Korbach

Der stärkste Gegner gleich zu Beginn

- Korbach (mba). Für eine Woche ist Korbach die Denksport-Hauptstadt: Die Kreisstadt ist Austragungsort der Weltmeisterschaften der Kadetten im „Dame-100-Spiel“. Gespielt wird im Bürgerhaus.

Benjamin Krane hatte kein Losglück: Der 14-jährige Korbacher hat die Startnummer 26 gezogen – und sitzt jetzt an Tisch 13. Ihm gegenüber am karierten Brett Wouter Sipma aus den Niederlanden mit der Nummer 25. Und Sipma ist der frischgebackene Europameister. Er ist in Korbach angetreten, auch den Weltmeistertitel im Dame-100-Spiel der Kadetten mit nach Hause zu nehmen. Die WM wird nun jeden Augenblick eröffnet. Aus acht Ländern sind die Teilnehmer angereist, um sich in dem Brettspiel zu messen. Die meisten kommen aus den Nachbarländern und Osteuropa, aber auch aus der Mongolei, aus Aserbaidschan und Jakutsk, der Stadt im russischen Fernost. Im Bürgerhaus herrscht gespannte Stille. In je zwei Reihen stehen links und rechts im Saal die Spieltische, auf jedem ein Damebrett mit 100 Feldern, eine Stoppuhr und die Zettel, auf denen die Spieler ihre Züge notieren können. In der Mitte ein Gang für die Zuschauer und die Trainer, die dort gleich schweigend auf und ab gehen werden und die Züge ihrer Schützlinge verfolgen. Sagen dürfen sie ihnen kein Wort, keine Ratschläge geben, während die Partie läuft, und auch nicht zur gleichen Zeit den Saal verlassen, um zur Toilette zu gehen. Das hat Oberschiedsrichter Evert Davelaar aus den Niederlanden den Spielern noch einmal eindringlich eingeschärft. Auch Handys und MP3-Player sind strengstens verboten. Und während der Partie in die Stadt gehen erst recht – habe es alles schon gegeben, sagt Davelaar. Die Dame-100-Weltmeisterschaft ist eine durchaus ernste Angelegenheit, auch wenn die anwesenden Kadetten, 25 Jungen und ein Mädchen im Alter bis 16 Jahre, es vielleicht nicht ganz so ernst sehen. Aber mit Ehrgeiz sind sie schon bei der Sache. Nur Benjamin sieht seine bevorstehende Partie recht gelassen und realistisch: Es wird wohl eine Trainingslektion für ihn. Doch im Verlauf des Turniers könnte es sich noch als Vorteil erweisen, dass er gegen so einen starken Gegner antreten musste. Dann nämlich, wenn er in der Tabelle punktgleich mit einem Konkurrenten liegt. In diesem Fall würde ihm für seinen hochkarätigen Kontrahenten ein Bonus angerechnet. Das Dame-100-Turnier wird nämlich nach dem Reglement des sogenannten „Schweizer Modus“ ausgetragen: Dabei gibt es kein K.-o.-System, sondern alle Teilnehmer spielen bis zum Turnierende. Für jede gewonnene Partie bekommt man zwei Punkte, für ein Unentschieden einen. In der nächsten Runde treten dann die Spieler mit der gleichen Punktzahl gegeneinander an. Weltmeister wird, wer zum Schluss die höchste Punktzahl hat.

Mehr lesen Sie iun der WLZ-FZ-Ausgabe vom Dienstag, 11. August 2009.

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