Zum Jahresende 2020

Nicht mehr „goldrichtig“: Stadt Korbach will Wirtschaftsförderung auflösen

Die Wirtschaftsförderung Korbach Goldrichtig soll aufgelöst werden: das frühere Gebäude mit Gründerzentrum in der Ecke Louis-Peter-Straße/Briloner Landstraße.
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Die Wirtschaftsförderung Korbach Goldrichtig soll aufgelöst werden: das frühere Gebäude mit Gründerzentrum in der Ecke Louis-Peter-Straße/Briloner Landstraße.

Die Stadt Korbach will die Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Korbach goldrichtig“ zum Jahresende auflösen. Das soll den Haushalt jährlich um rund 100.000 Euro entlasten. Noch müssen Stadtverordnete und der Vorstand der Hanse zustimmen.

Korbach – Der bisherige Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Werner Niederquell geht am 31. Oktober in den Ruhestand. Seine Aufgaben sollen künftig direkt beim Bürgermeister und seinem Büroleiter Ralf Buchloh angesiedelt werden. Durch die Auflösung der GmbH und den Wegfall der Stelle des Wirtschaftsförderers rechnet die Stadt mit Einsparungen von mindestens 100.000 Euro pro Jahr. Bislang hatte die Stadt die Wirtschaftsförderung jährlich mit 250.000 Euro bezuschusst. 150.000 Euro sollen auch weiterhin im Haushalt für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus eingestellt werden.

Verbunden mit der Auflösung der GmbH ist auch eine strategische Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung. Denn die habe ihre Aufgabe in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen wegen mangelnder Anbindung an die Verwaltung nicht optimal und effektiv erledigen können. „Beispielsweise suchen ansiedlungsinteressierte Unternehmen, Investoren oder Bestandsunternehmen in erster Linie den Kontakt in Richtung Verwaltung und Bürgermeister“, erläuterte Buchloh im Haupt- und Finanzausschuss.

Auch Doppelstrukturen sollen vermieden werden. Buchloh nannte beispielsweise die Beratung über Fördermöglichkeiten oder bei Existenzgründungen oder auch die Organisation von Wirtschaftsforen. Das seien Kernkompetenzen unter anderem der Wirtschaftsförderung des Landkreises, der Industrie- und Handelskammer und der Banken. Schwerpunkte sollen deshalb künftig sein:

  • Die Entwicklung und Vermittlung von Gewerbe- und Industrieflächen
  • Standortmarketing
  • Einzelhandelsentwicklung
  • Verbesserung der wirtschaftsnahen Infrastruktur
  • Stadtmarketing
  • Tourismusförderung

Die enge Zusammenarbeit mit der Hanse soll dabei aufrecht erhalten werden. Ziel seien regelmäßige Treffen des Hanse-Vorstandes mit dem Bürgermeister und dem Büroleiter.

Schon 2016 gab es Pläne die Wirtschaftsförderung umzustrukturieren: Niederquell sollte sich dabei um Immobilienmanagement und die Integration von Flüchtlingen kümmern. Dr. Marc Müllenhoff sollte neben Tourismus und Stadtmarketing auch verantwortlich für die Wirtschaftsförderung und außerdem zum weiteren Geschäftsführer bestellt werden. Die Pläne wurden nicht umgesetzt. Auch die Auflösung der Gesellschaft war damals schon diskutiert worden. Langfristige vertragliche Vereinbarungen verhinderten bislang aber diese Option.

Organisatorisch sei der Schritt richtig, inhaltlich brauche Korbach angesichts der Leerstände in der Innenstadt und der Folgen der Corona-Krise weiter Wirtschaftsförderung, sagte Helmut Schmidt (SPD): „Es bleibt abzuwarten, ob das vom Bürgermeister und dem Büroleiter zu stemmen ist.“

Axel Krüer (Aktive Bürger) erinnerte an den Bürgermeisterwahlkampf 2001. Damals habe Kandidat Klaus Friedrich postuliert, Korbach brauche keine Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft, kurz nach seiner Wahl sei die GmbH gegründet worden. „Die ganzen 17 Jahre ist nicht dafür gesorgt worden, dass Kosten eingespart werden.“

Heinz Merl (CDU) erinnerte daran, dass das Gründerzentrum anfangs eine der zentralen Aufgaben der Wirtschaftsförderung gewesen sei. Mehr Engagement des Landrats forderte derweil Arno Wiegand (FDP): „Der Landkreis könnte ja auch ein bisschen Wirtschaftsförderung übernehmen.“

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