Korbacher Freilichtbühne spielt die "Feuerzangenbowle"

Stehende Ovationen bei Premiere

Korbach - Gleich mehrfach hat Regisseur Jens Lessing eine gute Wahl getroffen: Bei der Auswahl des Stückes und der Besetzung der Rollen. Und so entpuppt sich die „Feuerzangenbowle“ bei der Premiere auf der Freilichtbühne als Riesenspaß – für das Publikum und die Schauspieler.

Wer bei der „Feuerzangenbowle“ einen einsamen Star küren, einen Preis für den besten Schauspieler vergeben will, der wird es schwer haben. Da gibt es natürlich die Hauptfigur, Dr. Johannes Pfeiffer – mit drei f – der wunderbar verschmitzt daher kommt. Denn Julian Flake verleiht dem Schriftsteller durch ein begeisterndes Grimassenspiel so viel Charme und Schalk, dass sich der Besucher genüsslich auf der harten Zuschauerbank zurücklehnt und die Geschichte vom Doktor, der nochmal Schüler sein will, genießt.

Und kaum genießt er, betritt Volker Thielemann die Bühne, als Professor Crey. Und schon ist, trotz Nebenrolle, ein neuer Publikumsliebling geboren. Thielemann lässt den bemitleidenswerten Lehrer humpeln und krächzen und schließlich nach ungezählten Schülerstreichen wundervoll dramatisch resignieren. Nur einer sorgt für noch mehr Lacher im Publikum: Und das ist Andreas Göge, der sich einen breiten Oberlippenbart aufgelegt hat und mit einem kölschen Dialekt auf den Lippen und großen Löchern in seinen roten Socken Professor den Bömmel mit der „Dampfmaschin“ spielt.

Ein lustiger Reigen beginnt und schnell springt der Funke von dem gut aufgelegten Ensemble, das so offensichtlich Spaß am Spiel hat, auf das Publikum über. Rund 300 Gäste sind gekommen, um sich das dreistündige Spektakel nicht entgehen zu lassen – jeder trockene Platz im Theater ist besetzt. Lachend, applaudierend und jubelnd begleiten sie Dr. Johannes Pfeiffer ins Pennal, wo er sein Abitur nachholen will. Stattdessen aber wird er zum größten Lausbub der ganzen Klasse, kostet seine Vermieterin die Witwe Windscheid (Bärbel Rumpf) den letzten Nerv und verliebt sich dann auch noch in Referendarin Eva Knauer (Desirée Körner). Das Schicksal nimmt seinen Lauf und mittendrin sorgt Torben Siska als Schüler Luk herzzerreißend komisch für Momente voller Dramatik – etwa wenn er die Jungfrau von Orleans spielt oder nach einem gescheiterten Streich einen Zusammenbruch erleidet.

Nach drei Stunden lüftet Pfeiffer endlich das Geheimnis um seine wahre Identität – während eines heiteren Finales, das nochmal großen Spaß macht. Er schickt seine aufgetakelte Verlobte in die Wüste, gewinnt die gar nicht so brave Direktorentochter für sich und strahlt schließlich über sein ganzes schelmisches Gesicht. Am Ende stehen die Zuschauer auf den Rängen, applaudieren und bekunden, dass sie sich keine Minute gelangweilt haben. Eine Glanzleistung!

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