Hallenbad: Nächste Runde über Bauschäden, Rechtsstreit und Gutachten

Startsprung im Herbst - 2014

+
Nach nur vier Wochen musste das millionenschwer erneuerte Korbacher Hallenbad im April 2012 wieder schließen.

Korbach - Neue Gutachten zum Hallenbad berät das Parlament am Donnerstag in einer Sondersitzung. Schon jetzt ist klar: Eine Wiedereröffnung 2013 ist in weite Ferne gerückt.

„Die Eröffnung im Herbst 2013 ist fraglich“, prophezeite die WLZ Anfang Februar. Bei einer Zwischenbilanz vorm Finanzausschuss warf Stefan Schaller, Geschäftsführer von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), den Blick auf ausstehende Gutachten. Eines ließ der Korbacher Bäderbetreiber EWF indes schon durchscheinen: Die Vorwürfe gegen den Generalplaner des Hallenbads seien „sehr schwerwiegend“.

Schon bevor am Donnerstag, 14. März, das Parlament in die nächste politische Freistilrunde zum Hallenbad geht, braucht es kein Orakel für neue Vorhersagen: Wie vor Weihnachten 2012 avisiert, bleibt es zwar bei einer Wiedereröffnung des Hallenbads „im Herbst“. Aber nicht 2013, sondern voraussichtlich erst im Herbst 2014.

Ursache sind nicht nur die vielen Mängel und Fehler beim Hallenbadbau, sondern auch das juristische Prozedere. Am Donnerstag wird zwar das umfangreichste Gutachten endlich in fertiger Ausführung präsentiert, aber danach erst kommt das gerichtliche „Beweissicherungsverfahren“ in Gang.

Beweise vor Gericht

Dabei legt EWF dem Landgericht in Kassel die Gutachten vor, deren Ergebnisse der Generalplaner Klaus Meyer (Gotha) offenbar bestreitet. Die Richter müssen deshalb weitere Gutachter bestimmen, die den Ist-Zustand im Hallenbad gerichtsfest beleuchten.

Erst danach kann EWF als Betreiber dann Firmen beauftragen, die mit der nachträglichen Sanierung des sanierten Hallenbads beginnen. Dies wird sich voraussichtlich bis ins Frühjahr 2014 hinziehen, dann folgt die Sommersaison im Freibad - und im Herbst 2014 könnten endlich wieder Badegäste im Hallenbad eintauchen.

Zunächst präsentiert Professor Hans-Martin Seipp von der Technischen Hochschule Mittelhessen (Gießen) am Donnerstag (ab 19 Uhr) in öffentlicher Sitzung das von EWF angeforderte „Hygienegutachten“, bestätigt Schaller. Badewassertechnik, Trinkwasser, Elektrik sowie Heizung und Lüftung sind die Schwerpunkte. In die Karten schauen lässt sich Stefan Schaller vor Donnerstag noch nicht.

Besondere Brisanz hat das Hygienegutachten, weil gefährliche Keime letztlich im April 2012 zum schnellen Aus des gründlich renovierten Hallenbads geführt hatten. Nur vier Wochen war das neue Hallenbad damals in Betrieb, weil Bakterien vom Stamm „Pseudomonas aeruginosa“ in den Trinkwasserleitungen nachgewiesen wurden.

Eine Kontrolle des Gesundheitsamts vor der Eröffnung musste nach WLZ-Informationen abgebrochen werden, weil der Bau noch nicht fertig war. Eine Prüfung auf Pseudomonas-Keime gab es deshalb nicht.

Wer zahlt für die Schäden?

Zudem stellte sich eine Fülle an Baumängeln heraus. Rohrleitung waren teils falsch angeschlossen, fehlende Bodenabläufe in den Fliesen sorgten für Rutschgefahr, an der Riesenrutsche fehlte der Blitzschutz, zudem ist die Beleuchtung im Hallenbad mangelhaft.

Der Teufel steckt dabei im Detail: Das Licht im Hallenbad genügt offenbar den Anforderungen für Sportstätten, das Licht im Sportbecken ist nach DIN-Norm. Aber im Zusammenspiel führen Reflexionen im Wasser dazu, dass Bademeister nicht auf den Grund des Beckens schauen können. Zudem sind im kleineren Lagunenbecken überhaupt keine Scheinwerfer mehr installiert.

Ohnehin wird das Hallenbad mit rund zehn Millionen Euro Baukosten bereits zwei Millionen teurer als geplant. Reparaturen und Nachbesserungen kommen nunmehr noch obendrauf. So ist Ziel von Stadt und EWF, den Generalplaner für Bauschäden und Mängel haftbar zu machen - beziehungsweise dessen Versicherung.

Offen ist, wer für die fehlenden Einnahmen durch Badegäste aufkommt, die sich auf jährlich sechsstellige Summen addieren. Denn selbst wenn das Bad geschlossen ist - Personal- und Betriebskosten fallen trotzdem an. Ab 2014 sollte wieder Geld der Badegäste fließen. Der Rechtsstreit mit dem Generalplaner wird sich aber vermutlich noch Jahre hinziehen.

Derweil keimte hinter den Kulissen zuletzt ein Gerücht auf: Sind Ausschreibungen und Vergabe in der Bauphase amtlich ordnungsgemäß verlaufen? Wenn nicht, könnten der Stadt Korbach nachträglich noch Fördergelder durch die Lappen gehen. Rund eine Million Euro hatte das Land Hessen an Zuschüssen gezahlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare