Reiches geologisches und bergmännisches Potenzial als Attraktion vermarkten

Auf der Spur des Eimelroder Goldes

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Die geologische Exkursion mit Dr. Markus Schade, einem der führenden Gold-Experten Deutschlands, stieß auf großes Interesse. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen-Eimelrod. - Nein, die Eimelroder wollen keinen Goldrausch auslösen. Doch sie möchten gern ein spannendes Kapitel der örtlichen Geschichte aufarbeiten und als touristische Attraktion vermarkten.

Wie groß das Interesse an der goldenen Vergangenheit ist, zeigte sich bei einer geologischen Wanderung rund um den Eimelroder Mühlenberg. 40 Teilnehmer aus dem Waldecker Land und den westfälischen Nachbargemeinden folgten unter Leitung von Dr. Markus Schade, einem der führenden Goldexperten der Republik, den Spuren des edlen Metalls.

Besonderes am Wegesrand

Der Thüringer und Renate Hill aus dem Ohl, eine hervorragende Kennerin der heimischen Geologie und Geschichte, öffneten ihnen die Augen für Besonderheiten am Wegesrand, an Waldesböschungen und mitten auf einer von blühendem Löwenzahn übersäten Wiese. Da wurde dem staunenden Betrachter plötzlich klar, dass es sich bei Vertiefungen im Gelände um alte Stolleneingänge handelte und einige kleine Halden zu den letzten Zeugnissen des einstigen Bergbaus gehören.

Dass in der Eimelroder Gemarkung über Jahrhunderte hinweg nach Erzen geschürft wurde, ist belegt. Letzte Aktivitäten wurden 1914/15 entwickelt. Heinrich Lenz aus Dortmund erwarb damals das Recht, im Bergfeld „Heinrich“ - es befindet sich am Mühlenberg - Mangan und Eisenerz abzubauen.

Mannshoher Stollen

Eine Tafel am Eingang informiert über das Projekt: „Ein mannshoher Schürfstollen in Tropfenform, 140 Meter lang, wurde von den Bergleuten in den Fels getrieben. Vier Seitenstollen von 20, sechs, elf und 13 Metern zweigen vom Hauptstollen ab. In ,Hunden‘, die auf Gleisen fuhren, wurde das abgebaute Gestein nach draußen auf Halde gefahren. Der Erzgehalt war gering, sodass ein Abbau nicht lohnte. 1915 wurde der Stolleneingang geschlossen.“

Dr. Schade und Renate Hill können sich allerdings gut vorstellen, dass die Suche sich damals in Wirklichkeit nicht allein auf Mangan und Eisenerz konzentrierte, sondern dass die Betreiber möglicherweise darauf hofften, im Berg auf jahrhundertealte Goldstollen zu stoßen. „Sie haben damals viel Geld vergebens ausgegeben“, so der Geologe, der auf den ersten Blick erkannte, dass im Bereich des Stollens Heinrich nichts auf Gold oder die angeblich gesuchten Erze hindeutet.

Auf dem Lyth

Ganz anders sieht es auf der anderen Seite des Mühlenbergs aus. „Auf dem Lyth“ dürften in früheren Jahrhunderten bergbauliche Aktivitäten stattgefunden haben. Geologische Besonderheiten wie der hier vorkommende Schwarzschiefer mit Rotfärbung sind Hinweise auf Goldvorkommen.

„Früher gab es hier noch große Abraumhalden“, erinnert sich der Heimatkundler Werner Wilke. Das Material wurde allerdings in den 1960er-Jahren abgefahren und beim Feldwegebau verwendet. Doch gibt es in dem Bereich auch heute noch genug zu sehen; dem Laien müssen nur die Augen für Pingen, Entwässerungsstollen und verfüllte Stollenmundlöcher geöffnet werden.

Der Vorsitzende des Eimelroder Touristik-Service, Axel Sauer, war noch ein Kind, als englische Geologen Sommer für Sommer nach Eimelrod kamen. „Sie blieben immer mehrere Monate hier. Einige wohnten bei meinen Eltern in der Pension, einige auch im Wohnwagen“, erzählt er. Leider ist nicht mehr bekannt, wonach sie damals gesucht haben und wer die Auftraggeber waren. Eines jedoch weiß Axel Sauer noch genau: „Sie haben den Eimelrodern empfohlen, niemals ihr Land zu verkaufen.“

Wie will der Touristik-Service weiter mit dem Thema umgehen? Was rät Dr. Schade? „Es gibt hier ein großes geologisches, bergmännisches und touristisches Potenzial“, betonte er bei der abschließenden Zusammenkunft im Landgasthof Sauer.

Geschichte aufbereiten

Er wies darauf hin, dass die Ertragssituation beim Eimelroder Goldbergbau schon im Mittelalter grenzwertig gewesen sein dürfte und dass ein Abbau heute mit Sicherheit nicht lohnt. Er hält es jedoch durchaus für lohnend und interessant, im Zusammenspiel mit dem Geopark „GrenzWelten“ die Eimelroder Bergbau-Geschichte sukzessive aufzubereiten und darzustellen, wie es hier unterirdisch aussieht. Dr. Schade steht gern zur Verfügung, um den bergmännischen und geologischen Hintergrund fachmännisch zu erarbeiten und Tipps für touristische Aktivitäten, zum Beispiel geführte Wanderungen und Goldwaschen, zu geben.

Geologischer Pfad

Axel Sauer hat übrigens bereits konkrete Vorstellungen: Dem Vorsitzenden des Touristik-Service schwebt vor, einen etwa sieben Kilometer langen geologischen Pfad anzulegen, der unter anderem zum Stollen Heinrich, zum Goldbergwerk „Alte Lyth“, zur Wüstung Emighausen, zu den Pingen am Mühlenberg, zur ehemaligen Burg und der alten Mühle, die beide nicht mehr stehen, und zum Steinbruch führt. Es sollen vorhandene Wege genutzt werden, an denen informative Tafeln aufgestellt werden. Sauer freut sich, dass auch Ortsvorsteherin Henrike Habermann das Vorhaben unterstützt und will sich kurzfristig um Zuschüsse zur Verwirklichung des Projekts bemühen.

Zur Person:

Dr. Markus Schade konnte es sich nicht verkneifen: Bei seinem Besuch in Eimelrod hat er einen Goldwaschversuch in der Mülmecke gestartet – und ist auch prompt fündig geworden. Der 1954 geborene Gold-Experte hat 1978 in Moskau sein Diplom als Geochemiker erworben und 1985 in der russischen Hauptstadt promoviert. Er war elf Jahre als Schachtgeologe im Thüringer Uranerzbergbau und elf Jahre als leitender Mitarbeiter in einem privaten Forschungsinstitut tätig. Seit 2003 arbeitet er als freiberuflicher Geologe. Er betreibt gemeinsam mit seiner Frau das Goldmuseum im thüringischen Theuern. „Es ist für mich weit mehr als ein Teil meiner wirtschaftlichen Lebensgrundlage. Es ist die Verwirklichung meines Kindheitstraums“, sagt Dr. Schade, der schon Expeditionen in Sibirien und Exkursionen durch Westkanada, Alaska, die Appalachen sowie durch Australien, Neuseeland und Neukaledonien unternommen hat. Zu seinem Goldmuseum gehört auch ein Goldshop. Er bietet Gästen Gelegenheit zum Goldwaschen und zu Goldferien, leitet Gold-Reisen, vermittelt Gold-Wissen und erstellt beispielsweise geotouristische Konzeptionen. (r)

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