„Eine Hilfe für Hilfskräfte“

SPD in Korbach will, dass Stadt kostenlos Rettungsdosen verteilt

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Ihr Stammplatz ist zumeist der Kühlschrank: Rettungsdosen erhalten wichtige Informationen für Sanitäter und Ärzte.

Im Notfall sind zwei Dinge besonders wichtig: Schnelle Hilfe und Informationen. Damit die Rettungsdienste in kürzester Zeit alle nötigen Infos finden, gibt es mittlerweile sogenannte Rettungsdosen.

Korbach – Auf die Rettungsdosen wies die SPD-Fraktion in Korbach bei der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses hin. Sie warb zugleich in einem Antrag dafür, dass die Stadt 3000 dieser Behälter anschafft und sie kostenlos an die Haushalte in Korbach verteilt, in denen Menschen leben, die 65 Jahre oder älter sind. Außerdem könnten die Rettungsdosen beispielsweise bei Seniorennachmittagen kostenfrei verteilt werden.

„In anderen Städten und Gemeinden gibt es die Dosen schon länger. Sie sind eine echte Hilfe für die Rettungskräfte“, sagte Sozialdemokrat Holger Figge. Er berichtete, dass für die Anschaffung einer Rettungsdose samt dazugehöriger Aufkleber und einem Notfallblatt 2,75 Euro aufzuwenden seien.

„Es sollte angestrebt werden, einen Teil der Kosten durch Sponsoren zu decken. Aus der heimischen Wirtschaft ist bereits die Bereitschaft zu einer entsprechenden Beteiligung an den Kosten signalisiert worden“, teilte Figge mit. Insgesamt würden 6000 Euro benötigt, die im Korbacher Haushalt für das Jahr 2020 eingestellt werden müssten.

Der SPD-Vorschlag zur Anschaffung der Rettungsdosen durch die Stadt mit anschließender kostenfreien Verteilung an die Haushalte wurde im Ausschuss allerdings skeptisch gesehen. Heike Kramer (Grüne) sagte, dass ein Notarzt sicherlich erst einmal Erste Hilfe leisten und sich nicht auf die Suche nach der Rettungsdose machen werde. „Grundsätzlich denke ich auch, dass Menschen, denen eine solche Dose wichtig ist, durchaus selbst in der Lage sind, die Kosten von 2,75 Euro dafür aufzubringen“, so Kramer.

Thomas Kuhnhenn (Freie Wähler) berichtete, dass die Rettungsdosen unter anderem bei Sanitätshäusern zu erwerben seien. „Ich habe bei einigen nachgefragt und erfahren, dass die Nachfrage sehr, sehr gering ist.“

Kuhnhenns Fraktionskollege Kai Schumacher meinte, dass es gerade auch die Apotheken und Sanitätshäuser sein sollten, die – vielleicht jetzt auch im Zuge des Weihnachtsgeschäfts – die Rettungsdosen als sogenannte „give aways“ kostenfrei unter den Kunden verteilen.

Arno Wiegand (FDP) war der Meinung, dass es möglicherweise bei einigen Menschen nicht gut ankomme, wenn die Stadt ihnen eine Rettungsdose anbiete. „Viele in dem genannten Alter ab 65 plus fühlen sich noch fit und sind womöglich etwas erschrocken, wenn sie diese Dose bekommen.“

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses beauftragten anschließend den Magistrat damit, zu prüfen, wie eine mögliche Finanzierung mit Unterstützung von Sponsoren aussehen könnte. Dann könne man noch einmal neu über das Thema diskutieren.

So funktioniert die Rettungsdose

In einer Rettungsdose finden Ärzte und Sanitäter alle wesentlichen Informationen zum Patienten, den sie behandeln. Dazu gehören Kontaktdaten von Ansprechpartnern und Bevollmächtigten, Vorerkrankungen, Allergien, wichtige Medikamente und der Aufbewahrungsort einer möglichen Patientenverfügung. Die Patienten haben diese Infos zuvor auf einem Blatt notiert. Dieser Zettel wird in die Rettungsdose gesteckt. Alles wird so deponiert, dass ihn die Helfer schnell finden können: Ein üblicher Platz dafür ist die Innentür des Kühlschrankes. Durch die Aufkleber an der Innenseite der Wohnungstür und am Kühlschrank wissen die Helfer sofort, dass die Patienten eine solche Dose besitzen. In der Regel bieten Apotheken und Sanitätshäuser die Dosen zum Kauf an.

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