Ein Herzstillstand kann jeden treffen · Reanimation hilft Leben zu retten

„Staying alive“: Prüfen, Rufen, Drücken

Korbach - Nach der Melodie „Staying alive“ von den Bee Gees lassen sich Menschenleben retten. Warum das so ist und wie das mit dem richtigen Körpereinsatz funktioniert, zeigen Experten am kommenden Donnerstag bei einer Aktion im Korbacher Krankenhaus.

Ein Herzstillstand kann jeden treffen – und wer ihn erleidet, ist darauf angewiesen, dass ihm sofort geholfen wird. „Jede Minute, die man nichts tut, verringert die Überlebenschance um zehn Prozent“, erklärt Volker Barth. Er ist Oberarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am Korbacher Krankenhaus, außerdem Leitender Notarzt in der Kreisstadt und weiß, wovon er spricht. „Es könnten über 4000 Menschen mehr im Jahr gerettet werden, wenn ihnen sofort durch Herzdruckmassage geholfen würde“, sagt er. „Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Aber das Einzige, was man falsch machen kann, ist nicht umgehend zu helfen“, betont der Mediziner. Herz-Lungen-Wiederbelegung heißt das Stichwort. Mit dem Herzschlag wird pausenlos Blut in alle Organe und Körperteile gepumpt. „Hört das Herz auf zu schlagen, dann nimmt nach rund drei Minuten schon das Gehirn Schaden, nach fünf bis sieben Minuten kann es zum Hirntod kommen“, erklärt der Leitende Notarzt. Bis das professionelle Rettungsteam eintrifft, dauert es häufig zehn Minuten – und diese Zeitspanne macht deutlich, wie existenziell die Hilfe von Notfallzeugen ist. In Deutschland sehe es mit der Cardio Pulmonalen Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung, CPR) schlecht aus im Vergleich zu europäischen Nachbarn, erklärt Barth. Während in den Niederlanden zu 65 Prozent CPR vor dem Eintreffen des Notarztes geleistet wird, in Norwegen sogar 73 Prozent, reanimieren Laien in Deutschland nur in 17 Prozent der Herzstillstand-Notfälle, bevor das Rettungsteam eintrifft. „Anderswo in Europa reanimieren also viermal mehr Laien als bei uns – und wir sollten dringend besser werden“, sagt Barth. Deshalb hat er sich zusammen mit dem Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, Michael Götte, entschlossen, der Initiative des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten, der Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie der Stiftung Anästhesiologie zu folgen und für Aufklärung in und um Korbach zu sorgen. Daher gehen sie in Schulen, folgen Einladungen zu Vorträgen und laden selbst ein – etwa innerhalb der Kampagne „Ein Leben retten – 100 pro Reanimation“ bei der „Woche der Wiederbelebung“, die am Montag beginnt. Am Donnerstagabend geben sie um 19 Uhr im Korbacher Stadtkrankenhaus nicht nur den aktuellsten theoretischen Hintergrund für die Herz-Lungen-Wiederbelebung, sondern geben den Teilnehmern vor allem auch Gelegenheit, selbst Hand anzulegen: „Da der Einzelne solche Notfälle Gott sei dank nicht so oft erlebt, vergisst man schnell, wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung eigentlich funktioniert. Daher ist es wichtig, immer mal wieder zu üben und das eigene Wissen aufzufrischen“, sagt Michael Götte.Mithilfe von Puppen kann jeder die Herzdruckmassage üben, auch der Umgang mit dem Defibrillator wird gezeigt. Mit dem Schockgeber lassen sich Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern beenden. Außerdem werden Life-Keys verschenkt für eine Mund-zu-Mund-Beatmung. „Wer die Herzdruckmassage selbst probiert hat, verliert die Angst und fühlt sich viel sicherer“, laden Barth und Götte alle Interessierten zum Vortrag am Donnerstag ein. Von Marianne Dämmer

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