Freiwillige Beiträge geplant

Stadt Korbach trennt sich von „INGE“: Neues Konzept für Nikolaiviertel

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Der Korbacher Obermarkt mit der Nikolaikirche im Hintergrund: Das Viertel rund um das gotische Gotteshaus soll mit freiwilliger Unterstützung der Anlieger attraktiver werden.

Korbach – Das Areal rund um die Nikolaikirche soll attraktiver werden – mit Unterstützung der anliegenden Eigentümer. Eine ursprünglich geplante Zwangsumlage wird es nun aber nicht geben: Das Geld für Projekte soll jetzt mithilfe freiwilliger Beiträge und der Wirtschaftsförderung zusammenkommen.

Das haben die Stadtverordneten am Donnerstag entschieden. Dabei waren es die Anlieger des Nikolaiviertels selbst, die eine verpflichtende Abgabe ins Spiel gebracht hatten. Möglich wird diese durch das so genannte Gesetz zur Stärkung von innerstädtischen Geschäftsquartieren – kurz: INGE. Die Idee dahinter: Die Eigentümer nehmen selbst Geld in die Hand, um ihr Viertel vorwärtszubringen. Die Umlage kann freiwillig sein oder aber eine verpflichtende Abgabe.

Die Anlieger des Nikolaiviertels hatten sich bewusst für eine verpflichtende Abgabe entschieden, um Trittbrettfahrer zu vermeiden: Wenn alle von den Projekten profitierten, sollten auch alle zahlen. Doch schon im Dezember im Haupt- und Finanzausschuss scheiterte das Projekt am Umlagen-Modell. Die Stadtverordneten verwiesen den entsprechenden Antrag zurück an den Magistrat.

Der hat nun einen Kompromiss erarbeitet: Statt über eine Satzung geregelt, sollen die Mittel auf freiwilliger Basis zur Verfügung gestellt werden. Ziel sei, eine größere Gerechtigkeit gegenüber den unterschiedlichen Anliegerinteressen zu erreichen, heißt es in der Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung.

Trotzdem will die Stadt nicht alle Strukturen aufgeben, die sie in den vergangenen Monaten gemeinsam mit dem Büro Frauns aus Münster entwickelt hat: Das bereits vorhandene Lenkungsteam mit seinen Arbeitsgruppen soll erhalten bleiben, unterstützt von der Wirtschaftsförderung Korbach Goldrichtig und der Hanse. Auch die bisher erarbeiteten Vorschläge sollen langfristig Schritt für Schritt umgesetzt werden.

Drei kurzfristige Ziele hat der Magistrat für das Nikolaiviertel formuliert: So soll ein Baustellenmarketing während des Umbaus der Fußgängerzone in der Professor-Bier-Straße die wirtschaftlichen Folgen für die Geschäfte mindern. Ein sogenanntes „Corporate Design“ soll erstellt werden, also ein einheitliches Erscheinungsbild des Viertels bei Veröffentlichungen wie Werbeflyer oder Internetseiten. Außerdem soll der „Kleine Mittwochsmarkt“ unterstützt und weiterentwickelt werden. Dafür werden in den Jahren 2019 und 2020 jeweils 15.000 Euro benötigt.

Unterstützen können die Anlieger das Projekt finanziell – wie es bereits bei der Weihnachtsbeleuchtung praktiziert wird. Sie können sich aber auch selbst einbringen – mit Ideen und Arbeitskraft. Als positive Beispiele nennt der Magistrat den „Kleinen Mittwochsmarkt“ oder den „Weihnachtszauber“.

Vehement hatte sich in der Stadtverordnetenversammlung Kai Schumacher (FWG) gegen das Umlagenmodell ausgesprochen: Das Projekt sende die richtigen Signale. „Aber nicht unter dem Aspekt, dass die Anlieger die teils erheblichen Kosten tragen müssen“, so Schumacher. 

Im Rahmen der Zwei-Pole-Strategie könne nicht auf der einen Seite der Fußgängerzone etwas entwickelt und bezahlt werden und auf der anderen Seite werde ein weitreichender Teil der Kosten den Anwohnern überlassen. „Die übrigens schon über die Fassadensanierung, in Verbindung mit dem Hessentag, erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht haben.“

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