Bezirksversammlung des Waldecker Bauernverbandes

Steuergesetz stellt Kleinbetriebe schlechter

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Rund 60 Landwirte waren zur Bezirksversammlung des Waldecker Bauernverbandes aus Korbach, Lichtenfels, Twistetal und Waldeck ins Hotel Touric gekommen. Foto: Marianne Dämmer

Korbach - Agrarpolitik, Änderungen bei Sozialversicherung und Steuergesetzgebung: Die Teilnehmer der Bezirksversammlung des Kreisbauernverbandes absolvierten eine umfangreiche Tagesordnung mit vielen Informationen.

„Was bringt uns das Jahr 2015?“ fragte Christian Schultze, Vorsitzender des Lichtenfelser Bezirks, vor rund 60 Landwirten aus Korbach, Lichtenfels, Twistetal und Waldeck in seiner Begrüßungsrede zur Bezirksversammlung und setzte dicke Fragenzeichen hinter „Wetter, Bürokratie und Politik“.

Das waren Themen, die auch Karsten Schmal, Vorsitzender des Waldecker Kreisbauernverbandes in seinem Rückblick auf das vergangene Jahr in den Mittelpunkt stellte.

„2014 war ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft in Waldeck-Frankenberg“, konstatierte Schmal. Ein verregneter Sommer habe bei einem Großteil der Getreideernte zu Qualitätsverlusten und damit erheblichen finanziellen Einbußen geführt. Schließlich seien die Getreidepreise auch „heruntergeredet“ worden, kritisierte er. Immerhin hätten die Futterbetriebe von dem Wetter profitiert; bis zu fünf Grünland- Schnitte seien möglich gewesen. „Die Darstellung der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit macht uns Sorgen“, sagte Schmal. Daher habe der Kreisbauernverband 2014 „viel dafür getan, das Bild zu verbessern“, sprach er Infoblätter und Videoclip an.

„Wir machen Euch satt“

Auch habe sich der heimische Bauernverband am 17. Januar unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ in Berlin an der Gegendemo zur Kundgebung „Wir haben es satt“ beteiligt. Der Waldecker Bauernverband arbeite enger denn je mit dem Frankenberger Verband zusammen, lobte Schmal die Arbeit der Geschäftsstellenmitarbeiter.

Neu zum Team der Geschäftsstelle gehört Christina Heinemann (Berndorf), die am Mittwochabend bei der Versammlung im Hotel Touric über Neuerungen der Sozialversicherung sprach. Sie informierte über Details zu aktuellen Versicherungspflichten, zur Regelaltersrente, Mütter- und vorzeitigen Altersrente. Auch stellte sie die Gesundheitskurse für aktive Landwirte vor. Die seien 2014 erstmals angeboten worden und auf so großes Interesse gestoßen, dass 2015 weitere Kurse auch im Raum Edertal und Bad Arolsen angeboten werden.

Sie lud alle Betriebe ein, die kurzzeitig Mitarbeit auf anderen Höfen leisten könnten oder die Mitarbeiter oder Lehrlinge suchen, sich in der Geschäftsstelle zu melden - so könnte im Falle von Krankheit untereinander Aushilfe geleistet werden. Auch wer Betriebs- und Haushaltshilfen benötige, solle sich bei der Geschäftsstelle im Vorfeld Tipps holen.

Mindestlohn und Steuer

Wolfgang Brida von der LBH-Steuerberatungsgesellschaft gab den Landwirten Empfehlungen, wie sie auf die sich stetig verändernden Ertragssituationen reagieren können. So riet er, für das laufende Jahr einen Liquiditätsplan zu erstellen und lud die Mitglieder des Bauernverbandes ein, die Beratungsangebote zu nutzen. Es folgten Details zur Einführung des Mindestlohns, zur Erbschafts- und Schenkungssteuer, zur Grunderwerbssteuer und zu den neuen Buchführungsauflagen unter Paragraf 13a des Einkommensteuergesetzes (EStG). Die stellen die kleine Betriebe (bis 20 Hektar oder bis 50 Vieheinheiten) nun deutlich schlechter: „Damit werden die Betriebe oftmals mit Pauschalen besteuert, die sie gar nicht erwirtschaften können“, sagte der Steuerberater.

Wilhelm Spangenberg vom Fachdienst Landwirtschaft des Landkreises informierte über Neuerungen im Antragsverfahren, gab Details zu Greening, dem einzelbetrieblichen Förderprogramm, zur Düngeverordnung und zum Pflanzenschutz. Bis zum 26. Mai müsse jeder Landwirt zum Pflanzenschutz-Sachkundenachweis eine Checkkarte beantragen, sonst sei es ihm nicht mehr möglich, Pflanzenschutzmittel zu erwerben, unterstrich auch Friedrich Göge vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen. Dr. Ralf Nöchel vom Kreisveterinäramt sprach den Stand der Tierseuchenbekämpfung im Landkreis an.

Zum Abschluss der Versammlung präsentierte Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Waldecker Bauernverbandes, den Bauernverband Waldeck als umfassenden Dienstleister für die Landwirte. Grußworte sprachen Stadträtin Ulrike Tönepöhl und der stellvertretende Kreislandwirt Heiko Kieweg.

Von Marianne Dämmer

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