Korbach

Streit um Atemwegserkrankungen

- Korbach (lb). Die Debatte um Atemwegserkrankungen in Korbach reißt nicht ab. Nachdem der Kreis am Montag Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung vorgelegt hat (wir berichteten), äußert jetzt das Waldecker Ärztenetz Kritik an der Erhebung. Die Daten seien für die Korbacher Problematik ungeeignet und die gezogenen Schlussfolgerungen insbesondere für den Kinderbereich nicht nachvollziehbar, so Dr. Peter Koswig, Sprecher des Ärztenetzes. „Manche sprechen gar von einer gezielten Desinformation der Bevölkerung.“

Zur Abrechnung müsse jeder Arzt zumindest eine Diagnose pro behandeltem Patienten der Kassenärztlichen Vereinigung gegenüber angeben, erklärte der Korbacher Mediziner. „Insbesondere chronisch kranke Patienten haben mehrere Diagnosen, die sich nicht ändern und deshalb von den Praxiscomputern halbautomatisch gesetzt werden. Zusätzliche, akute Diagnosen werden, da die Diagnosecodierung einen zusätzlichen Aufwand bedeutet, in der Praxis deshalb oft unvollständig erfasst“, so Koswig.

Zuverlässigere Daten lieferten deshalb die Krankschreibungen, da hier immer die aktuellen, zur Arbeitsunfähigkeit führende Diagnose eingetragen werden muss. „Im November hatte die DAK über eine erhebliche Zunahme von Atemwegserkrankungen berichtet, die auch stärker wäre als im Landesdurchschnitt.“

Die Daten seien darüber hinaus nicht nach Patientenalter aufgeteilt und unterschieden nicht nach Wohnlage. Koswig: „In Korbach waren besonders in der Umgebung der Conti hohe Krankheitszahlen bei Kindern gefunden worden. Die Daten treffen hierzu keine Aussage.“ Die Zahlen suggerierten außerdem eine besonders gesunde Bevölkerung in Korbach und eine besonders kranke in Arolsen. Die Ursache liege wohl an den beiden Lungenfachärzten, da deren Patienten fast zu 100 Prozent mit solchen Diagnosen versehen werden und aus dem größerem Umkreis anreisen, vermutet der Korbacher Arzt. Dies führe seiner Ansicht nach zu einer erheblichen Verzerrung.

Die Kreis-FDP forderte indes vor dem Hintergrund der neuen Erhebung, den Vorschlag, ergänzende Schuleingangsuntersuchungen durchzuführen, nochmals zu überdenken. FDP-Landtagsabgeordneter Heinrich Heidel erklärte gestern, dass er die Zahlen an das hessische Gesundheitsministerium übergeben habe, mit der Bitte, zu überprüfen, ob die Landesregierung weitere Untersuchungen für notwendig erachte.

Was die Frage der Luftqualität angeht, sehen die Liberalen die Zuständigkeit bei den Kommunen und dem Regierungspräsidium. „Sollte die Stadt Korbach hier zusätzliche Untersuchungen für notwendig halten, ist es ihr unbenommen, diese auch durchzuführen“, teilte die FDP mit. Sprich: Wenn die Stadt Luftmessungen will, soll sie auch die Rechnung übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare