Adventskonzert in St. Nikolai spannt Bogen von strahlendem Einzugsmarsch bis „Stille Nacht“

Spannender Dialog zwischen Bläsern und Orgel

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Einstimmung auf die Adventszeit: Rainer Horn dirigierte das Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach beim Konzert in der Nikolaikirche. Fotos: Hennig

Korbach - Zum Abschluss des alternativen Weihnachtsmarkts spielte das Sinfonische Blasorchester Korbach/Lelbach ein Adventskonzert in der Nikolaikirche.

Bei der Zusammenstellung des Programms ließen Rainer Horn und seine Mitspieler, trotz einiger jahreszeitlich bedingter Favoriten, alles andere als Routine walten, sondern nahmen den schon länger gesuchten Dialog mit der Noeske-Orgel auf.

Zumal die Position an der Königin der Instrumente nun aus den eigenen Reihen besetzt werden konnte. Denn Perkussionist und Harfenist Boris Schmittmann studiert nun in Detmold Kirchenmusik und durfte mit der Toccata aus der a-moll-Sonate von Camillo Schumann auch als Solist und Virtuose glänzen. Die abwechslungsreiche Bach-Nachfolge im Geist der Romantik bot dem jungen Organisten zwischen den rasanten Eröffnungsläufen und dem breiten flächigen Finale allerlei technische Kabinettstückchen.

Volle Bandbreite

Als Ouverture ertönte „Feierlicher Einzug“ von Richard Strauss. Dabei erwies sich der mit Anklängen an „Also sprach Zarathustra“ und Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ versehene Weihnachtsmarsch für die Johanniter-Ritter als ideale Gelegenheit, die einzelnen Stimmen und die volle dynamische Bandbreite des Orchesters zu demonstrieren.

Mit Kees Schoonenbeeks „Canzona per Organo e Orchestra“ folgte ein nicht minder effektvolles Stück, das unmittelbar an die Hörerfahrungen der meisten Zuhörer anknüpfte. Denn im mitreißenden ersten Satz begegneten sich der Filmklassiker-Breitwand-Sound des Sinfonischen Blasorchesters mit Orgelläufen, bei denen Boris Schmittmann auf den Spuren der Progrock-Keyboardgötter der Siebziger unterwegs war. Zum anschließenden Monumental-Choral für Bläser im Marschtempo steuerte die Orgel mittelalterliches Flair und auch einen Hauch von Gothic-Grusel bei. Im finalen Dialog zwischen Orchester und nun ganz auf sakral gestimmter Orgel zog das Tempo wieder kräftig an. Das vom auf maximalen Effekt hin komponierten Werk vollkommen begeisterte Publikum spendete lebhaften Beifall. Im weiteren Verlauf wurden aber auch stillere Stücke mit vergleichbar intensivem Beifall bedacht.

Vielfältiges Klangbild

Etwa „Maria durch ein Dornwald ging“ in einer Bearbeitung für Holzbläser von Albert Loritz unter der Leitung von Michael Kuhaupt. Im vielfältigen Klangbild und in zahlreichen Solomomenten erschienen sämtliche Farben eines herbstlich gestimmten Waldes. Auch die Bach-Bearbeitung „Gelobt seist du, Herr Jesus Christ“ brachte dem am Saxophon aktiven Moderator Thomas Korte und seinen Mitspielern aus dem Bereich Holz viel Beifall ein.

Für die „Suite für vier Blechbläser und Orgel“ hatte zwischendrin ein Hornist die Seiten gewechselt und sich dem Blech-Trio um Rainer Horn an der Trompete hinzugesellt, das sich bereits auf der Empore um Boris Schmittmann gruppierte. Insbesondere Samuel Scheidts „Echo-Fantasie“, die zwischen den beiden Trumpet Tunes von John Stanley erklang, hinterließ einen starken Eindruck.

Nachdem sich Barock und Romantik schon einmal auf der Orgel getroffen hatten, folgte mit „Cantique de Jean Racine“ von Gabriel Fauré nun die Kreuzung der Epochen für sinfonisches Blasorchester: eine Klangwoge mit Glockenspielakzenten, bei der die Saxophone den Ton angaben.

Leroy Anderson ist den meisten als Komponist von sinfonischen Dreiminutenmeisterwerken mit Alltagsbezug wie „The Typewriter“ oder „The Irish Washerwoman“ ein Begriff. Seine Komposition „A Christmas Festival“ bildet den musikalischen Verlauf einer amerikanischen Weihnacht ab und bietet zwischen „Joy to the world“ und „Jingle Bells“ jeder Instrumentengruppe die Gelegenheit, sich noch einmal von ihrer glänzenden oder heiteren Seite zu präsentieren. So setzte strahlender Trompetenklang „God bless you merry gentlemen“ ins rechte musikalische Licht.

Weihnachtliches Potpurri

Bei „Silent Night“ sorgte der Klang von Klarinetten und Saxophonen für weihnachtliche Wärme. Deftige Posaunenstöße zogen dagegen zunächst den Schlitten von „Jingle Bells“ durch den Schnee, dabei blieben die Glöckchen auch bei der Tutti-Ehrenrunde stets im Klangbild präsent.

Mit dem munteren Weihnachtspotpourri steigerte das Sinfonische Blasorchester noch einmal die Begeisterungskurve beim im Verlauf des Abends immer zahlreicher gewordenen Publikum.

„Tochter Zion“ ist fast schon ein Standard im Programm. Auf die minimalistische Version für Saxophonquartett aus dem Vorjahr folgte nun die Premiere für eine Fassung mit vollem Orchester und nicht minder üppigem Orgelklang. Die Zugabe geriet zum finalen Gipfel in Sachen Klangvolumen.

Von Armin Hennig

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