Vöhl

Der Stoff, aus dem die Träume sind

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- Vöhl-Marienhagen (jk). Mit einem neuen Webverfahren bringt die Marienhagener Maschinenbaufirma Bauch einen technologischen Schub. Das sorgt für Stoff, aus dem auch Träume der Automobilbranche sind.

Kette und Schuss – die beschäftigten früher Hunderttausende in der deutschen Textilindustrie. Auch wenn die Stoffe heutzutage meist aus dem Ausland in die Regale kommen, ist deutsche Technik keineswegs von gestern. Ein ganz besonderer Stoff liegt derzeit in einer Entwicklungshalle in Marienhagen auf der Dornier-Maschine. Die Firma Bauch (Maschinen- und Anlagenbau) hat dort im Schulterschluss mit der Spinnweberei Uhingen eine technische Innovation zum Erfolg geführt.Eine weiße Bahn mit zarten blauen Streifen ist auf dem Wickler. Auf den ersten Blick scheint das nicht sensationell. Doch beim genauen Hinsehen entpuppt sich der Stoff irgendwie schräg.

„Kette und Schuss im veränderten Winkel von 105 Grad“, erklärt Georg Mayer, Prokurist der Spinnweberei Uhingen (SWU) bei Stuttgart. Vereinfacht ausgedrückt heißt das: Der Stoff verlässt die Maschine nicht gerade, sondern schräg gewebt.Auftraggeber ist die Firma Optibelt in Höxter, ein Spezialist für Keilriemen. Zugfest, aber elastisch muss das Ummantelungsgewebe für Keilriemen sein – und genau hier kommt die Spezialmaschine aus Marienhagen äußerst gelegen. Das leicht schräge Gewebe hat deutlich bessere Eigenschaften.

Derzeit werden Stoffe für solche Anwendungen noch mechanisch gezogen, Fasern fixiert – oder die Bahnen einfach schräg geschnitten. Diese aufwendigen, teuren oder mit viel Ausschuss verbundenen Schritte können künftig entfallen, wenn der Stoff gleich entsprechend die Webmaschine verlässt. Schwäbische Sparsamkeit und Marienhagener Erfindungsgabe passen dabei wunderbar zusammen. Der Kontakt zwischen der Firma Bauch und SWU besteht schon lange. Die Marienhagener sind Spezialisten für Sondermaschinen und Anlagen in unterschiedlichsten Branchen. Für Webmaschinen liefern sie beispielsweise besondere Wickler. 2009 vereinbarten beide Firmen dann den Kooperationsvertrag für die Produktion von Schräggeweben.Das Projekt ist technisch so interessant, dass es von der AIF (Allianz Industrie Forschung) und durch EU-Mittel gefördert wurde. Und weitere Anwendungen hat die Firma Bauch bereits im Blick – möglicherweise bei ContiTech zur Produktion technischer Schläuche. Zumal Conti ohnehin ein wichtiger Auftraggeber der Marienhagener Firma ist, wie Chefin Annegret Bauch und ihr Sohn Christoph (23) erläutern.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 18. November

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