Adorfer investieren Großteil des Konjunkturpakets in mediale Ausstattung

MPS startet (inter-)aktiv in die Zukunft

+

Diemelsee - Adorf - Die Zukunft ist multimedial – auch im Klassenraum. Die Mittelpunktschule Adorf hat sich mit Hilfe des Konjunkturpakets gerüstet. Um in Zeiten rückläufiger Schülerzahlen ein attraktiver Schulstandort zu bleiben, setzen die Diemelseer zudem auf die Sanierung durch den Kreis.

Der Wettbewerb um Schüler hat in Waldeck-Frankenberg längst begonnen. Im Gegensatz zu einigen Zwergenschulen muss die MPS nach Angaben des kürzlich veröffentlichten Entwurfs zum Schulentwicklungsplan 2013 bis 2017 (wir berichteten) nicht um ihren Fortbestand als eigenständige Schule fürchten. Eine zugkräftige Zukunftsstrategie erscheint mit Blick auf die Prognosen des Landkreises als Schulträger aber wichtiger denn je (siehe Zahlen und Fakten).

„Derzeit haben wir 380 Schüler“, berichtet MPS-Schulleiter Jürgen Wohlfart. Zu Spitzenzeiten, als viele Aussiedler in Rhenegge untergebracht waren, zählte er rund 720 Schüler. Umso erfreuter ist Wohlfart, dass immer mehr Mädchen und Jungen aus Nordrhein-Westfalen den Weg nach Adorf finden – auch ohne Schulbusverbindung. Dieses Interesse führt der Pädagoge vor allem auf einen Baustein des Zukunftskonzepts zurück: die Verbundstufe, in der Haupt- und Realschüler ab Klasse 7 einen Klassenverband bilden. In den Nebenfächern werden sie gemeinsam unterrichtet, in den Hauptfächern nach Leistung getrennt, wobei eine Querversetzung nach oben und unten in jedem Fach jederzeit möglich ist.

Während die Diemelseer diesen Bildungsweg bereits seit 2006 erfolgreich gehen, schreiten sie seit 2010 zugleich mit großen Schritten in die multimediale Zukunft: Die laut Wohlfahrt 55750 Euro, die aus dem Konjunkturpaket über vier Jahre verteilt an die MPS fließen, investierten die Adorfer vor allem in interaktive Tafeln. „Inzwischen haben wir zehn Active Boards, von denen vier mobil sind“, erläutert Reinhard Weber. Der Mathe-, Chemie- und EDV-Lehrer zeichnet zusammen mit Susanne Schiefel für die neue Technik verantwortlich. Da der Unterricht aus Sicht der Experten nur effizient ist, wenn die Lehrer trainiert sind, haben beide interessierte Kollegen geschult. Digitale Tafeln motivieren Es habe sich bewährt, niemanden zum Umstieg auf die elektronische Tafel zu zwingen, erklärt Weber. „Die Kollegen, die sich bereit erklärt haben, identifizieren sich inzwischen mit ihrem Gerät und fungieren als Multiplikatoren.“

Bei einer kurzen Demonstration der Tafel, die einem überdimensionalem Computerbildschirm gleicht, über einen Beamer verfügt und mit einem Stift (statt Maus) bedient wird, fasst Weber die aus seiner Sicht wesentlichen Vorteile zusammen: l?Der Lehrer sitzt nicht mehr am PC, sondern steht wieder an der Tafel. Die Aufmerksamkeit wächst. l?Leichtere Unterrichtsvorbereitung: Lehrer nutzen Zuhause und in der Schule die gleiche Software. Weber: „Ich synchronisiere die Inhalte bereits über das Internet, so dass ich überall auf demselben Stand bind.“ Im nächsten Schritt könnte er sich die Einrichtung eines Intranets vorstellen, über das auch die Schüler von ihrem Heim-PC auf Inhalte zugreifen.

- Programme ermöglichen das Schreiben und Zeichnen wie an einer herkömmlichen Tafel, erleichtert durch Zeichentools. - Ins Tafelbild kommt Bewegung, da alle Elemente verschiebbar sind. - Zugriff auf Filme und Online-Inhalte. - Mit Tischkameras lassen sich zum Beispiel zu besprechende Hausaufgaben aus Schülerheften auf das Board projizieren. - Schulbuchverlage stellen sich auf Boards ein und entwickeln beispielsweise interaktive Arbeitsblätter und Tafelbilder Alle Inhalte können gespeichert und ausgedruckt werden. - Schüler und Lehrer sind gleichermaßen motiviert, da der Unterricht neu gestaltet wird.- Räume effizient nutzen

Weiterer wichtiger Baustein für einen attraktiven Schulstandort, ist für die Adorfer die geplante Grundsanierung bis 2015 für mehrere Millionen Euro: Die Sporthalle sowie der naturwissenschaftliche Trakt und das anschließende Gebäude erstrahlen bereits in neuem Glanz. In den sanierten Räumen sind sowohl die meisten interaktiven Tafeln als auch die beiden sehr gut ausgestatteten Computerräume sowie die Videoschnittplätze untergebracht. Die Sanierung soll in diesem Jahr im Aulagebäude weiter gehen, wo die Caféteria Platz findet. Nach und nach folgen die Hauptgebäude und die Verwaltung. „Aufgrund des Schülerrückgangs soll der Grundschultrakt abgerissen werden“, verweist Wohlfart auf den Schulentwicklungsplan. „Mein Wunsch wäre jedoch, das Gebäude entkernt zu erhalten.“ Eine offene Konstruktion könne Platz für Freiluftklassen oder Spielgeräte bieten. Wohlfarts Fazit: „Die zurück gehenden Schülerzahlen bieten auch die Chance, die großzügigen Räumlichkeiten künftig lerneffizient zu nutzen.“

Hintergrund

Für die meisten Diemelseer ist die Geschichte der Mittelpunktschule Adorf fest mit dem Namen Jürgen Wohlfart verbunden – und wird es auch bleiben, sofern das Schulamt in Fritzlar zustimmt. „Ich habe einen Verlängerungsantrag gestellt“, berichtet der langjährige Schulleiter, der 2012 vorzeitig in den Ruhestand gehen wollte. Die Freude über seine Entscheidung steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Ich bin ersetzbar“, stellt Wohlfart klar. Vielmehr zählt für den 61-jährigen Usselner, dass ihm die Arbeit nach wie vor großen Spaß macht. „Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich die MPS in dieser Phase gern weiter begleiten will“, verweist der erfahrene Pädagoge, der stets ein Mann klarer Worte ist, zum Beispiel auf die anstehende Sanierung (siehe weiteren Text). Der Schulleiter selbst ist optimistisch, dass das Schulamt seine Pläne unterstützt. (nv)

Zahlen und Fakten

Der Entwurf des Schulentwicklungsplan prognostiziert für die MPS Adorf einen Rückgang der Grundschüler bis 2017 um rund 30 Kindern. Ab 2013/2014 soll die Grundstufe nur noch zweizügig sein. „Während die Schülerzahlen im Hauptschulbereich relativ konstant bleiben, reduzieren sie sich im Realschulbereich auf eine durchgängige Einzügigkeit im Schuljahr 2017/2018“, heißt es weiter. Der Kreistag muss den Plan noch verabschieden.(nv)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare