August Orth bewahrte Kilianskirche vor Verfall · Bonhage-Museum zeigt Ausstellung

Stadtplaner, Architekt und Ehrenbürger

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Kilianskirche und Büste des Ehrenbürgers sind Bestandteile der ersten großen Ausstellung, die Bonhage-Museum und Stadtarchiv gemeinsam konzipiert haben. Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, Archivleiter Wolfgang Kluß (3.v.r.) und Archiv-Mitarbeiteri

Korbach - In Berlin und Chemnitz sind Straßen nach ihm benannt. In Korbach, wo er von 1834 bis 1848 Kindheit und Jugend verbrachte, ist August Orth weitgehend unbekannt.

Zu Unrecht, betonte Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen, der mit Waltraud Steuber vom Korbacher Stadtarchiv die erste große Ausstellung beider Sammlungen konzipiert hat.

Der Kirchenbauarchitekt und Stadtplaner sei zu Lebzeiten und auch posthum nicht so gewürdigt worden, wie es angebracht gewesen wäre. Die Ausstellung, die am kommenden Sonntag, 16. September, eröffnet wird (11.15 Uhr) und bis zum 20. Januar 2013 zu sehen sein wird, soll deshalb dazu dienen, einen entsprechenden Diskussionsprozess in Gang zu setzen.

An dessen Ende könnte dann auch eine Orthstraße in Korbach stehen. Vor 114 Jahren, am 25. Juli 1898, erhielt August Orth anlässlich seinen 70. Geburtstags die Ehrenbürgerwürde „in Anerkennung der Verdienste um den Ausbau der Kilianskirche“. Geboren 1828 in Windhausen am Harz im heutigen Landkreis Osterode kam August Orth als Sechsjähriger mit seiner Familie nach Korbach.

Sein Vater Otto Orth hatte das Burggut in Lengefeld gepachtet. August Orth legte 1848 sein Abitur an der Alten Landesschule ab. Die Berufswahl beeinflusste die Kilianskirche entscheidend – „ein Bauwerk, welches die Träume und Hoffnungen meiner Jugend beherrschte und welches mich bestimmt hat, Architekt zu werden“. 1853 bestand Orth die Bauführerprüfung, für die er Baurisse der gotischen Hallenkirche eingereicht hatte. Anschließend studierte Orth in Berlin und München, absolvierte 1858 die Baumeisterprüfung und arbeitete fortan als Privatarchitekt in der preußischen Hauptstadt. Dort war er zunächst für verschiedene Eisenbahngesellschaften tätig, ehe er sich als Hausarchitekt in den Dienst des Schienenmoguls Bethel Henry Strousberg stellte.

1871 veröffentlichte Orth eine Denkschrift zur Berliner Centralbahn. Mit vielen Ideen und Anregungen, die später beim Bau des Berliner S-Bahn-Netzes aufgegriffen wurden. „Höchstwahrscheinlich geht auch die Idee der Berliner Museumsinsel auf ihn zurück“, erklärte Völcker-Janssen. „Gnadengeschenk“ Einen Namen machte sich Orth vor allem durch die zahlreichen Kirchenbauten. Nach seinen Entwürfen entstanden 30 Gotteshäuser, unter anderem in Berlin, Bad Pyrmont, Essen und Bethlehem. Der Kilianskirche fühlte sich Orth aber zeitlebens verbunden. Um die Kirche ausgangs des 19. Jahrhunderts vor dem Verfall zu retten, ließ Orth seine Beziehungen in Berlin spielen.

Er schrieb ein ausführliches Gutachten, in dem vor allem die Akustik des Gebäudes im Vordergrund stand. Mit einem Eilantrag an Kaiser Wilhelm II baten die Korbacher um Geld. Ein „allerhöchstes Gnadengeschenk bis zum Betrage von 40?000 Mark“ wurde ihnen gewährt, die Kirche wurde bis 1899 renoviert. August Orth besuchte zur Wiedereröffnung Anfang Mai zum letzten Mal die Kilianskirche. Er starb am 11. Mai 1901 in Berlin.

Die Ausstellung im Bonhage-Museum gibt einen ausführlichen Überblick über Leben und Werk des Architekten und Stadtplaners. Es sind viele Zeichnungen und Entwürfe der Kirchen- und Profanbauten zu sehen. Eine Kirchenbank aus der Berliner Zionskirche ist ebenfalls Bestandteil der Ausstellung, zu der auch ein Museumsheft mit einem Gesamtverzeichnis aller Bauten erscheint.

Zahlreiche Exponate stammen aus dem Besitz der weitverzweigten Familie Orths. Einige der Nachfahren wollen zur Eröffnung nach Korbach kommen. „Es wird also auch eine Art Familientreffen“, so der Museumsleiter.

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