Schulsozialarbeiterin gibt an der MPS Adorf Tipps zur Gewaltprävention

Starke Kinder sagen selbstsicher "Nein"

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Diemelsee-Adorf. - „Nein“ rufen die Erstklässler laut durch den Flur der Mittelpunktschule Adorf. Im Projekt „Kinder stark machen“ vermittelt Schulsozialarbeiterin Nathalie Jakob ihnen, wie sie sich selbst schützen können.

Im Juni 2010 hatte Nathalie Jakob den MPS-Grundschülern erstmals in mehreren Kursen Selbstbewusstsein vermittelt. „Rund 300 000 Kinder werden in Deutschland pro Jahr sexuell missbraucht“, berichtet die Schulsozialarbeiterin. Alle zwei Minuten werde damit ein Kind Opfer eines Übergriffs durch Dritte, begründet sie die Entscheidung für das Programm, in dem Kinder lernen, sich vor gewaltsamen Übergriffen zu schützen. Gerade weil der Täter nicht immer „der fremde böse Mann“ sei, sondern häufiger aus dem direkten Umfeld des Kindes stamme, sei es unumgänglich, den Kindern Selbstbewusstsein zu vermitteln und sie mit Problemsituationen zu konfrontieren, ist Nathalie Jakob überzeugt.

Mithilfe von Spielen, Liedern und Geschichten hat sie den ABC-Schützen der MPS daher in den vergangenen Monaten zu mehr Sicherheit verholfen. Wichtigste Lektion: laut „Nein“ zu sagen. Diese Botschaft gehört zu insgesamt acht Lektionen, die Nathalie Jakob den Kindern in zehn Einheiten à 90 Minuten im Rahmen des MPS-Nachmittagsangebots vermittelt hat. „Das Projekt gliedert sich in die vier Bereiche Körper, Gefühl, Gewalt und Hilfemöglichkeiten“, berichtet die Expertin. Am Ende eines jeden Komplexes stehen folgende Merksätze, welche die Sozialpädagogin den Kindern mit verschiedenen Methoden nahegebracht hat:

Körper: Mein Körper gehört mir. / Ich muss mich nicht komisch anfassen lassen. Über Kontaktspiele, Meditationen und das Lied „Über mich“ lernen Kinder ihren Körper kennen.

Gefühl: Ich höre auf mein Gefühl. / Ich kann laut „Nein“ sagen. Rollenspiele, Körpermassagen und Übungen zum „Neinsagen“ zählen zu diesem Komplex.

Gewalt: Ich halte Abstand von Personen im Auto. / Ich gehe nur mit, wenn Mama und Papa es erlauben.Eine Gesprächsrunde über Gewalt und die Bilderbuchbetrachtung „Geh nicht alleine, Sophie“ helfen Mädchen und Jungen, das Thema Gewalt zu verstehen.

Hilfemöglichkeiten: Ich weiß, wer mir helfen kann. / Schlechte Geheimnisse erzähle ich. „Wen kann ich um Hilfe bitten?“ lautet das Thema einer Kinderkonferenz, die Mädchen und Jungen Hilfemöglichkeiten aufzeigt.„Zwischen dem ersten und dem zweiten Projekt im vergangenen Jahr hatte ich mir weiteres Material besorgt, um den Kindern noch mehr praktische Tipps zu geben“, blickt die Schulsozialarbeiterin zurück. Von diesen konkreten (Verteidigungs-)Techniken profitieren auch die aktuellen Erstklässler. „Wir haben verschiedene Alltagssituationen durchgespielt“, berichtet Nathalie Jakob. Ein fremder Mann habe Mädchen und Jungen in Adorf auf dem Spielplatz und aus dem Auto heraus angesprochen, nennt sie zwei Beispiele. Sie selbst habe die Reaktion der Kinder beobachtet und eine Reihe sehr starker Kinder gesehen.

Der erneute Erfolg ermutigt die Schulsozialarbeiterin: „Das Projekt ,Kinder stark machen‘ hat sich inzwischen etabliert, sodass ich es im nächsten Schuljahr auf jeden Fall wieder anbieten werde.“

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