Volkskunstgilde zeigt dörfliche Institution

Spinnen, stricken und tratschen: Spinnstube lebt im Museum auf

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In der Spinnstube wurde gesponnen, gehäkelt, gestrickt und „getratscht“, was das Zeug hielt.

Mit bunten Trachten, Tänzen, Musik und Plaudereien in Mundart aus der Spinnstube des Marburger Landes hat die Hessische Volkskunstgilde im Museum eine Institution vorgestellt, die noch bis in die 1920er Jahre zur dörflichen Kultur gehörte.

Korbach – Die Spinnstuben waren wichtige Einrichtungen des sozialen Lebens, dienten nicht nur der Handwerkskunst, sondern auch dem Austausch vom neuesten Klatsch und Tratsch und dem Anbahnen von Beziehungen. Die Mitglieder der Volkskunstgilde aus Ebsdorfergrund brachten bunte und lebendige Einblicke in eine ausgestorbene Form dörflicher Kultur mit.

Zunächst gab es Informationen über die Machart der Trachten, Form und Aufbau von außen und auch was Frau „drunter“ trägt. Die Marburger Tracht ist eine der buntesten und facettenreichsten, die es gibt. Die evangelische ist etwas schlichter, die katholische etwas farbenfroher und mit aufwendigerer Handarbeit verziert. 

Dann wurde gesponnen, gehäkelt, gestrickt und „getratscht“, was das Zeug hielt, alles in Marburger Mundart. Spinnen war nicht nur der Job der Frauen, Männer waren mit dem Handwerk auch durchaus vertraut. Das Ganze ging nicht ohne Lästern über die katholischen Mitbürgerinnen, Vorurteile gegeneinander prägten das ländliche Leben im Marburger Land über Jahrhunderte und machten auch vor den Spinnstuben nicht halt.

Spinnstube war Uromas "Parship"

Als die neuesten Nachrichten und Gerüchte durch waren, kamen die Burschen singend dazu. Da meist unverheiratete Frauen in den Spinnstuben aktiv waren, waren diese beliebte Anlaufstationen für die jungen Burschen zur Anbahnung von Beziehungen, eine Art historisches Flirtportal. 

Entsprechend waren auch die Anspielungen und Sprüche, es wurde gescherzt und geblödelt, den Mädels wurden Gegenstände entwendet und gegen einen Kuss wieder herausgegeben. Dann gab es ein Schnäpschen, und bester Laune wurde das Lied „Trink mer noch a Tröpfche“ angestimmt.

Volkslieder und Volkstanz gehörten offenbar auch zum Repertoire der Spinnstuben. Jedenfalls hatten die Damen und Herren der Volkskunstgilde beides überzeugend im Repertoire: variantenreich, schnell, bunt und vielseitig zur Freude aller Anwesenden. (os)

Termin: Die Mitmach-Ausstellung „Gib Stoff“, in deren Rahmenprogramm die Spinnstube veranstaltet wurde, ist noch bis zum 9. Februar im Bonhage-Museum zu sehen.

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