kaum. Eher durch einen gemeinsamen Kredit. Zins und Tilgung könnten dann aus den jährlichen Erträgen finanziert werden, die EWF an die beteiligten Städte und Gemeinden auszahlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare