Burkhard Fincke hat die bauliche Entwicklung in Korbach entscheidend mitgestaltet

Der Stadtbaumeister nimmt Abschied

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Bauamtsleiter Burkhard Fincke (65) geht Ende Juni in den Ruhestand. Der Umbau des Bürgerhauses war das letzte große Projekt. Es spiegelt im gläsernen Foyer moderne Architektur mit prächtigem Ausblick ins Grüne und auf die gotische Nikolaikirche.

Korbach. - 35 Jahre lenkte Burkhard Fincke (65) die bauliche Entwicklung der Stadt Korbach entscheidend mit. Ende Juni geht der Bauamtsleiter in Ruhestand - zufrieden, entspannt, aber bis zum letzten Tag mit viel Herz für eine schöne Stadt.

„Sie bauen unsere Stadt“, titelte die Waldeckische Landeszeitung am 16. Juli 1976. Korbach hatte gerade eine enorm wichtige Etappe der Stadtsanierung mit einem Volksfest abgeschlossen. Denn am 17. Juni wandelte sich die vormals enge und vom Verkehr oft stickige Professor-Bier-Straße zum ersten Teil der Fußgängerzone - damals bis kurz vor die alte Post.

Was gab es für Emotionen in Korbach. Geschäftsleute fürchteten teils extreme Umsatzeinbußen, wenn die Kunden künftig nicht mehr vor der Eingangstür parken können. Und unter Ägide des seit 1967 in Korbach lenkenden jungen Bürgermeisters Dr. Horst Bökemeier schien für so manchen die ganze Stadt ins Wanken zu geraten. Rathausanbau, Fußgängerzone, Parkhäuser, neues Verkehrskonzept: Der Aufbruch in moderne Zeiten mit Impulsen des Berliner Professors Friedrich Gunkel barg seit 1972 auch reichlich Zündstoff in Korbach.

Korbacher Stadtsanierung

An diesem Sommertag im Juli 1976, einen Monat nach Eröffnung der Fußgängerzone in der Bier-Straße, hatte sich die Stimmung aber schon gewandelt. Da gab sich das Planungsteam aus dem Rathaus fürs WLZ-Foto gleichermaßen zufrieden und entspannt, sagt Burkhard Fincke heute - genau 37 Jahre später.

Bürgermeister Bökemeier, Werner Leitung, der spätere Waldecker Bürgermeister Peter Brandenburg, der damalige Bauamtsleiter Heinz Sierke (mit Fliege als Markenzeichen) sind auf dem Foto zu sehen. Und ins Bild rückt lässig ebenso ein junger Spund: Burkhard Fincke.

Im April 1975 hatte er - nach sieben ergiebigen Jahren als Architekturstudent in Darmstadt - seinen Job im Korbacher Bauamt abgetreten. Stadtplanung war Finckes Schwerpunkt, und die Gestaltung des ersten Abschnitts der neuen Fußgängerzone war sein erstes großes Projekt. Manch erfahrener Polier am Bau habe ihn auch schon mal angegiftet, erinnert sich Fincke lachend: „Da kommt ja unser Picasso.“ Denn Gestaltungselemente, beispielsweise die hellen Streifen im Pflaster, lagen für manchen Korbacher wohl damals eher im Bereich der Künste.

„Es war ein tolles Gefühl, dass wir vieles gut und richtig gemacht haben - und die Menschen dies auch anerkannt haben“, resümiert Fincke im Rückblick. Denn die Stadtsanierung unter Ägide von Bökemeier und Sierke brachte für Korbach bis Ende der 1990er-Jahre einen enormen Schub. Umgerechnet über 50 Millionen Euro flossen für öffentliche Projekte, ein Vielfaches davon wurde durch öffentliche Zuschüsse zudem an privaten Investitionen in Korbach angeschoben.

„Vieles gut und richtig“

Vor einiger Zeit schlenderte Fincke einmal mit seinen Kindern Julia (37) und Bastian (35) ausgiebig durch Korbach und sollte all die Veränderungen seit jenen wilden 70er-Jahren beschreiben. Da kamen auch viele Details wieder ins Bewusstsein - und wenn es die Bäume am Südring oder an der Briloner Landstraße waren. Denn Pflanzen im Stadtbild sind für Fincke stets unerlässlich.

Gab es nicht auch Fehler in der Stadtsanierung? „Nö“, sagt Fincke nach einigem Überlegen - zumindest keine gravierenden. Selbst den Rathausanbau, der weit vor seiner Amtszeit in Korbach entstand, verteidigt Fincke: Bis heute sei es richtig gewesen, der Stadtverwaltung im Herzen von Korbach den nötigen Raum zu geben. Rathäuser sind wichtige Anlaufpunkte für die Bewohner, bringen Arbeitsplätze und Leben in die Stadt. Wenngleich die Architektur des Betonbaus aus heutiger Sicht viel kritischer zu beurteilen sei, räumt Fincke ein. Doch Architektur unterliege von jeher stets auch Mode, Trends und Weltanschauungen.

Konfliktstoff im Detail gab es bei der Stadtsanierung immer mal wieder. So erinnert sich Fincke etwa an eine kleine rote Ziegelmauer, die Ende der 70er-Jahre Pranger, Kump und Freifläche am alten Marktplatz gliedern sollte. Über Nacht war die bei Korbachern offenbar ungeliebte Mauer schließlich wieder verschwunden. „Die Mauer hatte ich damals eingebrockt“, verrät Fincke - und rechnet es dem damaligen Bauamtsleiter Sierke hoch an, dass er die Sache auf seine Kappe genommen habe.

1991 kam für Fincke derweil eine berufliche Zäsur. Sierke ging in Pension, Fincke bewarb sich um die Nachfolge - doch entschied sich die Stadt für einen externen Bewerber.

Aus seiner Enttäuschung machte Fincke keinen Hehl und wechselte nach Borken - als neuer Bauamtsleiter. Der neue Chef im Korbacher Bauamt, Hans-Michael Kelp, gab jedoch nur ein Gastspiel. Die Stadt suchte nach einem Nachfolger, besann sich auf Burkhard Fincke und holte ihn 1994 nach Korbach zurück.

Abermals warteten große Aufgaben. Die Stadt hatte sich gerade für den Museumsentwurf des Kasseler Architekten Berthold Penkhues entschieden. „Trotz eines Sperrfeuers der ortsansässigen Zeitung“, merkt Fincke im WLZ-Gespräch augenzwinkernd an. Bis zum Hessentag 1997 sollte der Museumsbau fertig sein - und präsentierte sich dann vor allem für Besucher als ein Glanzpunkt. „Mit seiner Architektur ist das Museum selbst das schönste Ausstellungsstück“, schwärmt Fincke.

Museum bis Bürgerhaus

Wenige Jahre später ging es für das Bauamt vor allem mit dem neuen Feuerwehrstützpunkt hoch hinaus. Parallel wuchsen die Gewerbegebiete mit Logistikhallen und Industrieansiedlungen beträchtlich. Und 2012 folgte mit dem millionenschweren und gelungenen Umbau des Bürgerhauses dann für Fincke das letzte große Projekt im Bauamt.

Dabei stellt Fincke stets Teamarbeit mit seinen Kollegen im Bauamt in den Vordergrund, ebenso das Zusammenspiel mit Magistrat und Parlament - aber auch mit den heimischen Baufirmen und Handwerkern: „Die heimischen Firmen sind ungeheuer leistungsfähig und leistungswillig“, betont Fincke mit Ausrufezeichen.

So bleibt am Ende der beruflichen Laufbahn auch ein gutes Stück Wehmut. „Es wäre aber auch schlimm, wenn es nicht so wäre“, sagt Burkhard Fincke. Er wird Korbach stets verbunden bleiben, auch wenn er inzwischen in Grebenstein wohnt.

Nach seinem Abschied aus dem Rathaus wird sich Fincke Anfang Juli aber erst mal einen besonderen Wunsch erfüllen: eine Woche mit der Eisenbahn durch die Schweiz, davon hat er schon lange geträumt: „Ich liebe die Berge.“

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